UfU-Informationen | Ausgabe 15 – Mai 2026 | Alina Beigang

Wassergerechtigkeit und Strukturwandel durch vielfältige Bildungsformate

Projekt RevierUPGRADE 2.0 stärkt junge Menschen in Ostdeutschland

Halle an der Saale im Mitteldeutschen und Cottbus im Lausitzer Revier – beide Städte sind historisch geprägt vom Kohletagebau. Heute sind die Städte und ihre jeweiligen Umgebungen mit den Folgen dieser Energiegewinnung und mit neuen Herausforderungen und Bedarfen konfrontiert. Dabei gilt es, jungen Menschen Perspektiven vor Ort zu bieten und die Transformation sowohl sozial als auch ökologisch zukunftsfähig zu gestalten. In diesem Kontext ist das UfU mit der BUNDjugend Brandenburg im Kooperationsprojekt RevierUPGRADE 2.0 unterwegs.

Ausgangssituation und Handlungsbedarfe

In Halle gehört der aktive Abbau schon eine Weile zur Vergangenheit, oberflächlich sind heute nur noch wenige Spuren sichtbar. Tagebaurestlöcher und einzelne Straßenamen wie „Am Tagebau“ oder „An den Schachthalden“ verbleiben. Sichtbar von der Stadt aus ist zudem das nahegelegene Kraftwerk Schkopau. Dieses wird hauptsächlich mit Braunkohle aus dem ca. 35km entfernten Tagebau Profen betrieben und soll noch bis 2034 weiterlaufen. Das Kraftwerk erzeugt nicht nur Strom für die Chemieindustrie, sondern auch 110 mW Fahrstrom für die Deutsche Bahn. Dabei emittiert das Kraftwerk Schkopau pro Jahr 3,9 Millionen Tonnen CO₂ [1].

In Cottbus dagegen ist es nicht weit zum nächsten Tagebau und vor den Türen der Stadt ist aus dem ehemaligen „Tagebau Cottbus-Nord“ der umstrittene „Cottbusser Ostsee“ entstanden. Der künstliche See macht immer wieder Schlagzeilen mit Kantenrutschungen und regt Debatten über die Flutung ehemaliger Tagebaurestlöcher an. Denn aufgrund des Klimawandels in einer ohnehin trockenen Region stellen sich auch immer drängende Fragen rund um die Verfügbarkeit von Wasser. In Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind die Kohleunternehmen MIBRAG und LEAG, beide Teil der EPH, die größten Wasserentnehmer [2]. Noch bis 2038 soll in der Lausitz Kohle gefördert werden.

Die dynamischen Entwicklungen in den Regionen – mit dem Kohleausstieg, sich stark verändernder Demographie und der Ansiedlung neuer Institutionen – bringen Herausforderungen und Chancen in der Gestaltung dieser Prozesse mit sich. Bestimmte Fragen rücken nach vorn, beispielsweise in Bezug auf die langfristigen Kosten der Kohleförderung und Wasserfragen. Neue oder geplante Ansiedlungen wie Tesla in Grünheide, Red Bull in Baruth, eine neue Coca-Cola-Abfüllanlage in Halle oder ein Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Lübbenau haben Auswirkungen auf die (künftige) Verfügbarkeit von Wasser. Der umstrittene Ausbau der Gasinfrastruktur sowie auch der Energieträger Wasserstoff gewinnen im Diskurs an Bedeutung. So wird beispielsweise Schkopau als Standort für ein Gaskraftwerk positioniert [3].

Das Projekt RevierUPGRADE 2.0

In unserem Projekt kooperieren wir als UfU mit der BUNDjugend Brandenburg, um in diesem Kontext verschiedene Bildungsformate für junge Menschen im Altersbereich von 16-27 Jahren umzusetzen. Dabei knüpfen wir an den Erfahrungen und Bedarfen an, die wir im Projekt „RevierUPGRADE. Wir. Jetzt. Nachhaltig.“ machen konnten. Dazu gehören u. a.:

  • Junge Menschen fühlen sich zu häufig in ihren spezifischen Bedürfnissen nicht wahrgenommen, nicht gefragt, nicht ernst genommen und nicht handlungsfähig. Obwohl es ein großes Spektrum an beeindruckendem Engagement gibt, nimmt angesichts der Krisen in der Welt sowie auch persönlicher Herausforderungen die Resignation an vielen Stellen zu. Eine solche Resignation können wir uns aus demokratischer Sicht nicht leisten – es braucht neue Wege, den Alltag als mitgestaltbar zu erleben. Es gibt immer noch viele junge Menschen, denen das Thema Klima- und Umweltschutz wichtig ist und die gegen den Abbau der Aufmerksamkeit ankämpfen. „Strukturwandel“ bleibt aber ein Konzept, welches zu Jugendlichen kaum durchdringt und an vielen Stellen der Übersetzungen bedarf.
  • In der Thematik Strukturwandel geht es häufig in erster Linie um (gute) Arbeitsplätze und Demographie. Noch zu selten werden die Veränderungen in Hinblick auf sozial-ökologische Entwicklungen gedacht und angegangen. Wir sind aber überzeugt: Intakte Ökosysteme bilden die Grundlage für uns Menschen und es braucht schnelle und weitreichende Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion.
  • Das Thema Wassergerechtigkeit ist in der breiten Bevölkerung trotz Dringlichkeit noch nicht angekommen. Die zunehmende Knappheit der Ressource wirft Gerechtigkeitsfragen auf: Verbraucher*innen werden immer häufiger zum Wassersparen aufgerufen und bei Entnahme trotz Verboten drohen teils empfindliche Strafen, während die Industrie ungehindert Grundwasser und Flüsse anzapfen darf – und oft einen eher symbolischen Preis zahlt [4].
  • Junge Menschen sind sowohl besonders betroffen als auch wichtige mögliche Change Agents. Sie haben viele frische Ideen und kreative Ansätze, bringen häufig Optimismus mit und haben Lust, Dinge auszuprobieren und Alternativen kennenzulernen. Zur Überwindung von Barrieren und für mehr Reichweite brauchen sie an vielen Stellen bestimmte Ressourcen wie methodisches Handwerkszeug, Treffpunkte, Kontakte, Geld, Unterstützung oder Beratung.
  • Es gibt tolle, engagierte Personen und Gruppen in den Regionen. Obwohl an vielen Stellen elementar wichtige Arbeit geleistet wird, so zum Beispiel in Jugendklubs, ist die Situation vieler Engagierter zu häufig sehr prekär. Im Projekt werden wir an vorhandenen Kontakten und Vernetzungen anknüpfen und uns, soweit möglich, gegenseitig unterstützen.

Dem Projektteam von RevierUPGRADE 2.0 ist wichtig, die Ideen und Visionen junger Menschen für eine sozial-ökologische Entwicklung zu stärken. Gemeinsam möchten wir ausprobieren, voneinander lernen und zeigen, wie Aspekte des Wandels vor Ort ökologisch, sozial ausgewogen und jugendgerecht gestaltet werden können. Fragen, denen wir uns in unterschiedlichen Formaten im Projektrahmen widmen, umfassen unter anderem:
Wie kann eine klimagerechte und lebenswerte Zukunft in Halle und Cottbus aussehen? Was bedeutet der Strukturwandel konkret in unseren Stadtteilen? Was passiert eigentlich mit den Tagebauflächen? Wie können wir die Zukunft selbst in die Hand nehmen? Welche Verantwortung tragen wir alle für einen bewussten Umgang mit Wasser als kostbare Ressource?

Das Projektteam in Halle

Inhaltlich rücken wir das Thema Wasser(gerechtigkeit) verstärkt in den Mittelpunkt des Projekts. Wasser ist unsere Lebensgrundlage und in Zeiten des Klimawandels ein Schlüssel für zukunftsgerechte Stadtentwicklung, Biodiversität und Lebensqualität und spielt eine besondere Rolle in den Fokusregionen. Hier braucht es Ideen und Maßnahmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Ressource. Noch besteht die Spree beispielsweise knapp zur Hälfte aus Wasser des Braunkohletagebaus. Der absehbare künftige Mangel setzt sich bis nach Berlin fort.
In zweitägigen Future Labs lernen die Teilnehmenden regionale Wandelakteur*innen kennen, sind bei inspirierenden Exkursionen dabei und entdecken eigene Ideen sowie neue Formen des Engagements. In praktischen Hands-on-Workshops werden Flächen gemeinsam ökologisch aufgewertet, zum Beispiel durch Blühstreifen oder Klimabeete. Eine Gesprächsreihe rund um das Thema Wasser bietet Raum für Wissen, Austausch und neue Perspektiven. Und mit einer Strukturwandel-Action-Map machen wir sichtbar, wo in beiden Städten bereits Wandel passiert und wo junge Menschen aktiv werden können. Nebenbei lernen wir dabei, dass Mapping-Methoden viele Potenziale einer anderen Auseinandersetzung mit Raum in sich tragen.

Quellen aus dem Artikel zum Projekt RevierUPGRADE

  1. Plantwatch – Transparenzwebseite zu Kraftwerken, https://plantwatch.de/plantwatch/plant/ST100125/
  2. Annika Joeres (2025): Wasserverbrauch in Deutschland: Wasserknappheit droht, Heinrich Böll Stiftung, https://www.boell.de/de/2025/01/08/wasserverbrauch-deutschland-wasserknappheit-droht
  3. Uli Wittstock (2025): Braunkohlekraftwerk Schkopau – Hoffnung auf Neustart mit Gaskraftwerk, mdr nachrichten, https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/saalekreis/kraftwerk-schkopau-110.html
  4. Annika Joeres, Katarina Hutz, Gesa Steeger (2025): Trotz Dürre in Deutschland: Industrie nutzt weiterhin ungebremst Wasser, Correctiv, https://correctiv.org/aktuelles/kampf-um-wasser/2025/06/05/trotz-duerre-nutzt-industrie-ungehindert-wasser/

Unser Projekt hat einen Instagramkanal:

https:www.instagram.com/revierupgrade/

Weiter zu diesem Thema informieren

  1. Correctiv-Thema: Kampf um Wasser, https://correctiv.org/themen/kampf-um-wasser/
  2. Heinrich-Böll-Stiftung, Wasseratlas – Daten und Fakten über die Grundlage allen Lebens,
    https://www.boell.de/de/wasseratlas