Organisationsentwicklung in Umweltverbänden

Umweltverbände sind nicht die einzigen Akteure der Zivilgesellschaft in Ostdeutschland. Aber unbestritten sind sie wesentliche Zentren für zivilgesellschaftliche Entwicklung. Dabei kommt es nicht darauf an, welcher Definition oder Konzeption von Zivilgesellschaft man folgen mag. Auch der in den 80 ziger und 90 ziger Jahren in West- und Ostdeutschland geprägte Begriff der Umweltbewegung ist so schillernd wie er wissenschaftlich schwer zu greifen und klar zu definieren war. Allerdings spricht einiges dafür, den Begriff der Umweltbewegung für die Beschreibung aktueller Phänomene oder gesellschaftlicher Realitäten im Umweltschutz bzw. die handelnden Akteure nicht mehr zu verwenden, da allein der Einfluss der Umweltgruppen speziell in Ostdeutschland auf prägende Entwicklungen der Gesellschaft, auf bestimmende Themen und wichtige Diskurse heute nur noch sporadisch und punktuell erfolgt und somit der Begriff der Bewegung völlig unangemessen wäre.

Allein 1990 gab es neben dem zentralen Runden Tisch, der für kurze Zeit die Basisdemokratie als Regierungsmodell für ein ganzes Land praxistauglich machte, auch einen zentralen Grünen Runden Tisch. Bereits daran ist die Stellung der Umweltgruppen und Umweltverbände in der Umbruchzeit 1990 in der ostdeutschen Gesellschaft ablesbar. Viele Untersuchungen, vor allem Mitte der 90 ziger Jahre, sind seitdem der Frage nachgegangen, warum die Umweltbewegung Ost so schnell implodierte. Aus den zahlreichen Argumenten erscheinen folgende besonders prägnant:

1. Der Einfluss der Umweltgruppen in die Gesellschaft in Ostdeutschland entsprach nie ihrer quantitativen Größe. Um Strukturen, Organisationen, Mitglieder und Apparate, ohne die man in der Realpolitik der Bundesrepublik keine Rolle spielt, hat sich die Umweltbewegung Ost aber erst gekümmert, als sie zu unbedeutend war, um den Einfluss dauerhaft organisierbar und finanzierbar zu machen.

  1. Die Wenigen wirklich profilierten Personen der Umweltbewegung Ost waren 1990 entweder schon sehr alt oder übernahmen nach der Wende politische bzw. administrative Ämter. Diesen Aderlass hat die Bewegung Ost auch deshalb nicht verkraftet, weil immer weniger junge Kräfte nachrückten.

 

UfU hat in einer Umfrage aus dem Jahr 2005 die Strukturen der ostdeutschen Umweltbewegung untersucht. Die wesentlichen Ergebnisse sind in der UfU Zeitschrift Themen und Informationen, Heft 58 publiziert worden.