Lokale Pilotmaßnahmen zur Bewusstseinsförderung für den Klimawandel und zu Handlungsoptionen zum Klimaschutz in Mittelvietnam

Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt in 2019 werden auch in diesem Jahr vier Projekte von jungen Vietnames*innenn zum Thema Klimaschutz und Bewusstseinsbildung über den Klimafonds des Auswärtigen Amtes gefördert. Die jungen Erwachsenen sehen den Klimawandel und seine Folgen mit großer Sorge und nehmen deutliche Bewusstseinslücken für Klimaschutzangelegenheiten in der Bevölkerung wahr. Gleichzeitig stecken sie voller kreativer Ideen mit großem Potential, die sie mit großer Entschlossenheit und viel Energie in Taten umsetzen möchten.

Das UfU unterstützt die Projekte und verfolgt ihren Fortschritt gemeinsam mit den lokalen Partnern des Mientrung Institute for Scientific Research (MISR), doch sie werden von den Projektleiter*innen eigenständig organisiert und durchgeführt. Bei einem Workshop Ende Oktober in Hue, Mittelvietnam, sollen die vier Projektleiter*innen gemeinsam mit anderen interessierten jungen Vietnames*innen den aktuellen Stand ihrer Projekte besprechen und sich über lokalen Klimaschutz austauschen.

 

Projekt: Förderung junger Menschen bei der Verminderung der Auswirkungen von Abfällen auf die Umwelt zur Verringerung von Klimawandelproblemen

In der Küstengemeinde Pho Tanh ist Umweltverschmutzung durch Kunst- und Feststoffabfälle neben dem Klimawandel eine der Hauptursachen für die Zerstörung des Meeresökosystems. Dieses Projekt hat zum Ziel, die Küste durch Aktivitäten zur Abfallvermeidung und –wiederverwertung zu schützen. In enger Zusammenarbeit mit der vietnamesischen Youth Union soll „The Club of Journey from Grey to Green“ gegründet werden, der sich durch Aktivitäten wie Recycling- und Abfall-Sammelaktionen öffentlich für Abfallvermeidung einsetzt und die lokale Bevölkerung zu dem Thema sensibilisiert. Die Mitglieder des Clubs werden zudem in Zusammenarbeit mit Schulen und der lokalen Bevölkerung ein Kompostprojekt für Bioabfälle durchführen und bewerben.

 

Projekt: Green Action – Green Future

Auch in der Provinz Hai Duong stellt die Verschmutzung der Küste durch Plastikmüll eine starke Belastung für die Umwelt dar. Die Strände des beliebten Reiseziels wurden durch den wachsenden Tourismus und der damit einhergehenden Plastikmüllverschmutzung so stark belastet, dass das lokale System die Abfallbeseitigung nicht mehr bewältigen kann. Das Projekt zielt darauf ab, der Entstehung von Plastikmüll vorzubeugen, anstatt erst bei der Beseitigung des Abfalls anzusetzen. Hierfür werden Studierende der Hue Universität für Medizin und Pharmazie in einem ersten Schritt das Verhalten der lokalen Bevölkerung im Umgang mit Plastikmüll und Plastikartikeln untersuchen. In einem zweiten Schritt wird ein „Blue Sea Club“ an einer Schule gegründet, in dem Müllsammelaktionen, ein Recycling-Wettbewerb und Recycling-Workshops durchgeführt werden. Die Schüler*innen sollen als Multiplikator*innen Familien und die lokale Bevölkerung erreichen und für die Reduzierung von Plastikmüll sensibilisieren.

 

Projekt: Pilotprojekt zur Umwandlung von landwirtschaftlichen Abfallprodukten in Biokohle zur Verminderung von Treibhausgasen und Steigerung von Ernteerträgen

Das landwirtschaftliche Unternehmen Vanpa Farm Cooperative im Bezirk Dakrong baut Pflanzen (Kajeput, Basilikum, Ingwer, Kurkuma) zur Gewinnung von ätherischen Ölen an. Dabei fallen monatlich schätzungsweise 25 Tonnen Abfallprodukte an, welche derzeit als Feuerholz verwendet oder an einem nahegelegenen Fluss abgeladen werden. Dies führt nicht nur zur Verschmutzung von Böden und Wasser, sondern auch zu Treibhausgasemissionen durch die Verbrennung der Abfälle. Das Projekt hat zum Ziel, die biologischen Abfälle in Biokohle umzuwandeln, welche daraufhin als Dünger für den Anbau neuer Pflanzen genutzt werden kann. Hierfür werden die Landwirt*innen der Vanpa Farm Cooperative in der Herstellung der Biokohle geschult, welche sie anschließend als Dünger zu Erhöhung ihrer Ernteerträge verwenden. Der Prozess wird auf Social-Media-Kanälen dokumentiert, sodass auch die lokale Bevölkerung einen Einblick in Vorteile der Biokohleproduktion und –verwendung bekommt.

 

Projekt: Steigerung des Bewusstseins für den Klimawandel durch Pflanzungen von Mangrovensetzlingen am Kien Gang Fluss

Ursprünglich war die Umgebung der Gemeinde Tan Ninh am Kien Giang Fluss von etwa 10-15 Hektar Mangrovenwäldern geprägt. Für die Errichtung von Garnelenzuchtbecken wurden jedoch 65-75% der Wälder zerstört. Mangrovenwälder stellen einen wichtigen Schutz vor Unwetter, insbesondere Stürmen und Überschwemmungen dar. Angesichts der Verschärfung von Extremwetterereignissen, die im Zuge des Klimawandels zu erwarten sind, ist das Ausbleiben dieser Schutzfunktion besonders problematisch. Das Projekt möchte daher durch den Wiederaufbau des Mangrovenwaldes in der lokalen Bevölkerung das Bewusstsein für Klimaschutz und –anpassung stärken. Teile des zerstörten Waldes sollen mit 1000 Mangroven öffentlichkeitswirksam aufgeforstet werden. Der Mangrovenbestand ist ein zentraler Bestandteil des Mangrovenwaldes und trägt wesentlich zur Erholung des gesamten Waldes bei. Zusätzlich zu der Pflanzung der Setzlinge wird ein Zaun errichtet, um die Setzlinge im ersten Jahr vor Kuh- und Büffelherden zu schützen.

 

 

Laufzeit
06/2020 – 11/2020

Kooperationspartner
Mientrung Institute for Scientific Research (MISR)

Gefördert durch
Auswärtiges Amt

Kontakt
Dr. Michael Zschiesche

Nicole Wozny