Die Klimaschutzfrage in den USA I

Das war nicht zu erwarten in diesem Meeresmuseum in Monterrey an der kalifornischen Küste. Eigentlich wollten wir nur die Meereswesen bestaunen, auch anfassen, wie das in den USA meist möglich ist, das eine oder andere Neue kennenlernen. Wir gingen zu Viert in den Vortragssaal, der nächste Kinofilm sollte in wenigen Minuten losgehen. Nach so vielen See Ottern, See Pferdchen und Haien war uns plötzlich nach einem Film zumute. Doch statt Film wurde den etwa 150 Zuhörern im Kinosaal des Museums ein perfekter fünfzehnminütiger Vortrag zum Klimawandel und seinen Chancen geboten. Die etwa 30 Jährige Julia bot den erstaunten Zuhörern neben beeindruckenden Bildern auch viel Wissenswertes zur Lösung von Klimaproblemen. Das Faszinierende, sie stellt den Klimawandel nicht infrage. Das ist in den USA nicht selbstverständlich. Selbst nachdem die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko über Monaten das Nachdenken über den Ausstieg aus fossilen Rohstoffen beförderte, wollen nur 22% der Bevölkerung auf die Förderung von Öl aus Tiefseeregionen ganz verzichten.[1] Einen Zusammenhang zu Klimaschutzfragen sehen die Wenigsten. Und so streitet man in den USA aktuell darüber, ob der Klimawandel vom Menschen verursacht wird oder nicht. Einer neuesten Umfrage der Stanford Uni in Kalifornien zufolge sieht eine überwältigende Mehrheit von 75 % der Amerikaner den Treibhauseffekt im Wesentlichen vom Menschen verursacht. Sogar 92 % der Amerikaner wollen, dass die Regierung in Washington etwas dagegen unternimmt. Aber ebenfalls 72% der Amerikaner meinen, die Großindustrie hindere die Regierung zu wirksamen Maßnahmen gegen den Klimawandel.[2] Offensichtlich erfolgreich. Denn die Obama-Regierung hat das Klimagesetz vor der Sommerpause nicht durch den Kongress gebracht. Ein Zusammenschluss von 80 Umweltverbänden (www. http://cleanenergyworks.us/) arbeitete zwei Jahre ebenfalls hart an dem Zustandekommen des Gesetzes. Hierzu wurde eine Art überverbandliche Kommandozentrale in Washiongton DC mit 45 Mitarbeitern gegründet, die dann mit den 200 Außenstellen verschiedener NGO`s vernetzt wurden und so eine schlagkräftige Kampagne zustande brachten. Besonders die skeptischen Orte im USA-Kernland in der Mitte wurden mit entsprechenden Botschaften umworben[3].

Obwohl die Kampagne als erfolgreich eingeschätzt wird, diskutiert man auch, was man hätte besser kommunizieren können.[4] Immerhin kann die Obama-Regierung nach dem Scheitern des Klimaschutz-Gesetzes nunmehr via Environmental Protection Agency (EPA) Grenzwerte für verschiedene CO2 Verschmutzer verschärfen, was einigen Kohlekraftwerken die Puste ausgehen lassen dürfte. Insgesamt, das spürt man, ist Klimaschutz kein wichtiges Thema mehr in den USA. Dazu geht es den Amerikanern objektiv und noch mehr gefühlt schlechter denn je. Der Verzicht auf das Auto oder die Erhöhung von Benzinpreisen sind Tabuthemen. Man muss das Thema ganz anders verpacken. In Monterrey schafft das Julia durch Anleihen aus der Bionik. Das fasziniert scheinbar die Zuhörer. Zumindest ist der Applaus am Ende der 15 Minuten kräftig.


[1] Siehe Public Remains of Two Minds on Energy Policy http://www.usclimatenetwork.org/hot-topics/climate-polling (21.9.2010)

[2] Siehe the Climate Majority unter: http://www.usclimatenetwork.org/hot-topics/climate-polling/2/1/recent-findings/?b_start:int=10&-C= (21.9.2010)

[3] Siehe http://www.youtube.com/watch?v=G0RtSQFld48&feature=related

[4] Siehe http://www.grist.org/article/2010-08-03-is-cap-and-trade-to-blame-for-the-death-of-the-climate-bill