Das Unabhängige Institut für Umweltfragen untersucht in seinem Sporthallenprojekt seit November 2024 die energetische Situation von Sporthallen in Deutschland. Ziel des Projekts ist es, einen besseren Überblick über die Verbräuche von Sporthallen in Deutschland zu bekommen und die Gesamtemissionen durch verschiedene Maßnahmen nachhaltig zu senken. Dazu entwickelt das UfU eine Systematik zur differenzierten Erfassung und Reduktion des tatsächlichen Endenergieverbrauchs von Sporthallen.
Am 6. November 2025 wurden im Rahmen einer Online-Veranstaltung des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) gemeinsam mit ZEBAU erste Daten und Maßnahmen zur laufenden Untersuchung vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen einen immensen Sanierungsbedarf bei den untersuchten Sporthallen auf. 60 Prozent der Sporthallen sind in einem energetisch schlechten Zustand. Zusätzlich zeigt die Untersuchung, dass viele Sporthallen falsch eingestellt sind und es dementsprechend höhere Verbräuche gibt, als eigentlich notwendig wären.

Solide Datengrundlage fehlt
Um die energetische Situation von Sporthallen zu untersuchen, musste das Projekt erst eine eigene Datengrundlage schaffen. Offizielle Statistiken zur Anzahl von Sporthallen und Sportstätten gibt es nicht. Schätzungen geben an, dass es in Deutschland ca. 40.000 Sporthallen gibt. Zusammen mit anderen Sportanlagen (Tennisanlagen, Schwimmbäder, etc.) ergeben sich ungefähr 231.000 Sportstätten.
Auch die Verbräuche werden für einen Großteil der Sporthallen nicht statistisch erfasst und öffentlich zugänglich gemacht. Ähnlich unseren Erfahrungen mit Schulen, ist es bisher noch sehr schwer, überhaupt an die Verbrauchsdaten von Sporthallen und Sportstätten zu kommen. Oft sind nur Jahresverbräuche abrufbar. Um die Verbräuche aber interpretieren zu können, sind statistische Auswertungen mindestens auf Monatsbasis notwendig.
Die mit den Verbräuchen verbundenen Emissionen deutscher Sportstätten können ebenfalls bisher nur grob geschätzt werden. Laut einer alten Berechnung des Ökoinstitutes verursachen deutsche Sportstätten jährliche Emissionsmengen von rund 7,5 Millionen Tonnen CO₂.
Aufgrund dieser massiven Datenlücke, hat das UfU hat im Projekt eigene Daten von ca. 200 Sporthallen generiert und die daraus errechneten Energiekennwerte anhand der Klassenuntergrenzen des Deutschen Städtetags (DST) eingeordnet. Die Verbräuche der von uns untersuchten Sporthallen liegen für das Jahr 2023 im Mittel bei 115 kWh/m² für Wärme und 21 kWh/m² für Strom. Dies entspricht für beide Medien der Energieeffizienzklasse „C“ des DST.
Die Ergebnisse
- Hohes Potential durch technische Modernisierung
Die höchste Einsparwirkung bei Sporthallen erzielen Modernisierungen an der Gebäudehülle, Heizungs- und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, sowie stromsparende LED-Beleuchtung. Sporthallen mit effizienter Lüftung reduzieren den spezifischen Wärmeverbrauch um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu konventionellen Systemen. Der Wechsel zu Deckenstrahlungsheizungen und abgesenkten Vorlauftemperaturen spart bis zu zwei Drittel der Wärmeenergie und bis zu 30 Prozent Strom.
- Flexible Nutzung ermöglichen
Neben der technischen Modernisierung kann viel Energie durch die Änderung des Nutzungsverhaltens und Optimierung der Betriebsführung eingespart werden. Viele Sporthallen werden zentralisiert verwaltet und weisen aktuell wenig Flexibilität in der Verbrauchsanpassung auf. Im alltäglichen Sportgeschäft fehlen Möglichkeiten wie Dimmer, Schlüssel zur Heizungsanlage oder zu Schaltkästen, damit der Verbrauch flexibel nach Nutzung angepasst werden kann. Dadurch gehen enorme Einsparpotentiale verloren. Heizungen, Licht, Wasserverbrauch sollten in Zukunft von Verantwortlichen vor Ort flexibler anpassbar sein, um Überverbräuche zu vermeiden.
Notwendige Weichenstellungen: Energiemonitoring in Sporthallen und Modernisierung fördern
Sporthallen benötigen eine systematische und ambitionierte Neuausrichtung der politischen und finanziellen Rahmenbedingungen, um Verbräuche in Zukunft einzusparen. Als erster Schritt muss eine Datengrundlage geschaffen werden. Wir müssen wissen, wieviel Sporthallen es in Deutschland gibt, wieviel Energie und welche Art von Energie diese verbrauchen und welche Emissionen damit verbunden sind. Dafür ist ein zentrales und flächendeckendes Energiemonitoring für Sporthallen notwendig. Erst wenn Verbräuche täglich digital ablesbar sind und den einzelnen Sporthallen und ihren Versorgungsarten zugeordnet werden, können alle Einsparpotentiale aufgedeckt werden. Die technischen Möglichkeiten sind dazu bereits vorhanden. In der Praxis scheitert es bisher jedoch oft an langen bürokratischen Wegen und der Frage, wer für die Veröffentlichung der Verbrauchsdaten eigentlich zuständig ist.
Sobald die Sporthallen energetisch mittels Monitorings überwacht werden wird ersichtlich, wo die dringendsten Sanierungen notwendig sind und welche Hallen überproportional viel verbrauchen. Durch den Vergleich werden Nacht- und Wochenendabsenkungen besser geplant und Havarien wie Rohrleckagen oder defekte Spülungen frühzeitig aufgedeckt. Außerdem gibt das Monitoring Aufschluss, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit die meiste Energie in der Sporthalle benötigt wird. Mit solchen Informationen können dann Nutzungsanpassungen vorgenommen werden und in hohem Maßen Energie eingespart werden. In einer weiteren Befragung, die das UfU unter 89 Sporthallenbetreibern und Energieberater*innen durchgeführt hat, gaben nur sieben Prozent der Befragten an, über ein digitales Energiemonitoring zu verfügen.
Der Untersuchungsbericht
Im Laufe des Projektes entsteht ein umfassender Untersuchungsbericht, welcher Anfang des Jahres 2026 veröffentlicht wird. Dieser wird auch auf der Projektseite hochgeladen: https://www.ufu.de/projekt/energiesporthallen/


