Klimaschutz durch Fassadenbegrünung und Biomasseverwertung an Schulen

Die Produktion von Biomasse für eine energetische Verwertung wird in ländlichen Gebieten bereits im großem Maßstab und unter hohem Verbrauch von Fläche praktiziert. In diesem Pilotprojekt soll dieses Vorgehen auf für den Klimaschutz ungenutzte Räume übertragen werden. Durch die vertikale Produktion wird der Flächenverbrauch für die Produktion von Biomasse eingespart und neben Klimaschutz- auch Klimaanpassungsmaßnahmen, die insbesondere für urbane Räume wertvoll sind, zur Verfügung gestellt.

Durch ein vom Center for Innovation and Science on Building Greening der TU Berlin, angesiedelt am FG Ökohydrologie und Landschaftsbewertung, entwickeltes neuartiges Ranksystem für Fassadenbegrünungen kann diese bei Erreichen der Zielbiomasse ohne großen personellen oder maschinellen Aufwand abgenommen und einer Verwertung zugeführt werden.

So wird die energetische Nutzung innerstädtisch erzeugter Biomasse mit einer positiven energetischen Gesamtbilanz möglich gemacht. Die Größe des gesamten Kohlenstoffspeicherpotenzials ist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten der Einrichtungen. Bei einer vertikalen Begrünung in den Innenstadtquartieren von Berlin (Quartiere innerhalb des innerstädtischen Stadtbahnrings) mit einer zur Verfügung stehenden Fassadenfläche ohne Fenster von beispielsweise 2.160 ha ergibt sich ein erhebliches Klimaschutzpotential für den Berliner Innenstadtbereich.[1] Anders als bei langsam wachsenden Bäumen werden diese Speicherleistungen bei schnell wachsenden, teilweise vorgezogenen Arten bereits nach ein bis zwei Jahren erreicht.

In diesem Pilotprojekt wird neben der CO2-Sequestrierung durch die Biomasse auch das Einsparungspotential für CO2-Äquivalente bezüglich Heizenergie, Kühlenergie und Einsparung von Energie für nicht eingeleitetes Regenwasser (Charlottenburg verfügt größtenteils über eine Mischwasserkanalisation) quantifiziert. Bezüglich der Biomasse werden verschiedene Methoden zur Verwertung untersucht. Es wird auch quantifiziert, welches Speicherpotential ein längerfristiger Biomassezuwachs mit Erhalt der Begrünung ergäbe.

Über die dargestellten Themen werden die weiteren Themenfelder regenerative Energiesysteme, Umweltdienstleistungen, Boden-/Flächenverbrauch, Konsumverhalten und Umweltpsychologie, Hochwasserentlastung, Luftreinhaltung/Schadstoffadsorption, Lärmminderung, Erhaltung und Erhöhung der Biologischen Vielfalt sowie Stressminderung adressiert.

An drei Schulgebäuden im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf werden Vertikalbegrünungen als konkrete Maßnahme zu Klimaschutz und –anpassung installiert sowie in die Bildungsarbeit der Schulen implementiert. Das Potenzial massenhaft umzusetzender, energiepositiver Gebäudebegrünungen für direkte CO2 – Sequestrierung und indirekte CO2 – und Energieeinsparungen wird quantifiziert und durch die Verankerung des Themas in die Bildungsarbeit dem gesamten Querschnitt der Gesellschaft vermittelt.

Der innovative Projektansatz bringt Klimaschutzmaßnahmen und deren Sichtbarmachung sowie die Verknüpfung mit den regionalen Stakeholdern dahin, wo sie in der Gesellschaft derzeit am stärksten gefordert werden – zu Schüler*innen. Dabei werden Zielgruppen und Multiplikator*innen auf verschiedenen Ebenen angesprochen, die für die Verankerung, Übertragbarkeit und Verstetigung dieser Maßnahme wirksam werden.

Die Zielgruppen des Projekts umfassen: Schüler*innen, Schul- und Lehrpersonal, Eltern, Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsbaugenossenschaften, Quartiersmanager*innen, Klimaschutzbeauftragte, Energieberater*innen, Umweltverbände, Studierende, außerschulische Bildungspartner*innen, lokale Ver- und Entsorger sowie die Nachbarschaft im Einzugsgebiet der Schulen.

[1] Nehls, T. (2010): Ungenutztes Flächenpotenzial für die Fassadenbegrünung am Beispiel Berlins. Bauwerksbegrünung. Verlag Kuberski, Stuttgart, 74-75.

Laufzeit
08/2021 – 07/2024

Kooperationspartner

Technische Universität Berlin (TUB), Institut für Ökologie, Fachgebiet Ökohydrologie und Landschaftsbewertung

Fachbereich Naturschutz des Umwelt- und Naturschutzamtes Charlottenburg-Wilmersdorf

Gefördert durch
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI)

Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Kontakt

Ulrike Koch

Patrick Konopatzki