24. September 2019

Am Freitag, den 20.09.2019 wurde in Odessa erstmals seit 1953 ein neuer Leitfaden zum Umgang mit Gewässern in der Westukraine veröffentlicht. Erarbeitet wurde das 160 S. umfassende Kompendium von drei ukrainischen Organisationen, Galina Protsiv Mitglied von Kray aus Berezhany, Ternopol Obl., Victor Melnychuk, Nationales Ökologiezentrum der Ukraine sowie Svetlana Slesarenok vom Frauenclub des Schwarzen Meeres aus Odessa. Die Publikation war zugleich Abschluss eines Dialogprojektes im Wasserbereich zwischen den NGO´s der Westukraine und den staatlichen ukrainischen Wasserbehörden über den Zustand und die Entwicklung des Flusses Dniester, der durch die Ukraine und Moldau fließt. UfU und sein langjähriger Partner Ecotiras aus Moldau unterstützten die Bemühungen zur Herausgabe des Leitfadens mit Erfahrungen und Know How. Neben dem Leitfaden galt es, neben der Aufmerksamkeit auf den Strom Dniester auch die Konzentration auf Nebenflüsse zu legen. Die Orientierung auf das gesamte Flusseinzugsgebiet, wie es die Wasserrahmenrichtlinie der EU vorgibt, bestimmte die drei Veranstaltungen mit deutscher und moldauischer Beteiligung seit Frühjahr 2019. Die Diskussionen, auch auf dem gut besuchten Workshop am 20.09. in Odessa, zeigten, dass dies noch lange nicht Standard ist. Besonders die Gemeinden haben nach der Verlagerung der Zuständigkeiten auf die lokale Ebene häufig Interessen, die der ökologisch und sozialen Entwicklung des Flusssystems Dniester zuwiderlaufen. Sinnbildlich berichteten Teilnehmer auf dem Workshop davon, wie ein kleiner Nebenfluss in einen Fischteich umfunktioniert wurde und nunmehr nicht mehr in den Dniester mündet.

Der Leitfaden enthält neben der Darstellung von Erfahrungen und möglichen Maßnahmen einen Plan zur Herstellung des Dniester in einen guten Zustand bis 2024. Dass das ein schwieriges Unterfangen ist, berichtete Galina Protsiv. Sie zeigte auf dem Workshop am Freitag Fotos von 2009 und musste einräumen, dass viele der damals angekündigten Maßnahmen steckengeblieben sind. Dennoch wollte sie nicht pessimistisch in die Zukunft blicken. Sie erinnerte mit Ihrem Einwand lediglich daran, dass man zielstrebig vorangehen müsse.

Ein erster positiver Schritt war die offene Diskussion mit Lilia Grichiulevich, Leiterin der Wasserabteilung für den Bezirk Odessa. Lilia Grichiulevich stellte sich den vielen Fragen der Teilnehmer*innen des Workshops und sorgte so dafür, dass die Teinehmer*innen aus erster Hand erfuhren, was die Behörden in den nächsten Jahren planten. In der Diskussion wurden weitere Aspekte aufgedeckt, so beispielsweise, dass die Voraussetzungen für ein einigermaßen verlässliches Monitoring in der Ukraine derzeit gar nicht gegeben sind. Es fehlt an Ausrüstung und an Know How. Das wenige Geld zur Bewirtschaftung versickert oder wird zweckentfremdet. So kommt man den Zielen, die sich die Ukraine gesetzt hat, nicht näher.

Am Nachmittag des 20.09. stellten Ilya Trombitzky von Eco Tiras sowie Galina Protsiv, Svetlana Slesarenok, Victor Melnychuk und Michael Zschiesche in einer gut besuchten Pressekonferenz den neuen Leitfaden der Öffentlichkeit vor. (siehe http://www.paritet-info.com/2019/09/18/20-sentjabrja-press-konferencija-problemy-sohranenija-malyh-rek-ukrainy-nemeckij-i-moldavskij-opyt/ bzw. https://www.youtube.com/watch?v=3cDwvr687iY&list=PLH3mnC_NdXaEffC08cycTL55teIuByiB7&index=15&t=0s)

Das Projekt wird im Frühjahr 2020 in der Westukraine am Oberlauf des Dniestr mit einer Pflanzaktion fortgesetzt.