Praxishandbuch zur Gestaltung von Nachhaltigkeit in der Jugend- und Verbandsarbeit!
19. Februar 2026
Scheinbar gibt es viele junge Menschen, die für Themen – und erst recht für ein Engagement – im Bereich Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind.
Doch wer sind diese jungen Menschen, was bewegt sie? Mit welchen Alltagssorgen und Teilhabebarrieren sind sie konfrontiert? Und wie können Multiplikator*innen aus Jugend- und Verbandsarbeit besonders jene mit wenig Zugang zu Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsthemen wirksam erreichen und einbeziehen? Woran scheitert dies bisher, und welche Veränderungshebel stehen uns zur Verfügung?
Zu diesen Fragen bietet unser kürzlich erschienenes Praxishandbuch (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/junge-menschen-erreichen-nachhaltigkeit-gemeinsam) eine ebenso kompakte wie nützliche Arbeitshilfe. Denn für uns ist klar: Junge Menschen sind sowohl besonders betroffen von Folgen der Klimakrise wie auch wichtige (potenzielle) Akteur*innen des Wandels. Das Handbuch richtet sich an Multiplikator*innen, die mit jungen Menschen arbeiten und diese dabei unterstützen möchten, eigene Zugänge zu Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln – ob in Jugendtreffs, Schulen, Vereinen, Kultur- und Sportangeboten, Freiwilligendiensten, Kommunen oder auch in zivilgesellschaftlichen Organisationen. Gleichzeitig soll es als Unterstützung für diejenigen Akteur*innen dienen, die bereits im Bereich Umwelt, Klima und/oder Nachhaltigkeit aktiv sind und ihre Zielgruppen erweitern wollen – zum Beispiel, weil sie merken, dass ihre Angebote immer nur durch ein bestimmtes Milieu (z.B. Gymnasialschüler*innen aus einem bestimmten Stadtteil) angenommen werden.
Das erarbeitete Handbuch bietet praxisnahe Ideen, Methoden, Lesetipps und Erfahrungen, die zeigen, wie Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit ganz konkret und lebensnah verankert werden kann. Hervorzuheben ist dabei die Rolle von Kooperationen. Denn besonders wirkungsvoll ist es, wenn Akteur*innen aus verschiedenen Engagementfeldern zusammenarbeiten. Hier erschließt sich ein großes Potenzial für Synergien und gegenseitige Lerneffekte. Wenn z.B. ein Jugendfreizeittreff mit einem Sport-, Umwelt-, Kultur- oder Religionsverband bzw. -verein gemeinsam Ideen entwickelt, entstehen neue Lernräume, in denen junge Menschen eigene Erfahrungen machen und sich gegenseitig stärken können. Gleichzeitig können auch die jeweiligen Multiplikator*innen in einen fruchtbaren Methoden- und Wissensaustausch kommen.
Das Handbuch will Mut machen, neue Wege zu gehen: Kooperationen zu wagen, Peer-to-Peer-Lernen zu fördern und Themen so zu gestalten, dass sie berühren, motivieren und verbinden. Übergeordnet sind im Handbuch 5 zentrale Erkenntnisse und Empfehlungen formuliert:
- Kooperationen schaffen Mehrwert.
Die Verbindung von Umweltbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Jugendverbandsarbeit und Offener Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) eröffnet neue Perspektiven und Lernräume. Unterschiedliche Akteur*innen bringen jeweils eigene Stärken mit, z. B. methodische Erfahrung, Zugang zu bestimmten Gruppen oder Räumlichkeiten und andere Ressourcen. So entstehen Angebote und Formate, die weit über das hinausgehen, was einzelne Akteur*innen allein umsetzen könnten.
- Unterschiedliche Rahmenbedingungen sind Chance und Herausforderung zugleich.
Während Jugendverbände z. B. thematische Schwerpunkte, teils projektorientiertes Arbeiten und etablierte Organisationsstrukturen mitbringen, ist die Offene Kinder- und Jugendarbeit stärker alltagsorientiert, beziehungsbasiert und schafft bewusst niedrigschwellige Angebote. Diese Unterschiede können Herausforderungen darstellen, eröffnen aber auch viele Potenziale, um gemeinsam junge Menschen zu erreichen.
- Lebensweltorientierung schafft Brücken.
Nachhaltigkeit wird für junge Menschen dann interessant, wenn sie erlebbar, konkret und mit persönlichen Vorteilen verbunden ist, so etwa durch Spaß, Gemeinschaft, Kreativität oder Kostenersparnis. Abstrakte oder moralisch aufgeladene Appelle sowie (viele) Fachinformationen erzeugen hingegen kaum Interesse. Das zugrundeliegende Nachhaltigkeitsverständnis sollte sich nicht allein auf ökologische Aspekte beschränken, sondern auch Gesichtspunkte sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellen.
- Methodenvielfalt und praktische Ansätze fördern Selbstwirksamkeit.
Interaktive, kreative und handlungsorientierte Methoden ermöglichen erfahrungsbasiertes Lernen und zeigen Jugendlichen: Ich kann etwas bewirken! Diese Selbstwirksamkeitserfahrungen sind Schlüsselmomente, in denen Nachhaltigkeit erlebbar und gesellschaftliche Teilhabe gestärkt wird.
- Vertrauen und Beziehungsarbeit sind eine wichtige Basis.
- Gerade bei Jugendlichen, die bisher wenig Berührung mit Engagement und Nachhaltigkeit haben, braucht es Zeit und verlässliche Kontakte. Erst durch wiederkehrende Begegnungen, gemeinsame Aktivitäten und wertschätzendes Miteinander entstehen Vertrauen und die Lust, sich einzubringen.
Das Praxishandbuch ist im Kooperationsprojekt „Jugendengagement für Nachhaltigkeit stärken durch Dialog und transformatives Lernen (JuNast)“ entstanden. Es baut auf Forschungsergebnissen des Projektes, Expert*innen-Interviews, Praxiserfahrungen aus im Projekt durchgeführten Modellprojekten sowie weiteren Hintergrundrecherchen auf. Das Forschungsprojekt wird gefördert vom Umweltbundesamt (UBA) im Rahmen des Ressortforschungsplans (ReFoPlan) des BMUKN.
Im zweiten Teilbericht des Forschungsprojektes finden sich darüber hinaus detaillierte Erkenntnisse zu Einstellungen, Lebensrealitäten, Kommunikations- und Engagementverhalten von jungen Menschen in Deutschland, die sich bisher nicht aktiv für Umwelt-, Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsthemen interessieren und engagieren: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/jugendengagement-fuer-nachhaltigkeit-staerken-0
UfU betreut Schulen in Potsdam auch die nächsten vier Jahre
Seit 1998 werden an Potsdamer Schulen Projekte zum Energiesparen durchgeführt. Mit seinen 51 teilnehmenden Schulen ist das Potsdamer Energieeinsparprogramm (EEP) eines der größten und langläufigsten Energiesparprojekte in Deutschland. Seit 2017 betreut das UfU zusammen mit der Berliner Energieagentur das EEP und darf nun für weitere vier Jahre das Programm begleiten.
Das Projekt beruht auf zwei Komponenten. In der technischen Komponente werden die öffentlichen Schulen in Potsdam energietechnisch überwacht. Ein sogenanntes Energiemonitoring hält die Verbräuche an Wärme, Strom und Wasser monatlich fest und pflegt diese in eine Datenbank ein. Dies gibt Aufschluss über Verbrauchsspitzen durch beispielsweise Havarien. Außerdem werden die Verbräuche der Schulen miteinander verglichen und dadurch können Rückschlüsse auf den Schullalltag, die energetische Situation und das Nutzerverhalten geschlossen werden.

Die zweite Komponente ist eine Pädagogische. Da Schulen Orte des Lernens sind, liegt der Fokus des Projektes nicht nur auf technischen Energieeinsparungen, sondern auch auf der Integration des Projektes in den Schulalltag. Schüler*innen können in jährlich wechselnden Fokusthemen (Heizen, Lüften, Strom, Klimaanpassung, Hitzeschutz, Ernährung, Ressourcenschutz) etwas über den eigenen Ressourcenbedarf lernen. Energie-AGs und Projekttage zeigen Schüler*innen, wie sie selber Energie einsparen können. Dadurch wird ein ressourcenschonendes und nachhaltiges Denken geschult. Ein wichtiger Teil ist auch das Erfolgserlebnis. Die Schulen sparen durch das Projekt nach wie vor Ressourcen ein und senken ihre Verbräuche. Das schont nicht nur die kommunalen Kassen, sondern gibt jungen Menschen das Gefühl, selbst etwas erreichen zu können.
Das Projekt funktioniert über ein Anreizsystem. Durch die aktive Beteiligung der Kommune ist gewährleistet, dass die Schule für Einsparungen finanziell entlohnt wird. Über die Projektaktivitäten können Punkte gesammelt werden, welche in Geldprämien am Ende des Schuljahres an die Schule ausgezahlt wird. Da Schulen durch ihre enorme Anzahl oft der größte Energieverbraucher in der Kommune sind, spart auch die Kommune Geld ein.
Im Bereich Wärme ist der witterungsbereinigte Verbrauch pro m2 seit 2017 um fast 7% zurückgegangen. Und das trotz des deutlichen Knicks, den die veränderten Anforderungen während der Corona Pandemie mit sich gebracht hatte. Hier wurde in vielen Schulen quasi dauergelüftet.
Das Projekt in Potsdam ist beispielhaft für den Erfolg, den vor allem langjährig angelegte Energiesparprojekte haben können. Die Abläufe sind mittlerweile sehr routiniert, die Schulen (Pädagog*innen und Techniker*innen) kennen das Programm und jährlich werden sehr viele Einzelaktivitäten in den Schulen durchgeführt und gemeldet. Auch der pädagogische Aspekt wird multipliziert, weil viele Kinder mit ihrer Schule jedes Schuljahr wieder am Projekt teilnehmen.
Glienicke/Nordbahn startet mit Energiesparprojekt fifty/fifty durch
Starterpaket ermöglicht geringinvestive Maßnahmen in sechs kommunalen Einrichtungen
Die Gemeinde Glienicke/Nordbahn beantragt ein sogenanntes Starterpaket für geringinvestive Maßnahmen im Rahmen ihres Energiesparprojekts. Damit können in den kommenden Projektjahren gezielte Investitionen in sechs kommunalen Einrichtungen – einer Schule, einem Hort, einem Jugendclub und drei Kindertagesstätten – umgesetzt werden. Ziel ist es, den Energieverbrauch spürbar zu senken und gleichzeitig pädagogische Impulse für den Klimaschutz zu setzen.
Kleine Maßnahmen, große Wirkung
Mit den Fördermitteln, die bis zu 6.000 Euro pro Einrichtung betragen, lassen sich zahlreiche energiesparende Verbesserungen umsetzen. Dazu zählen beispielsweise der Austausch veralteter Thermostatventile, die Optimierung der Heizungsregelungen oder der Erwerb von Materialien für pädagogische und öffentlichkeitswirksame Aktivitäten.
Solche geringinvestiven Maßnahmen zeigen schnell sichtbare Erfolge: Sie verbessern das Energiemanagement vor Ort und machen für Nutzerinnen und Nutzer unmittelbar erfahrbar, dass die Kommune aktiv zum Klimaschutz beiträgt.
Förderung schafft Handlungsspielräume
Finanziert wird das Projekt über die sogenannte Kommunalrichtlinie, die Kommunen bei der Einführung von Energiesparmodellen unterstützt. Neben der Förderung von Personalkosten bieten die zusätzlichen Mittel des Starterpakets eine wertvolle Möglichkeit, sinnvolle Investitionen auch bei knappen Haushalten umzusetzen.
„Sechstausend Euro mögen auf den ersten Blick nicht viel erscheinen – für kommunale Bildungseinrichtungen können sie jedoch den entscheidenden Unterschied machen“, betont Marlies Bock vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU), welches das Projekt im Auftrag der Gemeinde an den Einrichtungen durchführt. „Das Geld kann direkt und unbürokratisch eingesetzt werden – ein wichtiger Schritt, um Motivation, Selbstwirksamkeit und Nachhaltigkeit zu fördern.“
Bildung trifft Technik
Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbindung von pädagogischer Arbeit und technischem Know-how. Durch die Einbeziehung der Hausmeister*innen sowie des pädagogischen Personals entstehen Synergien, die über das Projekt hinaus wirken können. Kinder und Jugendliche erleben unmittelbar, dass ihr Engagement für den Klimaschutz zu sichtbaren Veränderungen führt – ein nachhaltiger Lerneffekt, der weit über die Projektlaufzeit hinausreichen soll.
Blick in die Zukunft
Das Energiesparprojekt in Glienicke/Nordbahn startete Anfang 2025 und läuft bis Mitte 2028. Die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Starterpaket ist ab 2026 geplant, sodass sie bereits zur Heizperiode 2026/27 Wirkung zeigen können. Begleitend dazu finden pädagogische Aktionen und Workshops statt, in denen weitere Ideen für Energieeinsparung und Klimaschutz entwickelt werden.
Langfristig soll das Projekt in den Einrichtungen und in der gesamten Kommune fortgeführt werden. Erfahrungen aus ähnlichen Projekten zeigen, dass eine kontinuierliche Unterstützung entscheidend ist, um dauerhafte Energieeinsparungen und ein wachsendes Bewusstsein für Klimaschutz zu erreichen.
Natürlicher Klimaschutz - Schulen zukunftsfähig machen!
Natürlicher Klimaschutz muss in Schulen in Zukunft eine größere Rolle spielen. Dies zeigte die 27. Fachtagung zu Klimaschutz an Schulen am 13. November in Berlin. Das diesjährige Schwerpunktthema „Schule im Wandel: Natürlicher Klimaschutz an Schulen“ untersuchte, inwieweit Schulen aktiv zur Klimaanpassung beitragen können.
Die enorme und oftmals unterschätzte Bedeutung intakter Ökosysteme für das Stadtklima hat auch Auswirkungen auf den Schulalltag. Insbesondere in Hitzemonaten und in Zeiten von Dürre, merken die Schüler*innen in den oftmals nicht klimaangepassten Gebäuden die Auswirkungen des Klimawandels in ihrem Alltag. Entsprechend zeigte die Fachtagung mit Vorträgen, Workshops und Initiativen auf, wie sich Klimaanpassung sowohl baulich, als auch pädagogisch in den Schulalltag integrieren lässt.

Im Mittelpunkt solcher Maßnahmen stehen naturbasierte und wassersensible Lösungen für die Schule. Durch Begrünung, Nutzung von Regenwasser oder innovative Bauformen werden die Biodiversität gesteigert, das Mikroklima an der Schule verbessert und gesunde Lernräume geschaffen, was die Resilienz von Schulgebäuden und Städten stärkt. Die auf der Fachtagung beispielhaft vorgestellte Umgestaltung des Schulhofs des Hermann-Hesse-Gymnasiums veranschaulicht, dass Schulen selbst zu Orten des Wandels werden können, an denen Lehrkräfte und Schüler*innen gemeinsam nachhaltige Strategien umsetzen.
Auch die Befähigung von Schüler*innen, sich an der eigenen Schule zu beteiligen ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung junger Menschen. Beteiligungsprojekte wie das UfU Projekt KlimaVisionen bestätigten auch in der Fachtagung, dass die Schüler*innen vermehrt auch außerhalb der Schule zu Klimathemen zu kommunizieren. Schulische Klimaschutzprojekte stoßen dementsprechend nicht nur räumliche Veränderungen an, sondern stärken auch die Handlungskompetenz junger Menschen. Vor diesem Hintergrund sind geplante Kürzungen bei derartigen Projekten kritisch zu bewerten.
Das UfU hebt mit dieser Fachtagung hervor, dass Klimaanpassung machbar, wirkungsvoll und ein Gewinn für Bildung, Gemeinschaft und Umwelt ist. Deutlich wird dabei auch: Natürlicher Klimaschutz ist kein Zusatzprojekt, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit von Schulen und in das Bewusstsein der kommenden Generationen.
UfU Sporthallen Projekt: Erste Ergebnisse zeigen hohen Sanierungsbedarf in Sporthallen
Das Unabhängige Institut für Umweltfragen untersucht in seinem Sporthallenprojekt seit November 2024 die energetische Situation von Sporthallen in Deutschland. Ziel des Projekts ist es, einen besseren Überblick über die Verbräuche von Sporthallen in Deutschland zu bekommen und die Gesamtemissionen durch verschiedene Maßnahmen nachhaltig zu senken. Dazu entwickelt das UfU eine Systematik zur differenzierten Erfassung und Reduktion des tatsächlichen Endenergieverbrauchs von Sporthallen.
Am 6. November 2025 wurden im Rahmen einer Online-Veranstaltung des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) gemeinsam mit ZEBAU erste Daten und Maßnahmen zur laufenden Untersuchung vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen einen immensen Sanierungsbedarf bei den untersuchten Sporthallen auf. 60 Prozent der Sporthallen sind in einem energetisch schlechten Zustand. Zusätzlich zeigt die Untersuchung, dass viele Sporthallen falsch eingestellt sind und es dementsprechend höhere Verbräuche gibt, als eigentlich notwendig wären.

Solide Datengrundlage fehlt
Um die energetische Situation von Sporthallen zu untersuchen, musste das Projekt erst eine eigene Datengrundlage schaffen. Offizielle Statistiken zur Anzahl von Sporthallen und Sportstätten gibt es nicht. Schätzungen geben an, dass es in Deutschland ca. 40.000 Sporthallen gibt. Zusammen mit anderen Sportanlagen (Tennisanlagen, Schwimmbäder, etc.) ergeben sich ungefähr 231.000 Sportstätten.
Auch die Verbräuche werden für einen Großteil der Sporthallen nicht statistisch erfasst und öffentlich zugänglich gemacht. Ähnlich unseren Erfahrungen mit Schulen, ist es bisher noch sehr schwer, überhaupt an die Verbrauchsdaten von Sporthallen und Sportstätten zu kommen. Oft sind nur Jahresverbräuche abrufbar. Um die Verbräuche aber interpretieren zu können, sind statistische Auswertungen mindestens auf Monatsbasis notwendig.
Die mit den Verbräuchen verbundenen Emissionen deutscher Sportstätten können ebenfalls bisher nur grob geschätzt werden. Laut einer alten Berechnung des Ökoinstitutes verursachen deutsche Sportstätten jährliche Emissionsmengen von rund 7,5 Millionen Tonnen CO₂.
Aufgrund dieser massiven Datenlücke, hat das UfU hat im Projekt eigene Daten von ca. 200 Sporthallen generiert und die daraus errechneten Energiekennwerte anhand der Klassenuntergrenzen des Deutschen Städtetags (DST) eingeordnet. Die Verbräuche der von uns untersuchten Sporthallen liegen für das Jahr 2023 im Mittel bei 115 kWh/m² für Wärme und 21 kWh/m² für Strom. Dies entspricht für beide Medien der Energieeffizienzklasse „C“ des DST.
Die Ergebnisse
- Hohes Potential durch technische Modernisierung
Die höchste Einsparwirkung bei Sporthallen erzielen Modernisierungen an der Gebäudehülle, Heizungs- und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, sowie stromsparende LED-Beleuchtung. Sporthallen mit effizienter Lüftung reduzieren den spezifischen Wärmeverbrauch um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu konventionellen Systemen. Der Wechsel zu Deckenstrahlungsheizungen und abgesenkten Vorlauftemperaturen spart bis zu zwei Drittel der Wärmeenergie und bis zu 30 Prozent Strom.
- Flexible Nutzung ermöglichen
Neben der technischen Modernisierung kann viel Energie durch die Änderung des Nutzungsverhaltens und Optimierung der Betriebsführung eingespart werden. Viele Sporthallen werden zentralisiert verwaltet und weisen aktuell wenig Flexibilität in der Verbrauchsanpassung auf. Im alltäglichen Sportgeschäft fehlen Möglichkeiten wie Dimmer, Schlüssel zur Heizungsanlage oder zu Schaltkästen, damit der Verbrauch flexibel nach Nutzung angepasst werden kann. Dadurch gehen enorme Einsparpotentiale verloren. Heizungen, Licht, Wasserverbrauch sollten in Zukunft von Verantwortlichen vor Ort flexibler anpassbar sein, um Überverbräuche zu vermeiden.
Notwendige Weichenstellungen: Energiemonitoring in Sporthallen und Modernisierung fördern
Sporthallen benötigen eine systematische und ambitionierte Neuausrichtung der politischen und finanziellen Rahmenbedingungen, um Verbräuche in Zukunft einzusparen. Als erster Schritt muss eine Datengrundlage geschaffen werden. Wir müssen wissen, wieviel Sporthallen es in Deutschland gibt, wieviel Energie und welche Art von Energie diese verbrauchen und welche Emissionen damit verbunden sind. Dafür ist ein zentrales und flächendeckendes Energiemonitoring für Sporthallen notwendig. Erst wenn Verbräuche täglich digital ablesbar sind und den einzelnen Sporthallen und ihren Versorgungsarten zugeordnet werden, können alle Einsparpotentiale aufgedeckt werden. Die technischen Möglichkeiten sind dazu bereits vorhanden. In der Praxis scheitert es bisher jedoch oft an langen bürokratischen Wegen und der Frage, wer für die Veröffentlichung der Verbrauchsdaten eigentlich zuständig ist.
Sobald die Sporthallen energetisch mittels Monitorings überwacht werden wird ersichtlich, wo die dringendsten Sanierungen notwendig sind und welche Hallen überproportional viel verbrauchen. Durch den Vergleich werden Nacht- und Wochenendabsenkungen besser geplant und Havarien wie Rohrleckagen oder defekte Spülungen frühzeitig aufgedeckt. Außerdem gibt das Monitoring Aufschluss, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit die meiste Energie in der Sporthalle benötigt wird. Mit solchen Informationen können dann Nutzungsanpassungen vorgenommen werden und in hohem Maßen Energie eingespart werden. In einer weiteren Befragung, die das UfU unter 89 Sporthallenbetreibern und Energieberater*innen durchgeführt hat, gaben nur sieben Prozent der Befragten an, über ein digitales Energiemonitoring zu verfügen.
Der Untersuchungsbericht
Im Laufe des Projektes entsteht ein umfassender Untersuchungsbericht, welcher Anfang des Jahres 2026 veröffentlicht wird. Dieser wird auch auf der Projektseite hochgeladen: https://www.ufu.de/projekt/energiesporthallen/
Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt: Rückblick Zukunftsforum
05. November 2025
Konsequente Umsetzung von Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt braucht weitere Maßnahmen: Rückblick Zukunftsforum: Das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt umsetzen
Am 5. November 2025 fand das „Zukunftsforum – Das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt umsetzen“ des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) statt. Die Veranstaltung machte deutlich, dass es weiterer Maßnahmen bedarf, um Kinderrechte in der Umwelt- und Klimapolitik stärker zu verankern und in der Praxis umzusetzen – politisch, rechtlich und vor Ort. Dazu gehört eine breite Qualifizierung insb. vom Verwaltungswesen, verstärkte politische Rückendeckung, verbindliche Beteiligungsrechte und wirksame Rechtsschutzmöglichkeiten sowie auch die Verankerung der UN-Kinderrechtskonvention im deutschen Grundgesetz.
Das Zukunftsforum bildet den Abschluss des internationalen ENRICH-Projekts in Deutschland und knüpft in Aufbau und an die Arbeitsergebnisse der in diesem Jahr ebenfalls im Projekt durchgeführten Workshops „Kinderrechte und Umweltschutz vernetzen“ und „Kinderrechte und Umweltschutz vermitteln“ an.
Defizite in Bezug auf die Umsetzung der Kinderrechte bestehen sowohl auf Kommunal- wie auch auf Bundesebene. Im Input „Das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt – rechtliche Grundlagen und Umsetzungsstand“ wurde ein kompakter Einblick in den aktuellen Stand der rechtlichen Lage in Deutschland vermittelt. In Deutschland fehlen weiterhin gesetzliche Regelungen für einen kindgerechten Zugang zu Umweltinformationen, wirksame Rechtsschutzmöglichkeiten für Kinder in Umweltverfahren, verbindliche Beteiligungsrechte, die sicherstellen, dass Kinder in Entscheidungen gehört werden, sowie ausreichende Bildungsmaßnahmen, um Kinder über ihre Rechte zu informieren und sie zur aktiven Mitgestaltung zu befähigen. Relevante Rechtsgrundlagen stellen die Aarhus Konvention und die UN-Kinderrechtskonvention dar. In der Überlagerung zeigen diese Schnittmengen und Synergien, aber auch Unterschiede. Die 2023 veröffentlichte Allgemeine Bermerkung Nr. 26 über Kinderrechte und Umwelt, mit Schwerpunkt auf dem Klimawandel, bildet zudem eine wichtige Grundlage zum Verständnis des Kinderrechts auf eine gesunde Umwelt. Der ausführliche rechtliche Stand in Deutschland ist in der UfU-Publikation “Junge Stimmen im Umweltrecht. Informiert, beteiligt, gehört? dargelegt.
Im Workshop „Kinder- und Jugendbeteiligung in Strategien zum Umwelt- und Klimaschutz auf Bundesebene“ gingen die Teilnehmenden zusammen mit Jonas Schubert, Advocacy Manager bei der Menschenrechts-NGO Terre des Hommes, der Frage nach, wie Kinder- und Jugendbeteiligung zu Umwelt- und Klimathemen auf Bundesebene gelingen kann. Ein zentrales Problem ist die geringe Rückmeldung von Kindern und Jugendlichen trotz aufwändiger Beteiligungsprozesse. Es braucht daher zusätzliche Ressourcen in der Verwaltung , um diese Prozesse angemessen zu begleiten.
Im Workshop „Kinder- und Jugendbeteiligung im kommunalen Klimaschutz“ vermittelte Liza Ruschin, Stadtplanerin und Jugendbeteiligungsexpertin, praktische Einblicke in den umfassenden Beteiligungsprozess des Klima- und Energiekonzepts Luckenwalde. Es braucht einen Kulturwandel in den Kommunen sowie (weitere) Qualifizierung von Verwaltungsakteur*innen für angemessene Kinder- und Jugendbeteiligung. Erfolgreiche Beteiligungsprozesse benötigen politische Rückendeckung, helfen kann dabei ein Framing über Begriffe wie „Enkelgerechtigkeit“ und „Generationengerechtigkeit“. So kann es gelingen, tatsächlich an einem Strang zu ziehen – auch über Differenzen innerhalb der Verwaltung sowie mit unterschiedlichen Akteur*innen hinweg. Gute, nachvollziehbare Beispiele aus anderen Kommunen können motivieren und aktivieren – viele Erkenntnisse sind übertragbar. Immer wieder braucht es zudem Akteure, die aktiv voran gehen.
In der anschließenden Paneldiskussion diskutierten Korinna Sievert (BMBFSFJ; Referat Jugendstrategie, Kinder- und Jugendbeteiligung), Henrike Lindemann (Geschäftsführerin Green Legal Impact), Friederike Heuer (Deutscher Bundesjugendring, Koordinierungsstelle Jugendbeteiligung in Klimafragen) und Daniel Grein (Bundesgeschäftsführer Kinderschutzbund) zur Frage „Das Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt in der Praxis umsetzen – welche Schritte braucht es jetzt?“.
Die Diskussion fokussierte auf Umsetzungshindernisses des Rechts auf eine gesunde Umwelt für Kinder, auf Fragen der politischen Verantwortung, mögliche rechtliche und strukturelle Reformen sowie zukünftige Entwicklungen.
Es wurde betont, dass alle beteiligten Akteur*innen insbesondere in der Verwaltung anfangen müssten zu handeln und nicht darauf warten sollten, dass jemand anderes vorangeht. Dabei sollten die handelnden Personen immer wieder daran erinnert werden, dass gute Kinder- und Jugendbeteiligung letztlich zu besseren Entscheidungen führe, also qualitativen Mehrwert bringt. Beteiligung solle kein Selbstzweck sein, sondern nur stattfinden, wenn auch tatsächlich Einfluss auf Entscheidungen genommen werden kann – Scheinbeteiligung müsse vermieden werden. Schon zu Beginn des Prozesses müsse Transparenz hergestellt werden, wie die Ergebnisse der Beteiligung verwendet werden, um die Erwartungen der beteiligten Kinder und Jugendlichen realistisch zu halten und Enttäuschungen zu verhindern. Gute Beteiligung benötige ausreichend Zeit, um aus Prozessen zu lernen und passende Arbeitsabläufe mit den beteiligten Akteur*innen zu finden und sich einzuspielen.
Thematisch funktioniere Kinder und Jugendbeteiligung im Umwelt- und Klimabereich besonders gut, wenn die Teilnehmenden persönlich betroffen seien. Wichtige thematische Anknüpfungspunkte böten z.B. Themen wie Naturzugänge, Umweltgerechtigkeit und das Recht auf Umweltbildung.
Mit Blick auf das Recht wurde deutlich, dass neben Klagen für Umwelt- und Klimaschutz unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen weitere Schritte nötig werden, um Kinderrechte und Umwelt- und Klimaschutz aus juristischer Perspektive zusammen zu denken. So wurde gefordert, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Teilweise wurde als problematisch angesehen, dass für Umwelt und Klima positive Gerichtsentscheidungen von Regierung und Verwaltung nur unzureichend umgesetzt werden und dies das Vertrauen der Menschen in den Rechtsstaat beeinträchtige. Außerdem müssten die Rechte aus der UN-Kinderrechtskonvention als unmittelbar in Deutschland geltendes Recht mehr Nachdruck in der Umsetzung erfahren.
Mut und Hoffnung für die Zukunft schöpfen die Panelist*innen aus der Kreativität und dem Engagement von jungen Menschen und ihren inspirierenden und beeindruckenden Perspektiven. Außerdem arbeiteten bereits viele Akteur*innen und Strukturen zu dem Thema, sodass in Zukunft mit positiven Veränderungen zu rechnen sei.
Digitale BNE: Bildungsmaterialien für Lehrkräfte sind online
27. Oktober 2025
Das Erasmus+ Projekt „Digital Education for Sustainable Development across Europe” revolutioniert die Grundschulbildung für nachhaltige Entwicklung durch die Einführung einer mehrsprachigen digitalen Plattform, die die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren zugänglich und interessant macht. Die innovative Plattform ermöglicht es Lehrkräften – unabhängig von ihren bisherigen Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit –Nachhaltigkeitsthemen auf praktische, altersgerechte und flexible Weise in den Unterricht zu integrieren.

Kostenlose Lehr- und Lernmaterialien ohne Anmeldung
Die Digital-ESD-Plattform bietet 19 interaktive „Lernwelten”, die jeweils einem bestimmten SDG gewidmet sind und animierte Geschichten, Arbeitsblätter und umfassende Lehrleitfäden enthalten. Diese Ressourcen sind in mehreren Sprachen verfügbar und können sowohl digital als auch auf Papier verwendet werden, sodass sie für verschiedene Bildungsumgebungen zugänglich sind. Die Struktur der Plattform ermöglicht es Lehrkräften, Nachhaltigkeitskonzepte auf einfache Weise einzuführen, Reflexionen im Unterricht anzuregen und Schüler:innen zu ermutigen, Maßnahmen gegen globale Herausforderungen wie Klimawandel, Armut und Ungleichheit zu ergreifen.


Unterrichtsvorbereitung in Minutenschnelle
Sie wissen am besten, wie Ihr Unterricht funktioniert, daher liefert die Plattform keine starren Vorgaben, sondern bietet Ihnen eine Auswahl an direkt einsetzbaren Materialien: Erklärvideos, Arbeitsblätter, Reflexionsfragen und Projektideen. Sie können daraus wählen, was zu Ihrer Klasse und Ihrem Zeitplan passt – ob als kurzer Impuls, als Gruppenarbeit oder für eine größere Projektarbeit.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Broschüre „RevierUpdate. Kohle. Wandel Perspektiven.“ erschienen!
29. September 2025
Zum Abschluss des Projekts RevierUPGRADE – Wir. Jetzt. Nachhaltig. hat das Projektteam von BUNDjugend und UfU eine Broschüre herausgebracht. Darin kommen verschiedene Akteur*innen zu Wort und zeigen Handlungsansätze für sozial-ökologischen Wandel in den ostdeutschen Braunkohlerevieren auf. Dadurch werden sowohl vielfältige bestehende Herausforderungen wie auch vielversprechende Perspektiven auf kommende Entwicklungen im Mitteldeutschen und im Lausitzer Revier deutlich.
Im Rahmen von RevierUPGRADE haben wir gemeinsam mit jungen Menschen aus den Regionen unterschiedliche kreative und aktivierende, bunte und lebendige Bildungs- und Empowermentformate durchgeführt. Diese reichten von Formaten wie Gruppen-Coachings über inhaltliche Workshops mit Themenschwerpunkten wie z.B. „Der Cottbusser Ostsee“ oder „Nachhaltige Chemieindustrie“ auch wiederkehrend zur konkreten Frage: Wie kann ich mich als junger Mensch vor Ort und überregional einbringen und Zukunft mitgestalten? Neben einer Sensibilisierung für Problemlagen (Beispiele: Auslagerung von Kohle-Folgekosten, Stand der Klimakrise und Aspekten von Klimagerechtigkeit etc.) haben wir immer wieder daran gearbeitet, Perspektiven und mögliche Ansätze für sozial-ökologische Entwicklungen aufzuzeigen und zu erarbeiten, so etwa durch inspirierende Exkursionen und Gespräche mit progressiven Akteur*innen oder auch praktische Tätigkeiten wie dem Bau von Regenbänken.
Die Broschüre spiegelt unter dem Motto „Kohle. Wandel. Perspektiven“ verschiedene Eindrücke, Begegnungen und Fragmente aus unseren Tätigkeiten wieder. Dabei haben wir unterwegs einige Antworten gefunden – vielleicht aber auch noch mehr Fragen. Die Publikation ist sowohl online verfügbar als auch als print-Exemplar zum Blättern vorhanden. Bei Interesse an Print-Exemplaren wende dich an das Projektteam von RevierUPGRADE.
KOHLE
Der 2020 beschlossene Kohleausstieg bis 2038 war der Ausgangspunkt des dreijährigen Kooperationsprojektes des BUNDjugend Bundesverbands, der BUNDjugend Brandenburg und des UfU. Kohle als fossiler Rohstoff, über Millionen von Jahren entstanden, wird heute immer noch als hochgradig klimaschädliche Ressource verfeuert, während die Förderung in den Gegenden Mondlandschafften und Tagebaurestlöcher erzeugt(e). Welche Geschichten stecken etwa hinter dem Cottbusser Ostsee oder dem Geiseltalsee? Welche Ortschaften verschwanden nahezu spurlos und inwiefern ist die Flutung von Tagebaurestlöchern eigentliche eine nachhaltige Lösung?
Der Begriff Kohle kann auch als Geld verstanden werden. Auch dieses spielt im Strukturwandel eine wichtige Rolle und wirft Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen auf. Denn viel Geld fließt durch komplizierte Förderkonstrukte in die Regionen. Aber bei wem kommt dieses Geld wirklich an und inwiefern sind junge Menschen in Entscheidungen darüber oder auch in die Auswirkungen involviert? Wie profitieren sie von der (angestrebten) Entwicklung der Regionen, und warum verlassen insbesondere viele junge Frauen diese?
WANDEL
Auch wenn der Wegfall gut bezahlter Jobs in der Kohleindustrie für viele problematisch ist – für den Klimaschutz und damit auch für unsere menschliche Zukunft ist der Ausstieg aus dieser Technologie, besser heute als morgen, absolut notwendig und unabdingbar. Und schon jetzt weist vieles eher auf einen Mangel an Fachkräften denn an Arbeitsplätzen hin.
Der Wandel hat längst begonnen. Uns war und ist es wichtig, die Veränderungen auch als Chance zu begreifen – für sozial und ökologisch sowie zukunftsweisende Entwicklungen vor Ort, die dem guten Leben für alle einen kleinen Schritt näherkommen. Für Möglichkeiten, mitzugestalten, dabei (kollektive) Selbstwirksamkeit zu erleben und Mut zu schöpfen.
PERSPEKTIVEN
In kreativen Workshops haben wir uns im Projekt sowohl mit persönlichen Perspektiven wie auch mit potenziellen Entwicklungsmöglichkeiten für die Städte und Regionen auseinandergesetzt.
Wie will ich selbst persönlich (mit-)wirken? Wie sieht meine Utopie für meine Stadt aus? Welches „Handwerkszeug“ braucht es dazu? Wo lässt sich dieses aneignen? Wie lassen sich Mitstreitende motivieren? (…)
Die Perspektiven im Osten, der – ebenso wie nahezu die gesamte Bundesrepublik – weiter nach rechts außen driftet, sind nicht rosig. Ökonomische und soziale Herausforderungen, auch in Bezug auf die demographische Entwicklung, verbleiben. Geschichten von Marginalisierung, Traumata und Kämpfen nach Gehör sind uns ebenso begegnet. Perspektiven nach vorn, ohne frustrierende Erfahrungen schlicht zu verdrängen, erscheinen uns konstruktiv.
Und letztlich zu nennen ist auch unsere eigene ganz konkrete Perspektive im Projekt: Die Aktivitäten gehen weiter. Mit RevierUPGRADE 2.0 werden wir auch weiterhin in Halle (Saale) im Mitteldeutschen Revier sowie in Cottbus im Lausitzer Revier tätig sein. Bewährte Aktivitäten werden fortgesetzt und ausgebaut, andere Formate werden angepasst bzw. kommen neu dazu.
Infos dazu folgen zeitnah, stay tuned! Vorweg können wir schon verraten, dass das Thema Wasser und Wassergerechtigkeit einen größeren Stellenwert einnehmen wird.
Vier Jahre KlimaVisionen: 70 Berliner Schulen zeigen, wie Klimaschutz geht

02. September 2025
Nach vier intensiven Projektjahren endet das Projekt „KlimaVisionen – Wege zur klimaneutralen Schule in Berlin“. 70 Schulen aus allen Berliner Bezirken haben jeweils eine eigene Roadmap (Maßnahmenfahrplan) zur Klimaneutralität entwickelt und konkrete Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen umgesetzt. Jetzt braucht es eine Anschlussfinanzierung, um die Schulen auch weiterhin wirkungsvoll zu unterstützen und zugleich neue Schulen auf ihrem Weg zu begleiten, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und gemeinschaftliche Aktionen zu initiieren.
Schulen als Impulsgeber für Klimaneutralität
Der Handlungsdruck ist enorm: Um Berlins Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen, braucht es deutlich mehr konkrete Maßnahmen – insbesondere in öffentlichen Einrichtungen. Schulen nehmen hier eine zentrale Rolle ein. Die im Projekt entwickelten Roadmaps zeigen eindrucksvoll, wie Schulen strukturell und pädagogisch wirksam Emissionen einsparen – und zugleich als Vorbild für andere Institutionen agieren können.
Was gut lief – und was bleibt
Im Rahmen des Projekts wurden nicht nur Zukunftsvisionen entwickelt, sondern greifbare Veränderungen angestoßen. Besonders die strukturelle Verankerung von Klimaschutz durch Klimaparlamente, wie etwa an der Friedrich-Ebert-Oberschule, gehören zu den Highlights des Projekts.
Zudem führte die Projektteilnahme zu intensivem Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen. Hier werden nicht nur Kontakte geknüpft, sondern auch die konkrete Projektplanung vorangetrieben. Im Anschluss tragen die Teilnehmenden die wieder aufgefrischte Motivation zurück in ihre Schulgemeinschaft. Im Verlauf des Projekts haben sich als besonders wirksam herauskristallisiert:
- Die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern
- Die Kooperation von Teams innerhalb der Schule und die Einbindung z.B. der Gesamtkonferenz
- Die nachhaltige, strukturelle Verankerung der Bemühungen und Klimaschutzaktionen z.B. durch ein Klimaparlament oder eine Klima-AG
- Die Festlegung von realistischen Zielen und die Priorisierung wirkungsvoller Maßnahmen
Klimaschutz braucht strukturelle Verankerung
Die Erkenntnisse der projektbegleitenden Evaluation zeigen deutlich: Für eine nachhaltige Umsetzung braucht es verbindliche Strukturen und politische Rückendeckung. Viele Maßnahmen wurden bislang freiwillig und zusätzlich zur regulären Arbeit umgesetzt. Ohne genügend Zeitressourcen, koordinierende Stellen und angemessener Anerkennung bleibt es beim Engagement Einzelner. Daher fordert das UfU an jeder Schule eine feste Koordinierungsperson für Klimaschutz und Klimaanpassung, die Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Vordergrund rückt.
Darüber hinaus braucht es eine intensivere Begleitung durch externe Partner, um engagierte Lehrkräfte entlasten zu können, sowie eine stärkere Vernetzung mit Bezirksämtern und Kommunen. Denn dort, wo gute Ansprechpersonen vorhanden waren, konnten Schulen ihre Roadmaps deutlich schneller umsetzen.
Klimaaktionen umsetzen motiviert und stärkt Selbstwirksamkeit
Die Erfahrungen im Projekt zeigen deutlich: Effektiver Klimaschutz an Schulen braucht eine Balance zwischen sichtbaren, direkt emissionsvermeidenden Maßnahmen und der Bewusstseinsbildung im Schulalltag. So kann die Gestaltung von Hochbeeten ein erster Erfolg sein, um Momentum zu gewinnen und mit Motivation auch die schwierigeren Themen anzugehen. Wie etwa: Wie gelingt es die Schulgemeinschaft zu mobilisieren? Wie kann die energetische Sanierung der Schulgebäude auf die Agenda von Entscheidungsträger*innen gesetzt werden? Wie kann effektiver Hitzeschutz etabliert werden?
Auch die sogenannte „Attitude-Behavior-Gap“ (Kollmuss & Agyeman, 2002) zeigt sich deutlich: Lehrkräfte erleben Klimaschutz besonders dann als sinnvoll, wenn sie selbstwirksam handeln können – nicht nur, wenn Themen im Unterricht behandelt werden.
Wie geht es nun weiter?
Nach Projektende liegt die Umsetzung der Roadmaps bei den Schulen selbst. Viele engagieren sich weiterhin mit großer Motivation – nicht zuletzt dank der entstandenen Netzwerke. Doch es braucht klare politische Signale, dass die Klimaziele Berlins ernst genommen werden. Das bisher Erreichte wird ohne nachhaltige strukturelle Förderung und zentrale Unterstützung nicht dauerhaft Bestand haben.
Das UfU sucht aktiv nach neuen Fördermöglichkeiten, um das erfolgreich und mehrfach ausgezeichnete Modellprojekt fortzusetzen und weitere Schulen und auch andere Bildungseinrichtungen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten.
Das Projekt „KlimaVisionen“ zeigt: Klimaschutz an Schulen wirkt – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Damit Berlin seine Ziele erreicht, braucht es neben engagierten Lehrkräften und motivierten Schüler*innen vor allem auch den politischen Willen, Schule neu zu denken: als echten Lern- und Gestaltungsort für eine klimaneutrale Zukunft.
Weitere Informationen, Materialien und die Handreichung „Schulen als Impulsgeber für Klimaneutralität in Städten – Die Vision einer klimaneutralen Schule“ finden Sie hier.
FutureLab – Energie trifft Kreativität: Jugendliche gestalten ihre Zukunft im Jugendbildungszentrum Blossin
26. August 2025
Wie kann eine nachhaltige Zukunft aussehen – und welche Rolle können junge Menschen dabei spielen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Ferienfreizeit „FutureLab – Energie trifft Kreativität“, die vergangene Woche im Jugendbildungszentrum Blossin stattfand. Mit Unterstützung von Muriel Neugebauer und Matthias Laminski aus dem Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) setzten sich Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren auf kreative, praxisnahe und partizipative Weise mit den Themen Klimaschutz, Energie und Zukunftsgestaltung auseinander.
Ziel des Projekts war es, Jugendlichen Raum zu geben, eigene Ideen für eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln – und gleichzeitig erfahrbar zu machen, dass ihr eigenes Handeln einen Unterschied machen kann. Dabei stand die Verbindung von interaktiven Lernspielen, praktisch-kreativen Methoden, und gemeinschaftlichen Erfahrungen im Mittelpunkt.
Zu den Programmpunkten gehörten eine Klimarallye, eine interaktive Ausstellung zur Energiewende, eine Visionswerkstatt zur künstlerischen Gestaltung eigener nachhaltiger Zukunftsideen sowie ein Segeltörn mit dem Team-Kutter, bei dem Windkraft direkt erlebbar wurde.

Beim Fahrradkino erzeugten die Jugendlichen ihren eigenen Strom – und reflektierten spielerisch den Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und -erzeugung. Eine Exkursion ins energieautarke Dorf Feldheim rundete die Woche ab und zeigte anhand eines realen Beispiels, wie nachhaltige Energieversorgung funktionieren kann.
Warum ist das wichtig? Die Freizeit stärkt nicht nur das Umweltbewusstsein der Jugendlichen, sondern auch ihre Selbstwirksamkeit: Sie erleben konkret, dass nachhaltige Ideen entwickeln und Mut zum eigenen Handeln Wirkung haben und etwas bewegen kann.
Projektbetreuende Muriel Neugebauer betont:
„Wir wollten mit dem FutureLab einen Raum schaffen, in dem junge Menschen spielerisch, kreativ und gemeinschaftlich über ihre Zukunft nachdenken – und gleichzeitig ganz konkrete Erfahrungen zu Fragen nachhaltiger Energie sammeln. Die Freude und das Engagement der Teilnehmenden haben uns gezeigt, wie wichtig und wirksam solche Formate sind.“
Ganz praktisch zeigt das Projekt, dass Nachhaltigkeitsbildung am besten funktioniert, wenn sie aktiv, partizipativ und lebensnah gestaltet wird und dass Jugendliche ein tieferes Verständnis für komplexe Themen wie die Energiewende entwickeln, wenn sie durch Erleben, Gestalten und Reflektieren lernen.
Wie geht es weiter?
Die positiven Rückmeldungen von Jugendlichen, Eltern und dem pädagogischen Team zeigen: Das FutureLab hat Zukunft. Eine Fortsetzung der Ferienfreizeit ist für den Sommer 2026 bereits in Planung.





























































