12. Oktober 2015

Seit Mitte Juli hat das UfU ein neues dreijähriges Projekt zum integrierten Energiepflanzenanbau auf Bergbauflächen in Vietnam gestartet. Ziel ist es, auf drei unterschiedlichen Standorten (Steinkohle, Bauxit, Eisen bzw. Mangan) die Machbarkeit des Anbaus von Energiepflanzen auf kontaminierten Bergbaustandorten in Vietnam modellhaft zu demonstrieren. Mit dieser Zielstellung soll gezeigt werden, dass es möglich ist, den Konflikt zwischen Nahrungsmittelanbau und Energiepflanzenanbau zu entschärfen oder gar nicht erst entstehen zu lassen, brachliegende Bergbauflächen in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen und zugleich mit innovativen „grünen“ Technologien Klimaschutzmaßnahmen voranzubringen.

Bereits 2007 hat Vietnam eine Entwicklungsstrategie (VGGS) für den Energiesektor verabschiedet, die u.a. darauf abzielt, den Anbau von Energiepflanzen zu forcieren. Ziel des Anbaus von Energiepflanzen ist es zunächst, den zunehmenden Treibstoffbedarf in Vietnam zu decken (E 5). Die stoffliche Nutzung von Energiepflanzen steht hingegen noch nicht auf der Agenda.  Die VGGS formuliert den dringenden Wunsch nach neuen Technologien zur Minderung der Treibhausgase bzw. nach modellhaften Ansätzen, wie der Treibhausgasausstoß in Vietnam deutlich verringert werden kann. Dabei kommt auch dem landwirtschaftlichen Sektor eine wichtige Rolle zu. In diesem Kontext ist das Projekt „Energiepflanzenanbau auf stillgelegten Bergbaustandorten in Vietnam – Pilotprojekt“ angesiedelt.

Die Auswahl der jeweiligen Energiepflanzenarten und die landwirtschaftliche Vorbereitung der Anbauflächen erfolgen vorab anhand von Literaturstudien und der Fachexpertise und Empfehlungen örtlicher Experten. Die Verwertungsmöglichkeiten der produzierten Biomasse im Umfeld der jeweiligen Anpflanzungen werden grundsätzlich aufgezeigt (bestehende bzw. geplante Anlagen zur Herstellung von Bioethanol, bestehende bzw. geplante Biogasanlagen usw.) sind aber nicht Gegenstand des Vorhabens.

Das Pilotprojekt konzentriert sich somit auf die Umsetzung von angepassten Energiepflanzensystemen auf Bergbaustandorten. Jedoch ist auch beabsichtigt, die ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für den Anbau von Energiepflanzen in Vietnam bei den relevanten Einrichtungen zu verbessern. Hierzu sollen sektorspezifische Analysen erfolgen und die möglichen Verwertungsketten exemplarisch mittels entsprechender Szenarios beschrieben werden.

Das Projekt wird von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums gefördert und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Deutsche Partner  sind die Uni Bochum sowie die Wissenschaftsfirma MSP Bochum. In Vietnam werden die Agrarwissenschaftliche Universität Thai Ngyuen sowie die Vietnam Environmental Protection Agency (VEA) am Projekt mitarbeiten. Auftakt ist der Kick-Off-Workshop am 19.11.2015 in Hanoi/Vietnam.