Unsere Motivation
Ohne Boden kein dauerhaftes Leben auf dem Land, keine Landpflanzen – und damit auch kein Brot, kein Gemüse und kein Fleisch. Auch unser Trinkwasser benötigt den Boden als Filter und Speicher. Ohne Boden also auch kein sauberes Trinkwasser. Die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Biodiversität sind ebenfalls eng mit dem Boden verwoben, sei es durch Wasserrückhalt, Kohlenstoffspeicherung oder durch die bodengebundene Kühlleistung durch Verdunstung – oder ganz einfach als Lebensraum.
Das alleine müsste doch für unsere Gesellschaft Grund genug sein, alles daran zu setzen, dass Böden gesund bleiben – und vor allem: dass sie nicht weiterhin in hohem Tempo versiegelt, übernutzt oder abgetragen werden.
Tatsächlich aber wird die jährliche Bodenerosion, also der Verlust bzw. die Degradation von Böden, auf landwirtschaftlichen Flächen in der EU auf rund eine Milliarde Tonnen geschätzt – deutlich mehr als durch natürliche Prozesse im selben Zeitraum nachgebildet werden kann (Luig, et al., 2024). Weitere 1.000 km2 Boden sind zwischen 2015 und 2018 durch Versiegelung verloren gegangen (European Environment Agency, 2024), eine Fläche die etwa der Stadt Berlin entspricht. Bei der Untersuchung von über 300 landwirtschaftlichen Standorten, die sich auf elf Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verteilen, konnten in 83 % der Standorte Pestizidrückstände in den Bodenproben nachgewiesen werden (Silva, et al., 2019).
Wenn uns Ernährungssicherheit, sauberes Trinkwasser, Biodiversität, Klimaschutz und Klimaanpassung am Herzen liegen, führt kein Weg an einem vom Grund auf ambitionierten Bodenschutz für gesunde Böden vorbei (Bellingrath-Kimura, et al., 2025). Und es gibt bereits Beispiele, die Mut machen.
Unser Ansatz – Vom Grund auf Denken. Für gesunde Böden.
Ganz nach diesem Motto möchte die Initiative BODENplus solche Positivbeispiele sichtbarer machen, weiterentwickeln und neue Wege ausloten. Dabei folgt sie stets der Frage: Wie lassen sich Erkenntnisse aus Forschung und Praxis in konkrete Handlungsansätze überführen? Ziel ist es, den vorsorgenden Bodenschutz zu stärken – durch einen integrativen, praxisnahen und zugleich forschungsbasierten Ansatz. Die Initiative basiert dabei auf den folgenden drei thematischen Säulen:
- Zustand des Schutzgutes Boden in Deutschland: Ziel dieser Säule ist die Entwicklung wissenschaftlicher-praktischer Ansätze zur quantitativen und qualitativen Bewertung der Flächeninanspruchnahme und seiner Auswirkungen auf die Bodenfunktionen.
- Treiber von Bodendegradation in Deutschland: Um effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln, ist es entscheidend, die Hauptursachen für Bodendegradation zu identifizieren. Dabei spielen ökonomische Faktoren eine wichtige Rolle.
- Beispiele und Ansätze für praktischen Bodenschutz: BODENplus möchte sich nicht alleine auf die Analyse des Zustands und Treiber beschränkten, sondern vielmehr dieses Wissen in Handeln übersetzen. Innerhalb dieser Säule werden daher konkrete und praktikable Handlungsoptionen abgeleitet und bewährte Praxis aufgezeigt.
Neben den praktisch-wissenschaftlichen Aspekten ist es entscheidend, das Bewusstsein und Verständnis für die Bedeutung des Bodenschutzes in der breiten Bevölkerung kontinuierlich zu fördern. Daher werden alle drei Säulen durch einen horizontalen, gesellschaftsorientierten Ansatz verbunden, der mit Schulprojekten, kreativen Informationskampagnen sowie partizipativen Formaten wie „Citizen Science“ Betroffenheit sichtbar macht und so die Mitwirkung an der Initiative fördert.

Wissenschaftliche Arbeiten in BODENplus:
November 2025: Studie – Praktischer Bodenschutz am Beispiel vorbeugender Hochwasserschutz
- Reck, Arne: Fallstudie
- Reck, Arne; Rüffer, Jonas; Hintergrundpapier
Neuigkeiten aus BODENplus:
- November 2025: Auftaktveranstaltung BODENplus: Zusammenfassung der Ergebnisse
- November 2025: Rüffer, Jonas; Reck, Arne; Pressemitteilung – Ökologischer Bodenschutz: Schlüssel gegen Hochwasser und Klimafolgen.
Unser Leitgedanke
Natürlich schaffen wir das niemals alleine. Mit unserer Initiative wollen wir keine Konkurrenz zu bestehenden Institutionen und Initiativen darstellen. Wir verstehen unser Tätigkeitsfeld vielmehr als Transmissionsriemen zwischen der Boden-Community und der Zivilgesellschaft sowie als Netzwerk. Denn BODENplus versteht sich nicht als fertiges Konzept, sondern als lebendige Initiative aller Bodeninteressierten – getragen vom Miteinander und dem Engagement ihrer Mitwirkenden.
Boden ganz konkret
Und hier sind die aus unserer Sicht wesentlichen Eckpunkte zum Umweltmedium Boden für alle, die sich tiefergehend dafür interessieren.
- Böden sind hochkomplexe Systeme, die vielfältige Puffer-, Speicher- sowie Auf- und Abbauprozesse in unseren Umweltsystemen determinieren. Sie sind das komplizierteste Biomaterial unseres Planeten aber auch das vielfältigste und wichtigste Ökosystem (Young, 2004):
- Böden sind der größte terrestrische Kohlenstoffspeicher und sequestrieren etwa viermal so viel Kohlenstoff wie die oberirdische Biomasse und etwa dreimal so viel wie die Atmosphäre (Zomer, et al., 2017).
- In einem Garten mit gesundem Boden leben mehr einzelne Organismen als Menschen, die bisher auf der Erde gelebt haben: 1012 Bakterien, 104 Protozoen, 104 Nematoden, 25 km Pilze und unzählige andere Arten (Young, 2004).
- Böden sind das verbindende Element zwischen Atmosphäre und Hydrosphäre und bestimmen ganz wesentlich den Stoffaustausch zwischen den beiden genannten Sphären.
- Böden sind eine begrenzte Ressource, die sich nicht im menschlichen Zeitmaßstab erneuert, sondern nur über sehr lange Zeiträume. Unsere natürlichen Böden in Deutschland haben sich beispielsweise überwiegend seit der letzten Kaltzeit entwickelt, also in den letzten 10.000 Jahren.
- Etwa ein Viertel der eisfreien Landfläche weltweit ist heute von Degradation betroffen, d.h. zentrale Bodenfunktionen sind auf diesen Flächen eingeschränkt oder ganz verloren gegangen. Die jährliche Bodenerosion auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wird EU-weit auf ca. 1 Milliarde Tonnen geschätzt – weit über der natürlichen Regenerationsrate (Luig, et al., 2024).
- Böden sind die Grundlage für die Ernährung der (auch in Deutschland) wachsenden Bevölkerung (Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, 2023).
Wissenschaftlicher Beirat von BODENplus:

Michael Zschiesche
Dr. rer. pol.
FG Umweltrecht & Partizipation, Geschäftsführer
Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU)

Katharina Helming
Prof. Dr. sc. agr.
AG Folgenabschätzung von Landnutzungsänderungen
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)
Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)

Michael Kerth
Dr. rer. nat.
Bodenschutz, Altlasten und mehr
Sachverständigenbüro Dr. Michael Kerth

Tim Mansfeldt
Prof. Dr. sc. agr.
AG Bodengeographie/Bodenkunde
Universität zu Köln



