19. Februar 2026
Scheinbar gibt es viele junge Menschen, die für Themen – und erst recht für ein Engagement – im Bereich Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind.
Doch wer sind diese jungen Menschen, was bewegt sie? Mit welchen Alltagssorgen und Teilhabebarrieren sind sie konfrontiert? Und wie können Multiplikator*innen aus Jugend- und Verbandsarbeit besonders jene mit wenig Zugang zu Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsthemen wirksam erreichen und einbeziehen? Woran scheitert dies bisher, und welche Veränderungshebel stehen uns zur Verfügung?
Zu diesen Fragen bietet unser kürzlich erschienenes Praxishandbuch (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/junge-menschen-erreichen-nachhaltigkeit-gemeinsam) eine ebenso kompakte wie nützliche Arbeitshilfe. Denn für uns ist klar: Junge Menschen sind sowohl besonders betroffen von Folgen der Klimakrise wie auch wichtige (potenzielle) Akteur*innen des Wandels. Das Handbuch richtet sich an Multiplikator*innen, die mit jungen Menschen arbeiten und diese dabei unterstützen möchten, eigene Zugänge zu Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln – ob in Jugendtreffs, Schulen, Vereinen, Kultur- und Sportangeboten, Freiwilligendiensten, Kommunen oder auch in zivilgesellschaftlichen Organisationen. Gleichzeitig soll es als Unterstützung für diejenigen Akteur*innen dienen, die bereits im Bereich Umwelt, Klima und/oder Nachhaltigkeit aktiv sind und ihre Zielgruppen erweitern wollen – zum Beispiel, weil sie merken, dass ihre Angebote immer nur durch ein bestimmtes Milieu (z.B. Gymnasialschüler*innen aus einem bestimmten Stadtteil) angenommen werden.
Das erarbeitete Handbuch bietet praxisnahe Ideen, Methoden, Lesetipps und Erfahrungen, die zeigen, wie Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit ganz konkret und lebensnah verankert werden kann. Hervorzuheben ist dabei die Rolle von Kooperationen. Denn besonders wirkungsvoll ist es, wenn Akteur*innen aus verschiedenen Engagementfeldern zusammenarbeiten. Hier erschließt sich ein großes Potenzial für Synergien und gegenseitige Lerneffekte. Wenn z.B. ein Jugendfreizeittreff mit einem Sport-, Umwelt-, Kultur- oder Religionsverband bzw. -verein gemeinsam Ideen entwickelt, entstehen neue Lernräume, in denen junge Menschen eigene Erfahrungen machen und sich gegenseitig stärken können. Gleichzeitig können auch die jeweiligen Multiplikator*innen in einen fruchtbaren Methoden- und Wissensaustausch kommen.
Das Handbuch will Mut machen, neue Wege zu gehen: Kooperationen zu wagen, Peer-to-Peer-Lernen zu fördern und Themen so zu gestalten, dass sie berühren, motivieren und verbinden. Übergeordnet sind im Handbuch 5 zentrale Erkenntnisse und Empfehlungen formuliert:
- Kooperationen schaffen Mehrwert.
Die Verbindung von Umweltbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Jugendverbandsarbeit und Offener Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) eröffnet neue Perspektiven und Lernräume. Unterschiedliche Akteur*innen bringen jeweils eigene Stärken mit, z. B. methodische Erfahrung, Zugang zu bestimmten Gruppen oder Räumlichkeiten und andere Ressourcen. So entstehen Angebote und Formate, die weit über das hinausgehen, was einzelne Akteur*innen allein umsetzen könnten.
- Unterschiedliche Rahmenbedingungen sind Chance und Herausforderung zugleich.
Während Jugendverbände z. B. thematische Schwerpunkte, teils projektorientiertes Arbeiten und etablierte Organisationsstrukturen mitbringen, ist die Offene Kinder- und Jugendarbeit stärker alltagsorientiert, beziehungsbasiert und schafft bewusst niedrigschwellige Angebote. Diese Unterschiede können Herausforderungen darstellen, eröffnen aber auch viele Potenziale, um gemeinsam junge Menschen zu erreichen.
- Lebensweltorientierung schafft Brücken.
Nachhaltigkeit wird für junge Menschen dann interessant, wenn sie erlebbar, konkret und mit persönlichen Vorteilen verbunden ist, so etwa durch Spaß, Gemeinschaft, Kreativität oder Kostenersparnis. Abstrakte oder moralisch aufgeladene Appelle sowie (viele) Fachinformationen erzeugen hingegen kaum Interesse. Das zugrundeliegende Nachhaltigkeitsverständnis sollte sich nicht allein auf ökologische Aspekte beschränken, sondern auch Gesichtspunkte sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellen.
- Methodenvielfalt und praktische Ansätze fördern Selbstwirksamkeit.
Interaktive, kreative und handlungsorientierte Methoden ermöglichen erfahrungsbasiertes Lernen und zeigen Jugendlichen: Ich kann etwas bewirken! Diese Selbstwirksamkeitserfahrungen sind Schlüsselmomente, in denen Nachhaltigkeit erlebbar und gesellschaftliche Teilhabe gestärkt wird.
- Vertrauen und Beziehungsarbeit sind eine wichtige Basis.
- Gerade bei Jugendlichen, die bisher wenig Berührung mit Engagement und Nachhaltigkeit haben, braucht es Zeit und verlässliche Kontakte. Erst durch wiederkehrende Begegnungen, gemeinsame Aktivitäten und wertschätzendes Miteinander entstehen Vertrauen und die Lust, sich einzubringen.
Das Praxishandbuch ist im Kooperationsprojekt „Jugendengagement für Nachhaltigkeit stärken durch Dialog und transformatives Lernen (JuNast)“ entstanden. Es baut auf Forschungsergebnissen des Projektes, Expert*innen-Interviews, Praxiserfahrungen aus im Projekt durchgeführten Modellprojekten sowie weiteren Hintergrundrecherchen auf. Das Forschungsprojekt wird gefördert vom Umweltbundesamt (UBA) im Rahmen des Ressortforschungsplans (ReFoPlan) des BMUKN.
Im zweiten Teilbericht des Forschungsprojektes finden sich darüber hinaus detaillierte Erkenntnisse zu Einstellungen, Lebensrealitäten, Kommunikations- und Engagementverhalten von jungen Menschen in Deutschland, die sich bisher nicht aktiv für Umwelt-, Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsthemen interessieren und engagieren: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/jugendengagement-fuer-nachhaltigkeit-staerken-0



