29. Juli 2025

Zwischen Anspruch und Realität. Wie Beteiligung konkret werden kann:

Am 05. Juli fand auf dem Strombad Gelände in Cottbus das BEWEG WAS Festival statt. Ein partizipativ konzipiertes Demokratie- und Nachhaltigkeitsfestival, das jungen Menschen Raum für Austausch, Kreativität und Engagement bieten sollte und gleichzeitig der Abschluss des dreijährigen Projekts “RevierUPGRADE” darstellte. Ich selbst war als studentische Mitarbeiterin beim UfU an der Planung beteiligt. Und konnte damit den Prozess der Vorbereitung, der Organisation und Durchführung begleiten und meine persönlichen Fragen von Potenzialen und Spannungen solcher Formate erörtern.

Auch ich bin Teil der jungen Generation – und stelle mir immer wieder die Frage: Engagiere ich mich genug? Wie kann ich mit meinen Möglichkeiten gesellschaftliche und politische Veränderungen mitgestalten? Ich bin überzeugt, dass Engagement vor allem dann entsteht, wenn Menschen sich als zugehörig und wirksam erleben – wenn Gemeinschaft spürbar ist. Gleichzeitig kenne ich auch die andere Seite: das Gefühl, mit den eigenen Fähigkeiten nicht den richtigen Ort zu finden, den Eindruck, nicht zu genügen, oder Momente der Erschöpfung und Zweifel daran, ob das, was ich tue, überhaupt Wirkung entfaltet.

Im Organisationsprozess habe ich miterlebt, wie aus Visionen konkrete Schritte wurden: Themenabsprachen, Kooperationsanfragen, Konzepterstellung, Absprachen mit Stadt, Fördermittelgeber und allen Beteiligten. So viel Detailarbeit, so viele Ebenen, so viele Strukturen, die es zu verstehen gilt. Immer wieder Absprachen, gemeinsames Brainstorming, Verwerfen, neu Konzipieren. Für mich war das Festival das greifbare Ergebnis der Schnittstelle zwischen Anspruch und Umsetzung. Die Realität nach einer Vorbereitung zwischen Excel-Tabellen, Zoom-Meetings und Word-Dokumenten mit viel zu langen Dateinamen. Und doch hinter all dem vermeintlich Bürokratischen ein wichtiger Wunsch: Wie gelingt echte Partizipation und Engagementförderung? Wie können junge Menschen eingeladen werden, sich zu beteiligen – ohne, dass es sich anfühlt wie die x-te pädagogische Maßnahme „für Jugendliche“? Ist das, was wir planen, wirklich attraktiv und niedrigschwellig? Oder ist es nur gut gemeint und nicht gut gemacht?

Ich erinnere mich an ein Meeting im Mai, in dem wir das Konzept des „Markts der Möglichkeiten“ diskutierten. Es war ein schöner Begriff – aber würde er sich mit Leben füllen? Was würde passieren, wenn wir Akteur*innen einladen, sich vorzustellen und einfach hoffen, dass Gespräche entstehen?

Am Festivaltag selbst wurde vieles von dem, was im Vorfeld nur auf Papier existierte, greifbar. Rund 120 Besucher*innen kamen ins Strombad – bei sommerlichen Temperaturen und entspannter Atmosphäre.

Ich selbst leitete einen Workshop mit dem Titel „Stadt für uns, Stadt mit uns“, in dem ich mit jungen Menschen ihre Perspektiven auf klimaresiliente Stadtentwicklung diskutierte. Es war leichter als gedacht, einen Austausch auf Augenhöhe anzuregen. Wir erzählten uns davon, wie wir Hitzesommer in der Stadt erleben, wo wir uns eigentlich wirklich gerne aufhalten und dass so viele kommunale Entscheidungen schwer nachzuvollziehen sind. Wir beschrieben die Probleme, die wir in unseren Städten kennen. Ein unterirdisches Parkhaus unterm Marktplatz; deswegen keine Begrünung möglich. Denkmalschutz; deswegen keine Begrünung möglich. Immer wieder fielen uns Erfahrungen und Beispiele ein, bei denen wir uns fragen mussten: für wen ist denn nun die Stadt da? Für Autos und Arbeit oder für Menschen?

Ich merkte in diesen Gesprächen, wie schwer es manchmal ist, Engagement zu fordern – wenn man gleichzeitig weiß, wie viele strukturelle Hürden junge Menschen erleben. Wer arm ist, wenig Zeit hat, Care-Arbeit leistet oder sich nicht sicher fühlt, kann nicht einfach „aktiv werden“. Ich habe oft Angst, in dieser Arbeit unbeabsichtigt eine Politik der individuellen Verantwortung zu reproduzieren – als läge es allein an „den jungen Leuten“, die Welt zu retten.

Gleichzeitig haben mich einige Gespräche sehr inspiriert. Auf dem Markt der Möglichkeiten war es leicht, an den Ständen entlang zu schlendern, sich einen Button zu machen, noch einen Sticker einzustecken und ins Gespräch zu kommen. Ich konnte mit einigen Jugendlichen aus Cottbus sprechen, die selber das erste Mal an einer solchen Veranstaltung teilnahmen und ihre Aufregung, selbst etwas anzuleiten hat mich gerührt. Während der Filmvorführung zum Thema Kohleabbau berichtete eine junge Frau davon, wie ihre damaligen Schulausflüge in die Tagebauregionen nie kritisch betrachtet wurden. Erst viel später habe sie begonnen, das Gesehene zu hinterfragen und sich mit den politischen und ökologischen Dimensionen auseinanderzusetzen. Ein anderer Teilnehmer erinnerte sich daran, wie er als Jugendlicher seinen sechzehnten Geburtstag im Kulturhaus eines Dorfes feierte – einem Ort, der heute nicht mehr existiert, weil er dem Tagebau weichen musste.  Es waren solche Momente und Gespräche, die die Arbeit lohnenswert machen, die Lust auf mehr machen.

Ich habe gemerkt: Räume wie das BEWEG WAS Festival sind wichtig. Weil sie eben nicht nur Forderungen stellen, sondern Begegnung und Austausch ermöglichen. Weil sie uns die Möglichkeit geben, nicht nur zu diskutieren, sondern auch zu feiern, zu lachen, uns auszuprobieren, gemeinsam zu zweifeln und zu träumen. Ich nehme viele neue Fragen mit. Wie kann man diese Energie halten? Wie können aus einmaligen Momenten kontinuierliche Strukturen werden? Wie bleiben wir ehrlich, kritisch, offen – ohne uns zu überfordern?

Ich nehme auch mit, wie sehr es sich lohnt, solche Räume zu schaffen –  immer wieder. Und dass Menschen gemeinsame Erlebnisse und Kontext brauchen, um sich einzulassen, um sich gesehen zu fühlen und mit Freude und Leichtigkeit dabei sein wollen. Schiefer Karaoke-Gesang, eine kalte Limo im Schatten und die seltsame Peinlichkeit, wenn man in einer unbekannten Gruppe ins Gespräch kommen soll – all das gehört eben auch zu Veränderungsprozessen dazu!

Mehr zum Projekt und noch kommenden Veranstaltungen erfahrt ihr hier.

Folgt uns gerne auf Instagram. Dort findet ihr auch ein Video über das BEWEG WAS Festival.

Beitrag von Lucia Balzk

Ausgerichtet wurde das BEWEG WAS Festival vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) e.V., dem BUNDjugend Bundesverband und der BUNDjugend Brandenburg, gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Rahmen des Förderprogramms “Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen (KoMoNa)”.