Nachhaltigkeitsforschung stärker in die Hightech Agenda integrieren

Die Hightech Agenda Deutschland mit ihrem Fokus auf sechs Schlüsseltechnologien ist der Mittelpunkt der bundesdeutschen Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik. In seiner heute veröffentlichten Stellungnahme empfiehlt das Ecological Research Network (Ecornet), das Netzwerk von acht führenden Instituten der Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland, die Agenda und ihre Roadmaps stärker als bisher an zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Daher muss die Agenda um Perspektiven der Resilienz- und Nachhaltigkeitsforschung ergänzt werden. Die Stellungnahme wurde als Beitrag zur derzeit laufenden Agenda-Konsultation eingereicht. Wir sind Mitglied im Ecornet und unterstützen die Empfehlungen des Netzwerks.

Konsequente Nachhaltigkeitsorientierung notwendig

Es reicht nicht aus, Nachhaltigkeit in der Agenda nur am Rande zu erwähnen, sondern sie muss in jeder Phase von Forschung, Entwicklung und Implementierung von Technologien verankert werden. Wettbewerb und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze, betont Ecornet: In vielen Technologie- und Industriebranchen ist eine Nachhaltigkeitsorientierung bereits jetzt ein klarer Wettbewerbsvorteil. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken.

Das Netzwerk empfiehlt, die Hightech Agenda mit Kernelementen und Erkenntnissen aus der Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ (FONA) des Bundesforschungsministeriums anzureichern. Die mittlerweile fünfte Auflage der FONA-Strategie wurde vergangene Woche vom Ministerium vorgestellt.

Pressemitteilung des Ecological Research Network (Ecornet) zur FONA-Strategie

Gesellschaftlichen Nutzen von Hightech sichtbar machen

Bisher zielt die Agenda hauptsächlich auf Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und technologische Souveränität. Ecornet empfiehlt, dass sie jedoch stärker als bisher auch auf die Lösung gesellschaftlicher und alltagsweltlicher Probleme fokussieren muss. Die Berücksichtigung sozialer Dimensionen wie Arbeit oder Gerechtigkeitsfragen ist unerlässlich, damit Innovationen besser gesellschaftliche Wirkung entfalten. Darüber hinaus kann der selbst gesetzte Anspruch auf eine „Mitmach-Agenda“ insbesondere erst durch die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure erfüllt werden. Erst dann wird die Hightech Agenda zu einer gemeinsamen Anstrengung vieler Akteursgruppen.

Zentral dafür ist auch ein erweitertes Innovationsverständnis. Der Fokus der Agenda auf technologische Innovationen muss ergänzt werden um soziale, kulturelle und institutionelle Innovationen, die alle miteinander in Wechselwirkung stehen. Erst dieses Zusammenspiel erzeugt eine lebendige Innovationskultur, wie sie die Agenda anstrebt, so Ecornet.

Transdisziplinarität als Hebel für Innovationsprozesse

Das Netzwerk betont in seiner Stellungnahme vor allem die Hebelwirkung, die die transdisziplinäre Forschung für technologische Innovationen haben kann. Der von den Ecornet-Instituten früh mitentwickelte Forschungsansatz ermöglicht eine breite Akteursbeteiligung für eine große Perspektivenvielfalt in Forschung und Innovation. Zudem sind Innovationsprozesse komplexe Gefüge, die mithilfe transdisziplinärer Methoden für verschiedene Akteursgruppen verständlich aufbereitet werden können.

Über das Ecological Research Network (Ecornet)

Im Ecornet arbeiten mehr als 1.000 Mitarbeiter*innen in acht Instituten an konkreten Vorschlägen für Wege in ökologisch tragfähige und sozial gerechte Zukünfte. Die Arbeit der Institute zu sozial-ökologischen Transformationen ist stets mit Vorstellungen von einer demokratischen, lebendigen Gesellschaft verbunden. Mit ihrer Forschung und ihrem transdisziplinären Forschungsansatz tragen sie aktiv zur Gestaltung der notwendigen Transformationen bei.

Stellungnahme des Ecological Research Network (Ecornet) zur Hightech Agenda Deutschland

Webseite des Netzwerks

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Kontakt:

Prof. Dr. Flurina Schneider

Ko-Sprecherin von Ecornet

Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE)

Tel.: +49 69 7076919-0

E-Mail: flurina.schneider@isoe.de

Thomas Korbun

Ko-Sprecher von Ecornet

Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)

Tel.: +49 30 884594-0

E-Mail: thomas.korbun@ioew.de

Roy Schwichtenberg

Leiter der Ecornet-Geschäftsstelle

Tel.: +49 30 884594-0

E-Mail: roy.schwichtenberg@ecornet.eu


Digitale Stadtrallye zur DDR-Umweltbewegung

Wir haben eine digitale Stadtrallye über die DDR-Umweltbewegung veröffentlicht. Mit Hilfe einer App lernen die Teilnehmenden zentrale Orte der DDR-Umweltbewegung im Prenzlauer Berg kennen und erfahren deren Ziele und Aktionsformen. Die Stadtrallye ist kostenlos und jederzeit verfügbar. Multimediale und interaktive Elemente wie Texte, ein Quiz und Fotos der DDR-Umweltbewegung bereiten die Informationen für die Teilnehmenden auf. Zusätzlich berichten die Zeitzeug:innen Ralf-Uwe Beck und Rosemarie Benndorf in Videos und Zitaten von ihren Erfahrungen. Die Stadtrallye startet bei der Zionskirche und führt die Teilnehmenden mit Hilfe einer App quer durch den Prenzlauer Berg bis zum Haus der Demokratie und Menschenrechte. Stationen sind zum Beispiel die Berliner Umweltbibliothek, das ehemalige Wohnhaus von Bärbel Bohley und das Büro der GRÜNEN LIGA. Dabei lernen die Teilnehmenden wie die DDR-Umweltbewegung entstand und welche Ziele sie verfolgte. Sie entdecken historische Orte, an denen sich Aktivist:innen trafen, und erfahren, welche Rolle die Zionskirche dabei spielte. Außerdem lernen sie Aktionsformen kennen und verstehen, welche Repressionen die Aktivist:innen erfuhren.

Die Stadtrallye ist kostenlos, dauert ca. 1,5 Stunden und führt die Teilnehmenden 2,5 Kilometer durch den Prenzlauer Berg. Die exakte Route lässt sich auf diesem Flyer finden. Zur Durchführung der Stadtrally ist die App Actionbound nötig, welche sich hier herunterladen lässt. Nach dem Download kann die Stadtrallye durch scannen eines QR-Codes in Actionbound gestartet werden, welcher auf dieser Seite und im Flyer zu finden ist.

Die Stadtrallye hat das Ziel die Erfahrungen der DDR-Umweltbewegung nach außen zu kommunizieren und entstand aus der eigenen Geschichte heraus. Denn einige unserer Mitglieder waren Teil der DDR-Umweltbewegung und erhielten aufgrund ihres Einsatzes für den Umweltschutz Berufsverbot. Am 10. März 1990 wurde das UfU als erstes unabhängiges Institut für Umweltwissenschaft in den neuen Bundesländern gegründet. Bei der Zeremonie in Berlin waren über 200 Mitglieder und Gäste anwesend.

Die Stadtrallye wird gefördert durch Mittel der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Im Rahmen des Projektes wurden Interviews mit den Zeitzeug*innen Rosemarie Benndorf und Ralf-Uwe Beck durchgeführt.

Scanne den QR-Code, um zur digitalen Stadtrallye zu gelangen.

Zur Projektseite

Energiesparprojekt an Oranienburger Schulen ausgezeichnet

Mehr als 230 Schüler*innen aus Oranienburg sind im laufenden Schuljahr aktiv geworden für Energiesparen und mehr Klimaschutz. Ein Konzept zur Abfalltrennung, Maßnahmen zum Hitzeschutz und gemeinsame Energierundgänge sind Teil der durchgeführten Aktionen. Bei der Festveranstaltung in der Orangerie des Schlossparks Oranienburg wurden sie am 28. Mai 2026 ausgezeichnet.

Aktionen und Ideen

Im Rahmen des Klimaschutz- und Energiesparprojekts, das wir seit 2022 gemeinsam mit dem Klimaschutzmanagement der Stadt Oranienburg durchführen, lernen Schüler*innen durch strategische Maßnahmen den Energieverbrauch der eigenen Schule zu senken. Eingeteilt in Energieteams, lernen die Schüler*innen einzelne Aspekte ihrer Schule kennen und entwerfen daraufhin Maßnahmen. Sie besichtigen beispielsweise mit Hausmeistern die Heizungsanlage und führen verschiedene Messungen durch, entwickeln ein neues Konzept zur Abfalltrennung und untersuchen mit Nebelmaschinen die Wirksamkeit von unterschiedlichem Lüftungsverhalten in Klassenräumen. Im Juli wird das Thema Hitzeschutz an Schulen und im Schulumfeld bearbeitet in Bezug auf Begrünung, Schwammstadt und notwendige Verschattung.

Drei Sporthallen untersucht

Gemeinsam mit dem Energiemanagement der Stadt Oranienburg haben wir im Rahmen des Projekts erstmals auch Sporthallen untersucht. Dabei fand eine Untersuchung der baulichen und energetischen Situation von drei Sporthallen der Projektschulen statt. Daraus lassen sich kurz- und langfristige Effizienzmaßnahmen ableiten, von geringinvestiven Maßnahmen bis hin zu Modernisierungen der Gebäudetechnik sowie der Gebäudehülle.

Ausgezeichnete Schulen

Als teilnehmende Schulen wurden in diesem Schuljahr die Grundschulen Sachsenhausen, „Friedrich-Wolf“ Lehnitz, Friedrichsthal und Havelschule sowie die Jean-Clermont-Oberschule ausgezeichnet. Bei der Festveranstaltung am 28. Mai 2026 in der Orangerie des Schlossparks waren die Schüler*innen gemeinsam mit ihren Lehrkräften vor Ort.

Johanna Hornig, Klimaschutzmanagerin der Stadt Oranienburg, ist begeistert „Oranienburg bleibt auf vielfältige Weise aktiv für den Klimaschutz. Unser Schulprojekt läuft bereits im vierten Jahr außerordentlich gut. Schulen und Sporthallen sind oft die größten Energieverbraucher in Kommunen, darum leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag für die angestrebte Klimaneutralität der Stadt Oranienburg“.

Hintergrund des Projekts

Oranienburg hat 2022 sein Klimaschutz- und Energiesparprojekt in den städtischen Grund- und Oberschulen begonnen. Es wird von uns gemeinsam mit dem Klimaschutzmanagement der Stadt Oranienburg durchgeführt. Bei den Aktivitäten sind bisher rund 160 Mitarbeitende aus den Bereichen Lehr-, Erziehungs- und Verwaltungspersonal einbezogen worden. Bereits zum dritten Mal fand eine spezielle Hausmeisterfortbildung statt. Im laufenden Schuljahr 2025/26 nehmen fünf Schulen am Energiesparprojekt teil. Mehr als 230 Schüler*innen machen direkt in neun Energieteams und ganzen Klassenverbänden mit.

Mehr über das Projekt erfährst du hier.


Das BEWEG WAS Festival!

29. Juli 2025

Zwischen Anspruch und Realität. Wie Beteiligung konkret werden kann:

Am 05. Juli fand auf dem Strombad Gelände in Cottbus das BEWEG WAS Festival statt. Ein partizipativ konzipiertes Demokratie- und Nachhaltigkeitsfestival, das jungen Menschen Raum für Austausch, Kreativität und Engagement bieten sollte und gleichzeitig der Abschluss des dreijährigen Projekts “RevierUPGRADE” darstellte. Ich selbst war als studentische Mitarbeiterin beim UfU an der Planung beteiligt. Und konnte damit den Prozess der Vorbereitung, der Organisation und Durchführung begleiten und meine persönlichen Fragen von Potenzialen und Spannungen solcher Formate erörtern.

Auch ich bin Teil der jungen Generation – und stelle mir immer wieder die Frage: Engagiere ich mich genug? Wie kann ich mit meinen Möglichkeiten gesellschaftliche und politische Veränderungen mitgestalten? Ich bin überzeugt, dass Engagement vor allem dann entsteht, wenn Menschen sich als zugehörig und wirksam erleben – wenn Gemeinschaft spürbar ist. Gleichzeitig kenne ich auch die andere Seite: das Gefühl, mit den eigenen Fähigkeiten nicht den richtigen Ort zu finden, den Eindruck, nicht zu genügen, oder Momente der Erschöpfung und Zweifel daran, ob das, was ich tue, überhaupt Wirkung entfaltet.

Im Organisationsprozess habe ich miterlebt, wie aus Visionen konkrete Schritte wurden: Themenabsprachen, Kooperationsanfragen, Konzepterstellung, Absprachen mit Stadt, Fördermittelgeber und allen Beteiligten. So viel Detailarbeit, so viele Ebenen, so viele Strukturen, die es zu verstehen gilt. Immer wieder Absprachen, gemeinsames Brainstorming, Verwerfen, neu Konzipieren. Für mich war das Festival das greifbare Ergebnis der Schnittstelle zwischen Anspruch und Umsetzung. Die Realität nach einer Vorbereitung zwischen Excel-Tabellen, Zoom-Meetings und Word-Dokumenten mit viel zu langen Dateinamen. Und doch hinter all dem vermeintlich Bürokratischen ein wichtiger Wunsch: Wie gelingt echte Partizipation und Engagementförderung? Wie können junge Menschen eingeladen werden, sich zu beteiligen – ohne, dass es sich anfühlt wie die x-te pädagogische Maßnahme „für Jugendliche“? Ist das, was wir planen, wirklich attraktiv und niedrigschwellig? Oder ist es nur gut gemeint und nicht gut gemacht?

Ich erinnere mich an ein Meeting im Mai, in dem wir das Konzept des „Markts der Möglichkeiten“ diskutierten. Es war ein schöner Begriff – aber würde er sich mit Leben füllen? Was würde passieren, wenn wir Akteur*innen einladen, sich vorzustellen und einfach hoffen, dass Gespräche entstehen?

Am Festivaltag selbst wurde vieles von dem, was im Vorfeld nur auf Papier existierte, greifbar. Rund 120 Besucher*innen kamen ins Strombad – bei sommerlichen Temperaturen und entspannter Atmosphäre.

Ich selbst leitete einen Workshop mit dem Titel „Stadt für uns, Stadt mit uns“, in dem ich mit jungen Menschen ihre Perspektiven auf klimaresiliente Stadtentwicklung diskutierte. Es war leichter als gedacht, einen Austausch auf Augenhöhe anzuregen. Wir erzählten uns davon, wie wir Hitzesommer in der Stadt erleben, wo wir uns eigentlich wirklich gerne aufhalten und dass so viele kommunale Entscheidungen schwer nachzuvollziehen sind. Wir beschrieben die Probleme, die wir in unseren Städten kennen. Ein unterirdisches Parkhaus unterm Marktplatz; deswegen keine Begrünung möglich. Denkmalschutz; deswegen keine Begrünung möglich. Immer wieder fielen uns Erfahrungen und Beispiele ein, bei denen wir uns fragen mussten: für wen ist denn nun die Stadt da? Für Autos und Arbeit oder für Menschen?

Ich merkte in diesen Gesprächen, wie schwer es manchmal ist, Engagement zu fordern – wenn man gleichzeitig weiß, wie viele strukturelle Hürden junge Menschen erleben. Wer arm ist, wenig Zeit hat, Care-Arbeit leistet oder sich nicht sicher fühlt, kann nicht einfach „aktiv werden“. Ich habe oft Angst, in dieser Arbeit unbeabsichtigt eine Politik der individuellen Verantwortung zu reproduzieren – als läge es allein an „den jungen Leuten“, die Welt zu retten.

Gleichzeitig haben mich einige Gespräche sehr inspiriert. Auf dem Markt der Möglichkeiten war es leicht, an den Ständen entlang zu schlendern, sich einen Button zu machen, noch einen Sticker einzustecken und ins Gespräch zu kommen. Ich konnte mit einigen Jugendlichen aus Cottbus sprechen, die selber das erste Mal an einer solchen Veranstaltung teilnahmen und ihre Aufregung, selbst etwas anzuleiten hat mich gerührt. Während der Filmvorführung zum Thema Kohleabbau berichtete eine junge Frau davon, wie ihre damaligen Schulausflüge in die Tagebauregionen nie kritisch betrachtet wurden. Erst viel später habe sie begonnen, das Gesehene zu hinterfragen und sich mit den politischen und ökologischen Dimensionen auseinanderzusetzen. Ein anderer Teilnehmer erinnerte sich daran, wie er als Jugendlicher seinen sechzehnten Geburtstag im Kulturhaus eines Dorfes feierte – einem Ort, der heute nicht mehr existiert, weil er dem Tagebau weichen musste.  Es waren solche Momente und Gespräche, die die Arbeit lohnenswert machen, die Lust auf mehr machen.

Ich habe gemerkt: Räume wie das BEWEG WAS Festival sind wichtig. Weil sie eben nicht nur Forderungen stellen, sondern Begegnung und Austausch ermöglichen. Weil sie uns die Möglichkeit geben, nicht nur zu diskutieren, sondern auch zu feiern, zu lachen, uns auszuprobieren, gemeinsam zu zweifeln und zu träumen. Ich nehme viele neue Fragen mit. Wie kann man diese Energie halten? Wie können aus einmaligen Momenten kontinuierliche Strukturen werden? Wie bleiben wir ehrlich, kritisch, offen – ohne uns zu überfordern?

Ich nehme auch mit, wie sehr es sich lohnt, solche Räume zu schaffen –  immer wieder. Und dass Menschen gemeinsame Erlebnisse und Kontext brauchen, um sich einzulassen, um sich gesehen zu fühlen und mit Freude und Leichtigkeit dabei sein wollen. Schiefer Karaoke-Gesang, eine kalte Limo im Schatten und die seltsame Peinlichkeit, wenn man in einer unbekannten Gruppe ins Gespräch kommen soll – all das gehört eben auch zu Veränderungsprozessen dazu!

Mehr zum Projekt und noch kommenden Veranstaltungen erfahrt ihr hier.

Folgt uns gerne auf Instagram. Dort findet ihr auch ein Video über das BEWEG WAS Festival.

Beitrag von Lucia Balzk

Ausgerichtet wurde das BEWEG WAS Festival vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) e.V., dem BUNDjugend Bundesverband und der BUNDjugend Brandenburg, gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Rahmen des Förderprogramms “Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen (KoMoNa)”.

 

 


„RevierUPGRADE – Wir.Jetzt.Nachhaltig“ ausgezeichnet mit dem Hans Sauer Preis für Transformative Bildung

11. April 2025

„RevierUPGRADE – Wir.Jetzt.Nachhaltig“ ausgezeichnet mit dem Hans Sauer Preis für Transformative Bildung

Das UfU-Projekt RevierUPGRADE wurde im April in München mit dem Hans Sauer Preis 2025 für Transformative Bildung ausgezeichnet.

Zwei Frauen sitzen auf gelben Stühlen und lächeln in die Kamera. Eine hält eine Urkunde in der Hand.
Bild Dominik Alves

Wir freuen uns sehr, dass wir für unsere Arbeit im Bereich nachhaltiger Strukturwandel und Jugendengagement ausgezeichnet wurden. Der Hans Sauer Preis widmete sich in 2025 dem Thema „Transformative Bildung – Gesellschaft gestalten lernen“ und suchte Bildungsprojekte, die Menschen befähigen, aktiv an gesellschaftlichen Veränderungen mitzuwirken.

Transformative Bildung geht über Wissensvermittlung hinaus: Sie schafft inklusive, praxisnahe Lernräume, in denen Teilnehmende eigene Erfahrungen einbringen, Perspektiven wechseln und gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen entwickeln. So lernen sie, ihre eigene Rolle in der Gesellschaft zu reflektieren und nachhaltig zu handeln – vor allem in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld.

Genau das, passiert innerhalb unseres Projektes „RevierUPGRADE – Wir.Jetzt.Nachhaltig“. Wir möchten jungen Menschen im sogenannten Lausitzer und Mitteldeutschen Revier (konkret Halle, Cottbus, Leipzig und Umgebung) Mut machen, sich für einen sozial-ökologischen Wandel einzusetzen. Wir wollen gemeinsam Handlungsmöglichkeiten vor Ort entdecken und motivieren, den viel diskutierten Strukturwandel im eigenen Umfeld selbst mitzugestalten. Mit vielfältigen kostenlosen Angeboten wie Workshops, Mitmachaktionen vor Ort, Future Labs oder einem Coachingprogramm eröffnen wir Handlungsspielräume und stärken lokales Engagement.

Stellvertretend für das gesamte Projektteam nahmen Alina Beigang und Larissa Donges den Preis im April bei der feierlichen Verleihung in München entgegen.

Gerade in Zeiten, in denen der gesellschaftliche Gegenwind spürbar zunimmt, ist diese Auszeichnung für uns eine wichtige Bestärkung: Es braucht mehr denn je Menschen, die den Wandel aktiv mitgestalten.

Mehr zum Projekt: https://www.ufu.de/projekt/meifair-mein-gruen-faires-revier/


Kitas der AWO pro:mensch starten umfassendes Energiesparprojekt

17. Januar 2025

Mit spielerischer Wissensvermittlung kann schon bei den Kleinsten Begeisterung für umweltfreundliches Verhalten geweckt werden. Wenn dazu noch alle Mitarbeitenden der Kindertagesstätte aktiv werden, lässt sich ganz einfach das Klima schützen. Die AWO pro:mensch gGmbH hat darum Anfang 2025 ein umfassendes Energiesparprojekt in ihren neun Kitas gestartet. Mit der Umsetzung des auf drei Jahre angelegten Projekts wurden wir beauftragt.

Klimabildung sollte nicht erst in der Schule beginnen. Auch bei den Kleinsten können die Themen Energie und Klimaschutz kindgerecht im Kita-Alltag verankert werden. Was ein Kind in seinen ersten Lebensjahren lernt, ist von großer Bedeutung für seinen zukünftigen Lebensweg. In den Kindertagesstätten der AWO pro:mensch wurde deswegen Anfang 2025 ein umfassendes Energiesparprojekt in neun Kitas gestartet. Durchgeführt vom UfU werden in dem drei Jahre laufenden Energiesparprojekt vielfältige Klima-Aktionen mit den Kindern umgesetzt und Klima- sowie Umweltbildung in den Kitaalltag integriert. Auch die Kita-Leitungen, Pädagog*innen und Hausmeister*innen werden aktiv.

Bei der Auftaktveranstaltung in der Kita Apfelbäumchen in Berlin-Reinickendorf waren rund 30 Teilnehmende dabei. Nach der Vorstellung der Ziele und dem Ablauf des auf drei Jahre angelegten Klimaschutzprojekts wurden an vier Stationen viele praktische Experimente und Aktionen vorgestellt. Die Teilnehmenden hatten sichtlich Freude daran und lernten vieles kennen, das später vor Ort den Kita-Kindern Energiesparen und Klimaschutz näherbringt.

Die Energiespar-Aktionen mit den Kindern sind vielfältig und immer altersgerecht gestaltet. Die Kinder entdecken spielerisch ihre Umwelt und lernen bereits, wo überall Strom verbraucht wird und warum es sinnvoll ist, sparsam mit ihm umzugehen. Dabei helfen z.B. die sog. Sonnenkinder ‚Lisa Licht‘ oder ‚Wilma Wärme‘. Warum wandert die Sonne und warum werden die Hände beim Reiben warm? Was haben die Heizungseinstellungen mit der Umwelt zu tun? Dazu werden z.B. auch gemeinsam Energiesparsprüche ausgedacht und eingeübt.

Für Marion Schmidt, die Geschäftsführerin der AWO pro:mensch gGmbH, bietet das Energiesparprojekt gleich mehrere Vorteile: „Die AWO will mit allen Einrichtungen und Diensten noch vor dem Jahr 2040 klimaneutral werden. Diesem Ziel fühlen wir uns verpflichtet und haben bewusst ein über drei Jahre laufendes Energiesparprojekt in unseren Kitas gestartet, das wir aus eigenen Mitteln finanzieren. Die Kinder lernen spielerisch, Energie nicht zu verschwenden und tragen damit zu einer für uns alle lebenswerten Zukunft bei. Gleichzeitig werden die Mitarbeitenden der Kitas einbezogen und senken so auch die Energiekosten für uns als Betreiber der Kitas.“

Im Rahmen des Projekts werden unsere Expert*innen alle energetisch relevanten Gebäude- und Nutzungsdaten erfassen und bei Bedarf durch eigene Verbrauchsmessungen ergänzen. Mit einem neuen digitalen Energiemanagement stehen alle Verbrauchsdaten zukünftig tagesaktuell zur Verfügung. Auf dieser Grundlage können die Heizungseinstellungen und der Verbrauch von Strom und Warmwasser gemeinsam mit der Gebäudeverwaltung bzw. den Hausmeister*innen und den Nutzenden optimiert werden.

Diese Maßnahmen sind unabhängig von eventuell erst später anstehenden energetischen Sanierungen und teuren Umbauten möglich. Allein durch Achtsamkeit und Änderungen im Nutzungsverhalten lassen sich problemlos rund 10 % des Verbrauchs an Wärme und Strom senken, ohne Umbauten oder kostspielige Investitionen.


Abschluss Vietnamesisch-deutsches Umwelt- und Klimaschutzprojekt zu Energiepflanzen

27. November 2024

Abschluss Vietnamesisch-deutsches Umwelt- und Klimaschutzprojekt zu Energiepflanzen

Das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) e.V. ist eine angewandt wissenschaftliche Einrichtung mit Sitz in Berlin. Es initiiert und begleitet wissenschaftliche Pilotprojekte, Know-How Transfer und Bildungsmaßnahmen, die öffentlich und gesellschaftlich relevant sind, auf eine Verbesserung des Zustands von Umwelt und Natur drängen und Partizipation fordern und fördern. Mit seinen Aktivitäten verfolgt das UfU im In- und Ausland vor allem das Ziel, die Lücke zwischen Wissen und Handeln zu verringern. Dazu gehören auch zahlreiche Projekte in Vietnam. Bereits seit dem Jahr 1998 und seit 2004 in stetig wachsender Zahl engagiert sich das UfU mit Projekten in Vietnam. Entstanden ist diese Zusammenarbeit mit unserem inzwischen verstorbenen Kollegen Dr. Pham Ngoc Han, der zu Ausbildungszwecken in die DDR entsandt wurde. Dr. Han kam 1996 an das UfU und baute ab 1998 gemeinsam mit Dr. Michael Zschiesche schrittweise die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam im Umweltbereich auf. Seit dieser Zeit wurden mehr als 20 Projekte zu unterschiedlichen Themen mit unterschiedlichen Partnern in Vietnam durchgeführt. Das UfU hat dabei sowohl mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Universitäten als auch mit Ministerien und nachgeordneten Einrichtungen in Vietnam kooperiert. Bei beiden Partnerschaftserklärungen zur strategischen Zusammenarbeit zwischen dem Bundesumweltministerium und dem MONRE in Vietnam hat das UfU sowohl 2008 als auch 2015 die entsprechenden Vorbereitungen geleistet.

Derzeit führt das UfU drei Umweltprojekte in Vietnam durch. Das Spektrum reicht von grün-blauer Infrastruktur und dem Thema Klimaanpassung in Hue bis zum Fachkräfteaustausch in grünen Berufsfeldern im Handwerk. Das Projekt CPEP (Climate protection through Energy Plants on Post-Mining Sites) ist ebenfalls eines dieser drei Projekte und wird gefördert über die IKI. Nach fast 10 Jahren Projektarbeit nähert sich das Projekt seinem Ende, zu dem im Oktober 2024 ein Bilanzworkshop in Hanoi stattfand, über den hier berichtet werden soll.

Steigende Urbanisierung, zunehmender Energiebedarf, Infrastrukturausbau und das Bevölkerungswachstum führen in Vietnam zu einem zunehmenden Zielkonflikt bei der Landnutzung, insbesondere für die Landwirtschaft. Viele landwirtschaftliche Flächen gehen verloren. Genau hier setzt das Projekt an, indem es versucht, ehemalige Bergbaufolgeflächen zu rekultivieren und damit langfristig wieder landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Aufgrund der geringen Bodenqualität und der partiellen Belastung mit Rückständen aus der Tagebauaktivität sind diese Flächen jedoch zunächst nicht für die Nahrungsmittelproduktion geeignet. Da Vietnam nach wie vor stark von fossilen Energieträgern abhängig ist, entstand die innovative Idee, ehemalige Tagebauflächen durch den Anbau von Energiepflanzen zu rekultivieren und damit Lösungsansätze zu entwickeln, die Klimaschutz, Flächenrecycling und Umweltschutz sektorübergreifend denken. Bereits 2014 hat das UfU in einer Machbarkeitsstudie hierzu festgestellt, dass sich Bergbaufolgelandschaften in Vietnam – seiner Zeit gab es etwa 4000 solcher Flächen – besonders gut für den Anbau von Energiepflanzen eignen, da sie ein großes Flächenpotenzial aufweisen und infrastrukturell bereits erschlossen sind. Zudem wird durch diesen Ansatz der klassische Abwägungskonflikt bei Energiepflanzen zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion vermieden, da Bergbaufolgeflächen für die Nahrungsmittelproduktion aufgrund der unzureichenden Bodenqualität zunächst ausgeschlossen sind. Aufbauend auf dieser Machbarkeitsstudie erfolgte von 2015 bis 2018 die Entwicklung und Erprobung ausgewählter Anbausysteme von 6 verschiedenen Energiepflanzen auf 3 räumlich über ganz Vietnam verteilten Bergbaufolgeflächen. Akazie (Acacia hybrid, schnellwachsende Baumart) und Maniok (Manihot esculenta) haben sich in dieser Projektphase als besonders vielversprechende Energiepflanzen hinsichtlich Rekultivierungsleistung und/oder Verwertungspfad herausgestellt. Seit 2020 erfolgt daher in einer neuen Projektphase der Pilotanbau von Akazien und Maniok. Der Pilotanbau wird durch ein intensives Monitoring ausgewählter Umweltindikatoren begleitet, um den Beitrag des Rekultivierungsansatzes zum Klimaschutz durch den Boden verbessernde Maßnahmen aufzuzeigen. Insgesamt verfolgt das UfU mit der Projektreihe einen transdisziplinären Ansatz in einem Verbund aus u.a. Praxispartnern (Minenbetreiber VINACOMIN und Massan High-Tech Materials, Ingenieurbüro für Altlasten Dr. Mark, Dr. Schewe & Partner GmbH), Politik (Ministry of Natural Resources and Environment MONRE; Vietnam Environmental Administration VEA, jetzt Vietnam Environmental and Marine Sciences Institute VEMSI) und Wissenschaft (DaLat University, Hanoi University of Science and Technology, Universität zu Köln).

Pilotanbau von Maniok auf einer ehemaligen Tagebaufläche in der Provinz Lam Dong

Der vielschichtige Projektansatz spiegelte sich auch im Abschlussworkshop am 31.10.2024 in Hanoi wider. Neben den Projektbeteiligten waren zusätzlich Vertreter*innen von MONRE, Soils and Fertilizers Research Institute (SFRI), Northern Environmental Monitoring Center (CEM), Vietnamese National University of Agriculture (VNUA), Friedrich-Ebert-Stiftung, Hanoi University of Natural Ressources (HUNRE), Institute for Agricultural Environment (IAE), National Remote Sensing Department (NRSD) der Einladung des UfU zum Abschlussworkshop gefolgt. Nach der Begrüßung durch Frau Nguyen Thi Thien Phuong (stellvertretende Leiterin des Pollution Control Departments des MONRE) und Dr. Michael Zschiesche (Geschäftsführer des UfU) wurden in der knapp fünfstündigen Veranstaltung in insgesamt sieben Vorträgen die zugrundeliegenden Rahmenbedingungen, Projektaktivitäten und Ergebnisse aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. So wurde z.B. die Rekultivierung aus umweltrechtlicher Sicht noch einmal ausführlich dargestellt – hier erarbeitet das UfU derzeit einen untergesetzlichen technischen Leitfaden, um die Umsetzung des bestehenden Rekultivierungsrechts (das sich im Wesentlichen auf Aufforstung beschränkt), um die Möglichkeit des Anbaus von Bioenergiepflanzen zu erweitern und zu spezifizieren. Direkte Einblicke in die praktische Projektarbeit wurden sowohl für den Standort in der Provinz Thai Nguyen (Nordvietnam) als auch für den Standort Lam Dong (Zentrales Hochland) vorgestellt. Neben wichtigen Ergebnissen zur Identifikation geeigneter Kulturen und Verwertungspfade für die jeweiligen Standorte zeigte sich in diesem Programmteil vor allem auch die Relevanz von Praxisversuchen. So konnte z.B. der erste erfolgreiche Anbau von Maniok im zweiten Anbauversuch nicht wiederholt werden. Das Zusammentreffen einer eingeschleppten Pflanzenkrankheit mit überdurchschnittlich heftigen Monsunniederschlägen vernichtete 2023 die gesamte Ernte. Aber gerade hier können wichtige Erfahrungen gesammelt werden, die nur Praxisversuche liefern können und die Bedeutung von Pilotprojekten aufzeigen. Darüber hinaus lieferten die Praxisversuche realistische Zahlen für weitergehende Betrachtungen. So wurde z.B. anhand einer Ökobilanz untersucht, welche Randbedingungen erfüllt sein müssen, damit die CO2-Reduktion von Ethanol aus Maniok im Vergleich zu fossilen Brennstoffen möglichst groß ist. So konnte auf dem Abschlussworkshop gezeigt werden, dass trotz der im Vergleich zu konventionellen Flächen geringen Erträge von Maniokwurzeln der CO2-Fußabdruck von Bioethanol gleich groß ist wie der von Kraftstoffen aus fossilen Quellen. Durch technische Optimierungen bei der Raffination von Bioethanol und eine Stabilisierung der Erträge ist davon auszugehen, dass der CO2-Fußabdruck von Bioethanol deutlich reduziert werden kann und somit ein echtes Einsparpotenzial gegenüber fossilen Kraftstoffen besteht. Bei der abschließenden Präsentation der Ergebnisse der raum-zeitlichen Bodenuntersuchungen der Pilotflächen konnte der Umwelt- und Klimaschutzeffekt des Projektansatzes nochmals deutlich herausgestellt werden. So konnte der Kohlenstoffvorrat im Boden während der Projektlaufzeit signifikant erhöht und die Bodendegradation durch Erosionsprozesse wirksam reduziert werden. Darüber hinaus konnte bei der Risikoabschätzung einer Grundwasserbeeinträchtigung durch Rückstände im Boden aus dem Tagebaubetrieb gezeigt werden, dass derzeit kein Gefährdungspotenzial besteht.

Pilotanbau von Akazie auf einer ehemaligen Tagebaufläche in der Provinz Thai Nguyen

In der abschließenden Diskussionsrunde wurden neben vielen Detailfragen zu Einzelaspekten vor allem die möglichen Nutzungspfade für die verschiedenen Energiepflanzen noch einmal in den Mittelpunkt gerückt. Insbesondere die divergierende Entwicklung zwischen Theorie und Praxis wurde als Hauptproblem identifiziert. Von den sechs 2015 in Betrieb befindlichen Raffinerien für Ethanol sind derzeit in Vietnam nur noch zwei in Betrieb, die mit stark veralteter (chinesischer) Technologie betrieben werden. Gleichzeitig wird Ethanol derzeit vor allem aus Südkorea und den USA importiert. Offen sind auch mögliche Nutzungspfade für die Akazie. Hier wird noch nach Ansätzen gesucht, den in der Biomasse gespeicherten Kohlenstoff möglichst langfristig zu binden und nicht durch energetische Nutzung wieder in die Atmosphäre zu entlassen. Ansätze aus der Bioökonomie könnten hier helfen, Wertschöpfungsketten zu identifizieren, die eine klimafreundliche Weiterverwendung ermöglichen, wie z.B. die Herstellung von Plattformchemikalien aus Lignocellulose. Neben der Darstellung der bisherigen Ergebnisse konnten so im Rahmen des Workshops auch mögliche zukünftige Forschungsaktivitäten formuliert werden. Gleichzeitig zeigen Entwicklungen wie die erratischen und scheinbar zunehmenden Monsunniederschläge im zentralen Hochland im Jahr 2023 oder der Tropensturm Yogi in diesem Herbst, mit welcher Wucht wir in Zukunft verstärkt mit Extremwetterereignissen konfrontiert werden. Auch hier gibt das Projekt schon heute teilweise Antworten. Neben dem Klimaschutz bietet der Ansatz der Rekultivierung mittels naturbasierter Lösungen auch Möglichkeiten zur Klimaanpassung. Eine Erhöhung der Kohlenstoffvorräte im Boden erhöht z.B. gleichzeitig die Wasserspeicherkapazität des Bodens. Einerseits kann dadurch ein größerer Teil der Niederschläge im Boden zwischengespeichert und damit die Hochwasserwelle reduziert werden, gleichzeitig hilft der erhöhte Bodenwasserspeicher der Vegetation, Trockenphasen besser zu überstehen. Zusammenfassend lässt sich also nach zehn Jahren Projektarbeit sagen, dass es noch genügend Herausforderungen gibt, die es anzugehen gilt – ganz nach dem Credo des UfU: aus dem Wissen ins Handeln kommen.


Zu sehen ist eine Hand, die ein Handy hält. Auf dem Bildschirm ist der Podcast

Klima trifft Demokratie - Der Podcast

Angesichts der sich weltweit zuspitzenden ökologischen Krisen, zunehmendem Populismus und der sich verschärfenden gesellschaftlichen Konflikte um die Umsetzung der sozial-ökologischen Transformation ist die Suche nach demokratischen Lösungen zur Eindämmung der Klimakrise eine zentrale Aufgabe.

In unserer neuen englischsprachigen Podcast-Reihe “[Insert solutions here]. Climate meets Democracy” beleuchten wir verschiedene Ansätze, die einerseits die Klimakrise aktiv angehen und andererseits demokratische Prinzipien stärken.

Mit Gästen aus Wissenschaft und Praxis aus verschiedenen Regionen der Welt blicken wir in jeder Folge auf ein neues Thema. Wir diskutieren die aktuellen demokratischen Herausforderungen angesichts der Klimakrise und schauen auf die Grundlagen guter Beteiligung an der Entwicklung und Umsetzung von Klimapolitik. In weiteren Folgen widmen wir uns Fragen der Gerechtigkeit und diskutieren die Rolle von Protesten, Gewerkschaften, Bürger*innenversammlungen, Lobbyarbeit und internationalen Abkommen.

Wir freuen uns Gäste aus Brasilien, Indonesien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, Costa Rica, der Ukraine, Belgien, Kolumbien, Österreich und Mexiko in unserem Podcast begrüßen zu dürfen, die ihr Wissen mit uns teilen und spannende Einblicke in unterschiedliche Themen und Kontexte ermöglichen.

Der Podcast wird von uns in Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Projekt “Stärkung der Zivilgesellschaft bei der Umsetzung nationaler Klimapolitik” produziert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert.

Zu hören ist der Podcast auf verschiedenen Podcast-Plattformen und unserer Webseite. Alle Links dazu gibt es hier:

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Energiesparen mit den Kleinsten in INA.Kinder.gärten

© INA.KINDER.GARTEN 2023

19. Oktober 2023

Dass Energiesparprojekte gut funktionieren zeigen wir seit über 30 Jahren. Dabei wird Energie über zwei Stellschrauben eingespart. Zum einen über die Optimierung des Verhaltens der Gebäudenutzer:innen und zum anderen über technische Optimierungen zusammen mit dem Hausmeister.

Kinder in einem frühen Alter mit diesen Themen in Kontakt zu bringen ist wichtig, um den Grundstein für ein klimabewusstes Handeln im erwachsenen Alter zu legen. In Kitas wird Energie den älteren Kindern mithilfe einer Abwechslung zwischen Bewegung und Wissensvermittlung spielerisch nahegebracht. Dabei wird das Thema so heruntergebrochen, dass es für unsere Kleinsten greifbar wird:

  • Die vier „Sonnenkinder“ „Lisa Licht“, „Steffi Strom“, „Wilma Wärme“ und „Bärbel Bewegung“ stellen sich vor
  • Die Kinder machen Energieverbraucher ihrer Einrichtung sichtbar, indem sie diese mit farbigen Klebepunkten markieren
  • Strommessgeräte werden ausprobiert
  • Die Hände werden gerieben und dadurch selbst Energie erzeugt
  • Energiesparsprüche werden überlegt und eingeübt

Dies sind nur einige pädagogische Methoden, die die INA Kinder erwarten. Dazu kommen Energierundgänge zur Aufnahme der Ist-Situation des Gebäudes, Teamworkshops für das gesamte Erzieher:innen-Team sowie technische Fortbildungen und Austauschrunden für Hausmeister.

Durch das Energiesparprojekt der INA.Kinder.Gärten werden alle Einrichtungen tiefergehend für das Thema Energiesparen im Alltag sensibilisiert und ziehen an einem Strang. Die externe Unterstützung von außerhalb hilft den Kitas außerdem einrichtungsspezifisch voranzukommen und gibt Pädagog:innen Anregungen für die weitere Arbeit mit den Kindern. Ganz nebenbei wird auch der Träger entlastet. Dadurch wird in der Regel zwischen 4 und 15 Prozent Energie eingespart. Die ersten Termine in den Einrichtungen haben bereits stattgefunden.

Auf der offiziellen Auftaktveranstaltung des Projekts am Donnerstag den 19.10. haben sich die Energieberater:innen des UfU den Kitas vorgestellt. Außerdem wurden die einzelnen Projektbestandteile und der Zeitplan des Projekts ausführlicher erläutert und die Kitas konnten erste Experimente, wie die „Luftballonrakete“, den „Solarkocher“ und die „Drachenaugen“ ausprobieren. Zuletzt konnten Wünsche, Erwartungen und Befürchtungen an das UfU adressiert werden.

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Erfolgreiche Beteiligung der Bevölkerung zur Förderung Grüner Infrastruktur in Vietnam

11. Oktober 2023

Erfolgreiche Beteiligung der Bevölkerung zur Förderung Grüner Infrastruktur in Vietnam

Am 19. und 20. September 2023 hat das GreenCityLabHuế-Projekt öffentliche Veranstaltungen in zwei Bezirken der Stadt Hue durchgeführt. Dabei brachten die Teilnehmenden ihre individuellen Perspektiven zum Thema ökosystembasierte Klimaanpassung in ihren Stadtvierteln mit ein. In Bezug auf die wichtigsten Herausforderungen und Bedrohungen hinsichtlich Hitzestress und Luftqualität gaben sie an, dass heiße Tage durch den Klimawandel immer häufiger aufträten, Pflanzen und Tiere mehr Wasser bräuchten und sie mehr Klimaanlagen installieren müssten. Außerdem betonten sie, dass Hitzestress häufiger als früher aufträte, weil es im innerstädtischen Gebiet wenig Bäume gäbe. Durch die steigende Verkehrs- und Baudichte werde außerdem die Luftqualität stark beeinträchtigt und immer mehr Staub sowie Abgase verursacht.

Gefragt nach den wichtigsten Problemen im Zusammenhang mit öffentlichen und städtischen Grünflächen waren die Teilnehmenden gespalten. In den Außenbezirken waren sie mit den Grünflächen der bestehenden Obstgärten zufrieden, bemängelten allerdings, dass es zwar Zugang zu natürlichen Flächen gäbe aber städtische Grünflächen innerhalb des Stadtteils völlig fehlten. Im Gegensatz dazu berichteten die Teilnehmenden in der Innenstadt, dass die Qualität der öffentlichen Grünflächen nicht gewährleistet sei, es an Schatten mangele, die Baumvielfalt gering sei, Parkbauprojekte zu lange dauerten und es nur wenige Brachflächen gäbe, die in Grünflächen umgewandelt werden könnten.

Auch bei der Frage nach der Nutzung öffentlicher Grünflächen gaben die Teilnehmenden der beiden Workshops sehr unterschiedliche Beiträge ab. In den Außenbezirken waren die Teilnehmenden der Meinung, dass den Menschen öffentliche Flächen zum Entspannen, für Sport, zum Radfahren, für Kinderspielplätze und zum Ausführen von Haustieren fehlten. Die Teilnehmende in der Innenstadt erwähnten, dass öffentliche Grünflächen in ihrer Umgebung vielfältig genutzt würden und diesen verschiedenen Ansprüchen gerecht werden müssten, z. B. für Veranstaltungen, zum Tanzen, für sportliche Aktivitäten, als Spielplatz für Kinder, als Ort für Verabredungen und als Treffpunkt für Menschen sowie als Ort für Straßenverkäufer und Gastronomie.

Der letzte Teil der öffentlichen Veranstaltungen war eine Einführung in die “grünen Schaufenster“, die im Rahmen des GreenCityLabHuế-Projektes entwickelt wurden. Dabei handelt es sich um exemplarisch umgesetzte naturbasierte Lösungen zur Klimaanpassung. Die Teilnehmenden brachten ihre Unterstützung zum Ausdruck und freuten sich darauf, diese neuen Grünflächen so bald wie möglich besuchen zu können.

Zweiter Runder Tisch zur Entwicklung der grün-blauen Infrastruktur in Hue

Am 21. September 2023 organisierte das GreenCityLabHue Projekt außerdem den zweiten Runden Tisch zur Entwicklung grün-blauer Infrastruktur in der Stadt Huế und der Provinz Thừa Thiên Huế. Das Ziel der Veranstaltung war der Austausch von Fachwissen mit Vertreter*innen von Behörden und Agenturen, die mit grün-blauer Infrastruktur zu tun haben. Der Runde Tisch war eine Gelegenheit für das GreenCityLabHuế-Projekt, seine neuesten Forschungsergebnisse über die Entwicklung grün-blauer Infrastrukturen mit lokalen Praktiker*innen und politischen Entscheidungsträger*innen zu teilen und zu diskutieren.

Die Teilnehmenden des Runden Tisches einigten sich auf die fünf größten Herausforderungen für die Entwicklung der grün-blauen Infrastruktur in Hue, darunter politische Vorgaben, die Auswahl klimaangepasster Baumarten, das verfügbare Budget für Grünflächenmanagement, die Digitalisierung und die Erforschung historischer Faktoren der Grünflächenentwicklung. Die Teilnehmenden stimmten insbesondere darin überein, dass die Politik die Entwicklung grün-blauer Infrastrukturen fördern und günstige Rahmenbedingen schaffen müsse, um den Anforderungen der städtischen Anpassung an den Klimawandel begegnen und ein grünes Wachstum in der Provinz vorantreiben zu können.

Mehr Informationen zum GreenCityLabHue Projekt