UfU-Informationen | Ausgabe 15 – Mai 2026 | Dr. Arne Reck
Initiative BODENplus am UfU
UfU gründet neues Bodenzentrum
Ohne Boden kein dauerhaftes Leben auf dem Land, keine Landpflanzen – und damit auch kein Brot, kein Gemüse und kein Fleisch. Auch unser Trinkwasser benötigt den Boden als Filter und Speicher. Ohne Boden also auch kein sauberes Trinkwasser. Die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Biodiversität sind ebenfalls eng mit dem Boden verwoben, sei es durch Wasserrückhalt, Kohlenstoffspeicherung oder durch die bodengebundene Kühlleistung durch Verdunstung – oder ganz einfach als Lebensraum.
Das alleine müsste doch für unsere Gesellschaft Grund genug sein, alles daran zu setzen, dass Böden gesund bleiben – und vor allem: dass sie nicht weiterhin in hohem Tempo versiegelt, übernutzt oder abgetragen werden.
Tatsächlich aber wird die jährliche Bodenerosion, also der Verlust bzw. die Degradation von Böden, auf landwirtschaftlichen Flächen in der EU auf rund eine Milliarde Tonnen geschätzt – deutlich mehr, als durch natürliche Prozesse im selben Zeitraum nachgebildet werden kann (Luig, et al., 2024). Weitere 1.000 km2 Boden sind zwischen 2015 und 2018 durch Versiegelung verloren gegangen (European Environment Agency, 2024), eine Fläche, die etwa der Stadt Berlin entspricht. Bei der Untersuchung von über 300 landwirtschaftlichen Standorten, die sich auf elf Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verteilen, konnten in 83 % der Standorte Pestizidrückstände in den Bodenproben nachgewiesen werden (Silva, et al., 2019).
Wenn uns Ernährungssicherheit, sauberes Trinkwasser, Biodiversität, Klimaschutz und Klimaanpassung am Herzen liegen, führt kein Weg an einem von Grund auf ambitionierten Bodenschutz für gesunde Böden vorbei (Bellingrath-Kimura, et al., 2025).
Der Ansatz von BODENplus – Vom Grund auf Denken. Für gesunde Böden.
Ganz nach diesem Motto möchte die Initiative BODENplus solche Positivbeispiele sichtbarer machen, weiterentwickeln und neue Wege ausloten. Dabei folgt sie stets der Frage: Wie lassen sich Erkenntnisse aus Forschung und Praxis in konkrete Handlungsansätze überführen? Ziel ist es, den vorsorgenden Bodenschutz zu stärken – durch einen integrativen, praxisnahen und zugleich forschungsbasierten Ansatz. Die Initiative basiert dabei auf den folgenden drei thematischen Säulen:
Zustand des Schutzgutes Boden in Deutschland: Ziel dieser Säule ist die Entwicklung wissenschaftlich-praktischer Ansätze zur quantitativen und qualitativen Bewertung der Flächeninanspruchnahme und ihrer Auswirkungen auf die Bodenfunktionen.
Treiber von Bodendegradation in Deutschland: Um effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln, ist es entscheidend, die Hauptursachen für Bodendegradation zu identifizieren. Dabei spielen ökonomische Faktoren eine wichtige Rolle.
Beispiele und Ansätze für praktischen Bodenschutz: BODENplus möchte sich nicht alleine auf die Analyse des Zustands und der Treiber beschränken, sondern vielmehr dieses Wissen in Handeln übersetzen. Innerhalb dieser Säule werden daher konkrete und praktikable Handlungsoptionen abgeleitet und bewährte Praxis aufgezeigt.
Neben den praktisch-wissenschaftlichen Aspekten ist es entscheidend, das Bewusstsein und Verständnis für die Bedeutung des Bodenschutzes in der breiten Bevölkerung kontinuierlich zu fördern. Daher werden alle drei Säulen durch einen horizontalen, gesellschaftsorientierten Ansatz verbunden, der mit Schulprojekten, kreativen Informationskampagnen sowie partizipativen Formaten wie „Citizen Science“ Betroffenheit sichtbar macht und so die Mitwirkung an der Initiative fördert.
Offizielle Gründung mit Auftaktveranstaltung
Im Oktober hat das UfU mit der Auftaktveranstaltung die Initiative BODENplus ins Leben gerufen. Über drei Stunden tauschten sich Vertreter*innen aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft darüber aus, wie der Bodenschutz in Deutschland neuen Aufwind bekommen kann.
Nach einem inspirierenden Grußwort von Stefanie Cable im Namen des Bundesverbandes Boden zeigten die Fachbeiträge aus dem Beirat und Gründungsteam von BODENplus eindrücklich, wie vielseitig und zentral das Thema Boden ist:
- Michael Kerth (Sachverständigenbüro Dr. Kerth) betonte aufbauend auf seiner langjährigen Praxiserfahrung, dass alle Stoffe, die wir in die Umwelt entlassen, letztlich im Boden landen – nachhaltiger Bodenschutz gelingt nur, wenn wir Stoffkreisläufe wirklich zu Ende denken.
- Tim Mansfeldt (FG Bodenkunde/Bodengeographie, Universität zu Köln) verdeutlichte, wie akut die Qualität unserer Böden bedroht ist: Ohne eine Kehrtwende in der Flächeninanspruchnahme könnten in 1.000 Jahren in Deutschland keine landwirtschaftlichen Nutzflächen mehr bestehen.
- Katharina Helming (Leibniz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)) forderte mehr Soilidarity und zeigte Ansätze auf, wie mit Konsistenz, Suffizienz, Effizienz und Intelligenz konkrete Transformationspfade zu gesunden Böden möglich werden.
- Abschließend stellte Arne Reck (Mitarbeiter UfU, Initiator von BODENplus) am Beispiel der Reduktion der Bodenverdichtung dar, wie flächenhafter Bodenschutz als vorbeugender Hochwasserschutz in der Praxis funktionieren kann – und warum diese Ökosystemleistungen gesellschaftlich honoriert werden müssen.
Im anschließenden partizipativen Teil diskutierten die Teilnehmenden die zentralen Handlungsfelder von BODENplus. Deutlich wurde: Es gibt bereits viele gute Ansätze in Bildung, Beteiligung und Kommunikation sowie Praxisbeispiele zum Thema Bodenschutz – aber kontinuierliche Bewusstseinsbildung und Vernetzung sind entscheidend, um Bodenschutz langfristig zu verankern. Wir halten Euch zu BODENplus auf dem Laufenden – in der nächsten UfU-Information werden wir die Ergebnisse aus der Studie zu ökologischem Bodenschutz als Schlüssel gegen Hochwasser und Klimafolgen vorstellen.
Literatur
Bellingrath-Kimura, S. D., Eser, G. B. U., Fürst, C., Grathwohl, P., Guggenberger, G., Hansjürgens, B., von Haaren, C., Höper, H., Lang, F., Möckel, S., Nabel, M., Roß-Nickoll, M. & Thiele-Bruhn, S., 2025. Wirtschaftlicher Aufschwung, Klimaschutz und Ernärungssicherheit – Ohne gesunde Böden geht es nicht, Dessau-Roßlau: Kommission Bodenschutz beim UBA (KBU).
European Environment Agency, 2024. Geospatial Data Catalogue – Hamronized imperviousness time series. [Online]. Verfügbar über: https://sdi.eea.europa.eu/catalogue/srv/eng/catalog.search#/metadata/b7a037c5-4c0a-47df-8d5d-17d0ce8e1fee [Zugriff am 27 07 2025].
Luig, L., Dewitz, I., Witte, T., Wannemacher, D., Stiem-Bhatia, L. & Weigelt, J. Hrsg., 2024. Bodenatlas. Daten und Fakten über eine lebenswichtige Ressource. 2 Hrsg. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. und TMG – Think Tank for Sustainability, TMG REsearch gGmbH.
Silva, V., Mol, H. G. J., Zomer, P., Tienstra, M., Ritsema, C. J. & Geissen, V., 2019. Pesticide residues in European agricultural soils – A hidden reality unfolded. Science of The Total Environment, February, Band 653, p. 1532–1545
Weitere Informationen zum neuen Bodenzentrum des UfU sind auf https://www.ufu.de/bodenplus/ zu finden.
Auf der Seite befindet sich ein Button, unter welchem man sich für Neuigkeiten zu unserem Bodenplus-Zentrum eintragen kann.



