UfU fordert die Aussetzung der Räumung von Lützerath

© Tim Wagner, https://www.ti-wag.de/

12.01.2023

UfU fordert die Aussetzung der Räumung von Lützerath

Das Unabhängige Institut für Umweltfragen e.V. (UfU) mahnt die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen (NRW) und den Energiekonzern RWE an, die Räumung von Lützerath zu stoppen und neu zu verhandeln. Lützerath ist längst zum Symbol verfehlter Klimapolitik der letzten Jahre geworden.

„Um ein auf Deutschland heruntergerechnetes Treibhausgasbudget einzuhalten, welches einer Beschränkung der globalen Erhitzung auf maximal 1,5°C mit einer Einhaltungswahrscheinlichkeit von 50 % entspricht, dürfen aus den Tagebauen Hambach und Garzweiler II ab Januar 2021 noch maximal 200 Millionen Tonnen Braunkohle für die Kohleverstromung und -veredelung gefördert werden.“[1] So lautet der einleitende Satz einer Studie aus dem Jahr 2021 vom Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der Technischen Universität Berlin (TU Berlin), der Europa-Universität Flensburg und des Zentrums für nachhaltige Energiesysteme Flensburg.

Längst ist die Lage um Lützerath diffus geworden und verschiedene Studien kämpfen um die Deutungshoheit über die geplante Erschließung von Lützerath. Klar ist: Das Vertrauen der Umweltbewegung in die Klimapolitik der Bundesregierung hat schon jetzt erheblichen Schaden genommen. Das Abbaggern von Dörfern für die Braunkohleförderung im Jahr 2023 steht symbolhaft für die Verfehlung der Klimaziele in Deutschland. Auch wenn die Landesregierung von RWE mit ihrer in Auftrag gegebenen Studie von NRW.Energy4Climate und BET[2] belegen möchte, dass die Braunkohle unter Lützerath für die Versorgungssicherheit benötigt wird, geht mit der Erschließung des Dorfes und der Räumung durch Hundertschaften der Polizei ein so erheblicher Schaden an der Klimapolitik der Bundesregierung einher, dass diese aktuell nicht fortgeführt werden sollte.

Neben einer Gegenstudie des DIW, TU Berlin und der Europa-Universität-Flensburg die belegt, dass die Braunkohle unter Lützerath für die Versorgungssicherheit nicht benötigt würde[3] und viel öffentlicher Kritik an der Studie von NRW.Energy4Climate und BET[4], wiegt vor allem der Vorwurf, die Landesregierung würde vorrangig Konzerninteressen von RWE vertreten schwer. Die Erschließung von Lützerath und der Kohlekompromiss mit der Bundesregierung sind für den Energiekonzern ein Milliardengeschäft.[5]

Als wissenschaftliches Institut, dass sich stets für die Energiewende und Beteiligung der Zivilgesellschaft an politischen Prozessen eingesetzt hat unterstützen wir den Aufruf der Scientists for Future Deutschland zum Moratorium für die Räumung[6] und fordern eine Neuevaluierung der Situation. Das Abbaggern von Lützerath kann nicht mehr ohne einen Gesichtsverlust der Landesregierung von NRW geschehen und fügt dem Vertrauen der jüngeren Generationen in die Politik der Landes- und Bundesregierung erheblichen Schaden zu. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen muss klar verständlich die absolute Notwendigkeit und den Mangel an Alternativen zur Erschließung von Lützerath aufzeigen, bevor die Räumung fortgesetzt wird.

Als Mitgliedsinstitut der Klima Allianz Deutschland schließen wir uns dem Aufruf zur Demonstration am 14. Januar 2023 an, um die Räumung von Lützerath zu verhindern. Infos zur Demonstration sind zu finden unter: https://www.klima-allianz.de/veranstaltungen/detail/demo-auf-nach-luetzerath-raeumung-verhindern-fuer-kohleausstieg-und-klimagerechtigkeit

Quellen:

[1] Castharina Rieve et al. 2021, Kein Grad weiter – Anpassungen der Tagebauplanung im Rheinischen Braunkohlerevier zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze

[2] Kurzgutachten zur Ermittlung des Braunkohlebedarfs bei einem Kohleausstieg bis 2030 im rheinischen Revier, 2022

[3] Philipp Herpich et al., 2022, Gasknappheit: Auswirkungen auf die Auslastung der Braunkohlekraftwerke und den Erhalt von Lützerath

[4] Deutschlandfunk, 2023, Der Streit um die Kohle in Lützerath

[5] Catiana Krapp, Arno Schütze, 2022, RWE verdient kräftig am Weiterbetrieb von zwei Braunkohleblöcken, Handelsblatt

[6] Scientists for Future Deutschland, 2023, Offener Brief: Ein Moratorium für die Räumung von Lützerath

Die Stellungnahme als PDF

Klimaschutz- und Energieprojekt an Oranienburger Schulen zum Schuljahr 2022/23

16. Dezember 2022

Klimaschutz- und Energieprojekt an Oranienburger Schulen zum Schuljahr 2022/23 gestartet

Pünktlich zu Beginn der Heizperiode im Schuljahr 2022/23 startet das auf 3 Jahre angelegte Klimaschutz- und Energieprojekt an Oranienburger Schulen gleich an 9 teilnehmenden Einrichtungen.

Berlins großer nördlicher Nachbar setzt damit ein wichtiges Zeichen zur richtigen Zeit, um Schulen mit pädagogischen Aktivitäten und technischen Optimierungsmaßnahmen fit zu machen für einen langen Energiesparwinter. Außerdem haben die Schulen die Möglichkeit, durch Vermittlung von Wissen im Rahmen der Schüler*innen-Workshops, Hausmeister- und Lehrkräfteschulungen unmittelbar praktisches und alltagstaugliches Energiesparwissen zu erhalten und auf diesem Wege eine nachhaltigere Zukunft einzuleiten.

Auf Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung im Jahr 2021 soll mit dem Projekt die gesamtgesellschaftliche Relevanz der Themen Klimaschutz und Energie besser in den schulinternen Abläufen und Lehrplänen verankert und darüber in die Bevölkerung getragen werden. Federführend für die Planung und Umsetzung ist das Klimaschutzmanagement der Stadt Oranienburg, welches die sektorübergreifende Klimaneutralitätsstrategie der Stadt in Abstimmung mit den beteiligten Ressorts koordiniert und umsetzt.

Das Schulprojekt ist Teil dieser Strategie, die neben Schulen und Kitas auch die Energieversorgung für Verwaltungsgebäude, Privathaushalte und Gewerbe sowie auch die Verkehrssituation und das Abfall- und Ressourcenmanagement in den Blick nimmt. Damit ist das Projekt ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur klimaneutralen Verwaltung und Stadtgesellschaft.

Neben der ursprünglichen Motivation aus den Schulen heraus, Nachhaltigkeitsthemen stärker in den Fokus zu rücken, soll auch ein Prämienmodell als Anreizsystem dienen.

Teilnehmende Einrichtungen:

  • Comenius Grundschule
  • Havelschule Grundschule
  • Waldschule Grundschule
  • Grundschule Friedrichsthal
  • Grundschule Germendorf
  • Grundschule „Friedrich-Wolf“ Lehnitz
  • Grundschule Sachsenhausen
  • Neddermeyer-Grundschule Schmachtenhagen
  • Jean-Clermont-Schule

Projektablauf

Bereits im abgelaufenen Schuljahr 2021/22 erfolgte die Abstimmung zwischen der Klimaschutzmanagerin der Stadt Oranienburg und dem UfU bzgl. Termin- und Ablaufplanung, Konkretisierung der Inhalte und Methoden sowie der teilnehmenden Schulen.

Zu Beginn des Schuljahres 2022/23 wurden dann alle Schulen über den Start des Projekts informiert, während gleichzeitig die Vorbereitungen liefen, sodass die tatsächlichen Auftakttermine, Energierundgänge und Schüler*innenworkshops pünktlich nach den Herbstferien beginnen konnten.

Ziele

  • Initiieren und Begleiten von Unterrichtsprojekten, die das Ziel haben das Energiebewusstsein von Schüler*innen, Kindern, Lehrkräften und Erzieher*innen, und Hausmeister*innen zu steigern
  • Initiieren von pädagogischen Projekten zum Thema Energie und Energie sparen an Kitas und in Horten
  • Die Notwendigkeit des Klimaschutzes verständlich machen
  • Aufzeigen von Energiesparpotenzialen
  • technische Energiespar-Optimierungen

Weitere Bestandteile sind

  • Technische Energieberatung vor Ort
  • Hausmeisterschulung
  • Lehrkräfteschulung
  • Feierliche Jahresveranstaltung

Kontakt
Oliver Ritter

Laufzeit
09/2022 – 08/2025


Energiespartipps für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte in Berlin

15. Dezember 2022

Download der Lehrmaterialien

Energiespartipps für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte in Berlin

Berlin spart Energie! Die Berliner Schulen, Schüler*innen und Lehrkräfte sind dabei, um im Energiesparwinter 2022/23 ihren Beitrag zur Senkung der Erdgasverbrauch zu leisten. In Zusammenarbeit mit dem UfU hat die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wichtige Infomaterialien mit Energiespartipps entwickelt, um allen dabei zu helfen, gesund und energieeffizient durch den Herbst und Winter zu kommen.

„Wie heizen wir richtig im Klassenraum? Wie hilft das Lüften beim Energiesparen? Was können wir zusätzlich tun, um Energie zu sparen? Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat mit fachlicher Unterstützung des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen drei digitale Publikationen erstellt, die kinder- und jugendgerechte Energiespartipps für die Schulen enthalten.“[1]

„Astrid-Sabine Busse, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie: „Wir geben unseren Schulen mit den drei digitalen Publikationen nun ganz praktische Tipps zum Energiesparen an die Hand – rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreszeit. Das geschieht zum einen, um möglichen Energieengpässen ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu begegnen. Zum anderen zeigen wir damit einmal mehr, wie wichtig uns die Themen Klimabildung und Nachhaltigkeit an Schulen sind.“[2]

Nicht erst durch den Russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gibt es großen Handlungsbedarf, Gas und Energie einzusparen. Auch aufgrund der Klimakrise und den damit verbundenen Folgen ist es notwendig, dass Deutschland die Transformation zu einem klimaneutralen Land vorantreibt. Zur Abmilderung des Klimawandels und Verhinderung einer Klimakatastrophe haben sich deshalb im Rahmen des Pariser Klimaabkommens 150 Staaten darauf geeinigt, die Erderwärmung auf höchstens 2 °C,  möglichst sogar unter 1,5 °C zu beschränken.[3] Um seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, hat sich Deutschland mit dem verschärften Klimaschutzgesetz von 2021 dazu verpflichtet, stufenweise bis 2045 klimaneutral zu werden. So sollen z.B. bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 65 % vermindert werden und der Bruttostromverbrauch zu 65 % aus erneuerbaren Energien stammen. Außerdem sollen bis spätestens zum Jahr 2038 die letzten Kohlekraftwerke vom Netz genommen und stillgelegt werden.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Aktuell bezieht Deutschland immer noch 83 % seiner Primärenergie aus fossilen Energiequellen.[4] Zwar wird seit 1990 weniger Stein- und Braunkohle verbraucht (Anteil zusammen bei 18 %), gleichzeitig steigt aber der Verbrauch von Gas auf einen Anteil von mittlerweile 27 % am Primärenergieverbrauch. Hierzu gehört vor allem Erdgas, das hauptsächlich für die Industrie sowie für die Wärme- und Stromerzeugung in Haushalten und Gewerbe genutzt wird.[5]

Der hohe Bedarf an Erdgas bringt Deutschland und seine Europäischen Nachbarn aufgrund seiner hohen Importabhängigkeit aus Russland und den kriegsbedingten Lieferausfällen in akute Bedrängnis. Langfristig müssen ökologische Alternativen zu Erdgas, wie z.B. Geothermie, Solarthermie, Windenergie und Wasserstoff gefunden werden und ihre Produktion ausgebaut werden. Kurzfristig ist aber schnelles Handeln der Deutschen und Europäischen Regierungen erforderlich, Erdgas statt aus Russland, künftig aus anderen Staaten zu beziehen sowie Erdgas generell einzusparen. Damit dies gelingt, müssen alle Sektoren in Deutschland ihren Energieverbrauch deutlich reduzieren. Auch Schulen als öffentliche Institution und aufgrund ihrer gesellschaftlichen Vorbildswirkung haben eine Verantwortung, ihren Beitrag zum Energiesparen zu erbringen.

Nach aktuellem Stand könnte die Sicherstellung der Gasversorgung in Berlin sowie in ganz Deutschland mit großen finanziellen Belastungen für die öffentlichen Kassen aber auch für die privaten Haushalte verbunden sein.[6] Je größer hingegen unsere Bemühungen zum Einsparen von Erdgas bei der Wärme- und Stromversorgung sind, desto eher können diese zusätzlichen Belastungen in Ihrer Höhe begrenzt werden.

In Deutschland verbrauchen 42.660 Schulen[7] etwa 50 TWh[8] Energie zum Heizen, für Warmwasser sowie für Strom für Beleuchtung und elektrische Geräte. Sie gehören damit zu den größten Verbrauchern der öffentlichen Hand. Im Durchschnitt verbraucht eine Schule bis zu 1.000.000 kWh Wärme und 100.000 kWh Strom.[9] Das entspricht nach aktuellen Preisen[10] Heizkosten von 60.000 EUR und Stromkosten von 23.000 EUR.[11] Auch im Hinblick auf Treibhausgasemissionen stellen Schulen eine relevante Größe dar. Zusammen erzeugen alle Deutschen Schulen schätzungsweise 12 Mio. Tonnen Kohlenstoffdioxid und andere Treibhausgase, was einem Anteil von 10 % aller Gebäudeemissionen entspricht. Schulen haben damit einen großen ökologischen Fußabdruck und müssen daher dringend und schnellstmöglich für die klimaneutrale Zukunft fit gemacht werden.

Die 939 Berliner Schulen[12] heizen größtenteils mit Erdgas oder Fernwärme. Die Fernwärme wiederum wird zu 73,9 % aus Erdgas erzeugt.[13] 5 von 9 Heizkraftwerken der Stadt nutzen Erdgas als Energieträger.[14] Daraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit, die Energieverbräuche von Schulen zu senken.

Energie sparen lässt sich recht schnell und einfach mit einem Mix aus praktischen Maßnahmen und pädagogischem Unterricht zur Verhaltensänderung. Eine direkte Maßnahme, die in fast allen Schulen durchgeführt werden kann, ist das Anpassen der Heizungsanlage gemeinsam mit den Hausmeisterinnen und Hausmeistern. Die meisten Schulen sind auch heute im Jahr 2022 viel zu warm – im Schnitt 2-3 °C.[15] Dabei senkt jedes eingesparte Grad Celsius den Energieverbrauch um 6 %. Die Schülerinnen und Schüler können dabei auch selber die Energiesparmaßnahmen unterstützen. Beispielsweise können sie im Rahmen des Unterrichts oder in Energiesparworkshops verschiedene Messgeräte zur Durchführung von Energierundgängen nutzen, um Energieverschwendung zu identifizieren und Einsparpotentiale zu entdecken. Das Einsparpotential ist enorm. Dabei bedeutet Energiesparen keineswegs, dass von nun an im Kalten und Dunklen unterrichtet werden soll oder sämtliche Geräte wie Smartboards oder Computer nicht mehr verwendet werden dürfen. Im Gegenteil: Richtig gelüftete und beheizte Räume tragen zur besseren Lernatmosphäre bei und fördern die Gesundheit.

Abbildung: Endenergieverbrauch an Schulen – Berechnungen aus Fifty-Fifty-Energiesparprojekt

Auftraggeber: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

Pressemitteilung SenBJF: https://www.berlin.de/sen/bjf/service/presse/pressearchiv-2022/pressemitteilung.1269911.php

Download-Bereich SenBJF: https://www.berlin.de/sen/bjf/aktuelles/energie-sparen/

[1] Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Forschung, <https://www.berlin.de/sen/bjf/service/presse/pressearchiv-2022/pressemitteilung.1269911.php> , (Stand: 14.12.2022).

[2] Quelle: ebd.

[3] Quelle: <https://www.bmuv.de/themen/klimaschutz-anpassung/klimaschutz/internationale-klimapolitik/pariser-abkommen> (Stand: 28.09.2022).

[4] Angabe einschl. Kernenergie. Quelle: Umweltbundesamt Basis Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (2022): Primärenergieverbrauch, <https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/primaerenergieverbrauch#primarenergieverbrauch-nach-energietragern> (Stand: 28.09.2022).

[5] Quelle: Umweltbundesamt (2022): Energieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren, < https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren#entwicklung-des-endenergieverbrauchs-nach-sektoren-und-energietragern> (Stand: 28.09.2022).

[6] Quelle:<https://www.tagesschau.de/wirtschaft/fernwaerme-gasumlage-gaspreise-muellheizkraftwerke-versorger-101.html> (Stand: 28.09.2022).

[7] Quelle: Statistisches Bundesamt.

[8] Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Erfahrungen aus den fifty-fifty-Energiesparprojekten des UfU und ifeu Instituts.

[9] Quelle: Erfahrungen aus den fifty-fifty-Energiesparprojekten des UfU und ifeu Instituts.

[10] Beispieltarife kommunaler Liegenschaften vor Einsetzen der krisenbedingten Preissteigerungen.

[11] Quelle: Erfahrungen aus den fifty-fifty-Energiesparprojekten des UfU und ifeu Instituts.

[12] Quelle: <https://www.berlin.de/berlin-im-ueberblick/zahlen-und-fakten/> (Stand: 28.09.2022).

[13] Quelle: eigene Berechnung auf Basis von <https://group.vattenfall.com/de/energie/kraftwerke> (Stand: 28.09.2022).

[14] Quelle: <https://group.vattenfall.com/de/energie/kraftwerke> (Stand: 28.09.2022).

[15] Quelle: Erfahrungen aus den fifty-fifty-Energiesparprojekten des UfU.


There can be no climate justice without human rights

14. November 2022

“There can be no climate justice without human rights”

 

Vom 6. bis 18. November 2022 findet die diesjährige Weltklimakonferenz (COP 27) in Scharm El-Scheich, Ägypten statt. Mit Ecoaction, Censat Agua Viva und BUND/Friends of the Earth Germany sind auch Projektpartner und befreundete Organisationen des UfU vor Ort anwesend, um Entscheidungsträger*innen an die Notwendigkeit globaler Klimagerechtigkeit zu erinnern.

Die Klimakonferenz findet unter der Schirmherrschaft der ägyptischen Regierung statt. Diese hat in den letzten Jahren nicht nur immer wieder Klimaschutzstrategien vorgelegt, welche als „höchst unzureichend” zur Erreichung des globalen 1,5°C Ziels zu bewerten sind[1], sondern auch die Möglichkeiten zu politischen Teilhabe von zahlreichen zivilgesellschaftlicher Akteuren immer weiter eingeschränkt.

Dieses Thema tritt auch auf der COP 27 zutage: Vertreter*innen der klimabewegten Zivilgesellschaft in Scharm El-Scheich berichten von repressiven Maßnahmen gegen zivilgesellschaftliche Akteur*innen, einer permanenten, staatlichen Überwachung, von stark eingeschränkten Möglichkeiten, sich zu organisieren, einer massiven Einschränkung der Meinungsfreiheit und Verhaftungen von Aktivist*innen. Auch auf der Konferenz selbst sind Demonstrationsmöglichkeiten stark eingeschränkt und bestimmten Regeln unterworfen.

Diese Entwicklung ist hoch problematisch. Projekte wir unser ZIVIKLI-Projekt zeigen, dass Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen erfolgreicher sind, wenn sie an die Bedürfnisse der Menschen vor Ort angepasst sind. Kommuniziert werden diese Bedürfnisse vor allem durch Nichtregierungsorganisationen sowie soziale und ökologische Bewegungen. Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Entscheidungsträger*innen und der Bevölkerung. Sie tragen Forderungen verschiedenster Bevölkerungsgruppen in offizielle Entscheidungsgremien wie z.B. die Klimaverhandlungen hinein, und setzen sich für deren Berücksichtigung bei der Entwicklung und Durchführung von Maßnahmen ein. Damit trägt die klimabewegte Zivilgesellschaft als „Watchdog“ dazu bei, die Ambition von klimapolitischen Maßnahmen zu erhöhen und deren Umsetzung zu überprüfen.

All dies ist jedoch nur möglich, wenn zivilgesellschaftliche Organisationen in einem Umfeld arbeiten können, dass sie an der Ausübung dieser Tätigkeiten nicht behindert. Garantierte Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten sind die Grundpfeiler für solch einen offenen zivilgesellschaftlichen Raum.

Im Kontext der Klimakrise und des eingeschränkten zivilgesellschaftlichen Raumes in Ägypten ist es wichtiger denn je, Stimmen aus der Zivilgesellschaft Gehör zu schenken. Das UfU möchte deshalb auf die Egyptian Human Rights Coalition on COP27 hinweisen, ein Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Organisationen, welche auf die Notwendigkeit eines offenen und freien zivilgesellschaftlichen Raumes für die Erreichung von globaler Klimagerechtigkeit aufmerksam machen.

[1] https://climateactiontracker.org/countries/egypt/


UfU gibt Interview in MDR Wissen zum Götterbaum

08. November 2022

Der Götterbaum, mit fachspezifischem Namen Ailanthus altissima genannt, gehört zu einer von vielen invasiven Arten in Deutschland. Diese Arten sind gebietsfremd, das heißt sie wurden eingeschleppt und verdrängen die heimische Flora und Fauna. Damit sind invasive Arten eine große Gefahr für die Biodiversität. Werden, besonders in fragilen Ökosystemen, bestimmte Arten durch invasive Pflanzen verdrängt, kann dies zu Kettenreaktionen und zum Zusammenbruch ganzer Ökosysteme führen.

Unser wissenschaftliche Mitarbeitern Vivian Ryll hat im MDR Wissen ein Interview zum Götterbaum gegeben.

Ist der Götterbaum der Baum der Zukunft? - MDR Wissen

Allgemeine Informationen

Unionsliste der Verordnung (EU) 1143/2014 seit 25.7.2019,

Schwarze Liste (Managementliste) Sachsen-Anhalt Steckbrief

Verbreitungskarte (Atlas)

Lebensräume: Siedlungen, Straßenränder, Bahngleise, Brachen, Halbtrockenrasen, Felsen, Waldsäume, Uferwälder

problematische Vorkommen: Halbtrockenrasen, Waldsäume, Uferwälder, Felsen

Bestimmungshilfe pdf 1,3 MB

Steckbriefe/Factsheets: neobiota.deWikipediaCABI Invasive Species Compendium (engl.)Infoflora.ch, Österreichischer Wasser- und AbfallwirtschaftsverbandUmweltbundesamt

Der Götterbaum - Artenportrait

Das UfU beschäftigt sich seit Jahren mit der Ausbreitung von invasiven Arten in Deutschland. Hauptaugenmerk unserer Forschung ist dabei die die genaue Kartierung über die Ausbreitung dieser Arten. Außerdem entwirft das UfU Maßnahmenkataloge zur Bekämpfung von invasiven Neophyten und bildet Hunde und ihre Halter*innen zu Spürhundeteams aus.


UfU und IASS veröffentlichen Enabling Policies Report

19. Oktober 2022

UfU und IASS veröffentlichen Enabling Policies Report

Konkrete Vorschläge zur Umsetzung einer fairen Energiewende

Die Herausforderung der Transformation

Durch den fortschreitenden Klimawandel und den damit verbundenen Transformationsprozessen stehen heutige Gesellschaften vor enormen Herausforderungen. Neben der Mobilitätswende und dem Strukturwandel anderer Industriezweige hängt das Erreichen von vereinbarten Klimaschutzzielen vor allem vom Gelingen der Energiewende ab.

Dass die Energiewende eine umfangreiche Transformation unserer Energienetze, Stromerzeugung und Speicherung benötigt und damit natürlicherweise eine Herausforderung darstellt, wird von einigen Steakholdern als Argument gegen die klimafreundliche Transformation der Energieversorgung genutzt. Zu Unrecht: Unser Policies Report zeigt, dass sich der Kraftakt Energiewende nicht nur klimatechnisch, sondern auch finanziell, sozial und ökonomisch lohnt.

Die Energiewende hat positive Nebeneffekte

Es wird in Zukunft von zentraler Bedeutung sein, ob  die Energiewende sozial fair gestaltet wird. Nur dann kann Wandel dauerhaft zu Akzeptanz in der Bevölkerung führen. In unserem COBENEFITS Projekt haben wir deswegen untersucht, inwiefern die Umstellung auf eine nachhaltige Energieversorgung durch erneuerbare Energien positive Nebeneffekte auf andere Wirtschafts- und Gesellschaftszweige hat und wie diese genutzt werden können. Ein „Mehr“ an Erneuerbaren Energien kann beispielsweise geringe Luftverschmutzung, mehr Energiesicherheit und zukunftssichere Arbeitsplätze bedeuten.

Wenn die Energiewende mit kluger Gesetzgebung und guten Richtlinien einhergeht, dann können diese positiven Nebeneffekte, noch verstärkt und fair unter den Bevölkerungsgruppen verteilt werden. Eine zentrale Erkenntnis des Projekts ist: Die Cobenefits (und somit z.B. Einsparungen) entstehen meistens außerhalb des Ressorts, welches für die Planung der Energiewende verantwortlich ist und somit anfangs einen Mehraufwand hat. Deswegen ist es in Zukunft essentiell, dass Behörden ressortübergreifend zusammenarbeiten.

Der Enabling Policies Report

Um die Energiewende gegen kritische Gegenstimmen aus der eigenen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verteidigen zu können, ist es für viele Länder von zentraler Bedeutung, die oben aufgeführte Argumentation der positiven Nebeneffekte mit wissenschaftlichen Studien zu unterlegen. Dies ist im COBENEFITS Projekt geschehen.

Der COBENEFITS Enabling Policies Report ist der offizielle Abschlussreport des Projekts. Er gibt einen Überblick über politische Maßnahmen, die ein hohes Potenzial haben, den Zusatznutzen von erneuerbaren Energien im Stromsektor fair auszuschöpfen. Der Bericht fasst Erkenntnisse und Empfehlungen aus fünf COBENEFITS Projektjahren und mehr als 15 Studien aus mehr als 7 Ländern zusammen. Somit ist er für politische Entscheidungsträger*innen, Forschende und Politikberatungen ein praktisches Werkzeug, um Klimaschutz und sozio-ökonomische Entwicklung in der Praxis zusammen zu denken.

Zum Report (PDF)Projektseite des COBENEFITS ProjektsCOBENEFITS Webseite

Infografiken

Weitere Infografiken zum COBENEFITS Projekt finden Sie hier: https://www.cobenefits.info/infographics-gallery-2/


Schulen als klimaneutrale Lernorte? - 24. Fachtagung Klimaschutz an Schulen

18. Oktober 2022

Schulen als klimaneutrale Lernorte?

24. Fachtagung Klimaschutz an Schulen

Auf der 24. Fachtagung zum Klimaschutz an Schulen wurde in diesem Jahr über die Transformation der Schule hin zur Klimaneutralität diskutiert. Die vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen jährlich organisierte Fachtagung ist eine der wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Klimaschutz in Verbindung mit Schule.

Gesellschaftliche Transformation muss auch in der Schule stattfinden

Die Schule ist ein zentraler Bestandteil im Leben junger Menschen in Deutschland. Kinder und Jugendliche verbringen zwischen zehn und dreizehn Jahre ihrer Jugend mit der Schule und arbeiten im Durchschnitt mehr als 38,5 Stunden pro Woche in oder für die Schule. Damit gleicht die Schule einem Vollzeitjob. Umso wichtiger ist es, dass zentrale gesellschaftliche Veränderungen auch in Schulen abgebildet werden, um Kinder und Jugendliche am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen und auf diese Entwicklungen vorzubereiten. Schulen sind Orte des Lernens und sollten in diesen Transformationsprozessen einen Vorbildfunktion einnehmen.

Dies gilt auch für die Forderung nach einer Umstellung unserer Wirtschaft und Gesellschaft auf Klimaneutralität. Schulen dürfen von dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen werden. Denn sie gehören allein aufgrund ihrer sehr hohen Anzahl zu den größten CO2-Emittenten öffentlicher Gebäude. Die Frage der Klimaneutralität ist also schon aus Verbrauchsgründen enorm wichtig, wenn die Länder ihre Klimaziele erreichen wollen.

Schulen benötigen Unterstützung

Wie entwickeln wir die Schule zum klimaneutralen Lernort? So lautete die Leitfrage der vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen organisierten 24. Fachtagung zum Klimaschutz an Schulen. Die Antwort ist in keinem Fall trivial, dass zeigt die Mischung der Teilnehmenden der Fachtagung. Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulbauberater*innen und Mitarbeitende der Bezirksämter und Verwaltungen bis hin zu Beauftragten aus den Umweltkoordinierungsstellen für Umweltbildung waren zu Besuch.

In einer Sache waren sich alle Teilnehmenden der Fachtagung einig: Schulen können und dürfen mit der Transformation zur Klimaneutralität nicht alleine gelassen werden. Dafür sind sie einfach zu komplex. Zahlreiche Faktoren wie Energieeffizienz der Gebäude, Schulweg, Schulhof, Energieversorgung, technische Ausstattung und viele weitere müssen bei der Transformation bedacht werden und erfordern technischen Sachverstand und Kreativität in Lösungsansätzen.

Gesamtheit der Ideen und Bildungsarbeit machen den Unterschied

Um den Weg zur klimaneutralen Schule zu bestreiten kommt es deswegen auf die Gesamtheit der Ideen für die verschiedenen Herausforderungen an. Verschiedene Initiativen präsentierten auf der Fachtagung ihre Lösungen zur Schulhofaufforstung, zu Balkonkraftwerken, Solarmodulen und zur schulische Mobilitäts- und Verkehrserziehung.

Letztere zeigt einen weiteren wichtigen Aspekt in der Transformation: Bildungsarbeit. Als zentraler Ort des Lernens für junge Menschen muss die Transformation der Schule auch in den Unterricht mit einfließen. So werden junge Menschen in die Entwicklung mit einbezogen und können die Veränderungen an der Schule nachvollziehen.

Initiativen die auf der Fachtagung vertreten waren


Neuer Film zu den UfU Energiesparprojekten an Schulen - Mit Kindern das Klima schützen!

Das UfU hat für seine langjährigen Energiesparprojekte einen neuen Film produzieren lassen. In diesem erklären wir, wie Energiesparprojekte an Schulen funktionieren und worauf es dabei ankommt. Am Ende ist ein wirklich schöner Film mit den Kindern entstanden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen, sind die Energiesparprojekte an Schulen wichtiger denn je!

26. September 2022

Neuer fifty/fifty Film – Energiesparen an Schulen

Seit 1996 führt das UfU Projekte zum Energiesparen an Schulen in Deutschland und international durch. Insgesamt haben über 3000 mit unterschiedlichsten Partnern an den Energiesparprojekten teilgenommen. In den Energiesparprojekten von fifty/fifty besuchen wir Schulen, um mit den Schüler*innen zu Themen wie Klima, Heizung, Strom, Energieverbrauch und Erneuerbare Energien zu arbeiten. Ziel ist dabei, dass die Verbräuche an den Schulen deutlich sinken. Dazu gibt es mehrere Unterrichtseinheiten, die beispielsweise im Rahmen des Sachkundeunterrichts durchgeführt werden. UfU-Mitarbeiter*innen besuchen die Schule und führen mit den Kindern Unterrichtseinheiten in verschiedenen Formaten durch.

News - Fifty Fifty

Kinder werden mit Messgeräten ausgestattet, besuchen die Heizungsanlage der Schule, messen Temperaturen, Licht und CO2-Konzentratio und begeben sich so auf einen Energierundgang in der eigenen Schule. Im Unterricht werden die Verbräuche der Schule besprochen und den Kindern die Wirksamkeit des eigenen Nutzerverhaltens auf diese Verbräuche klargemacht. Ziel ist dabei natürlich auch, dass die Kinder das Gelernte mit nach Hause nehmen und langfristig im eigenen Verhalten umsetzen. Außerdem motivieren die Schüler*innen durch schulinterne Öffentlichkeitsarbeit andere Mitschüler*innen zum Mitsparen. So werden früh Multiplikator*innen ausgebildet.

Die Energiesparprojekte werden gemeinsam mit der Schule und dem Schulträger, also Landkreis und Kommune durchgeführt. Denn durch die sinkenden Verbräuche sinken auch die Kosten beim Schulträger. Schulen erhalten einen Teil des eingesparten Geldes vom Schulträger zurück, um dieses frei verwenden zu können. Auf diese Weise entstehen positive Anreize für alle Beteiligten, die Verbräuche an der Schule so gut es geht zu senken. Die Einsparungen bei Energiesparprojekten liegen zwischen 4 – 15 Prozent.

Zu den Energiesparprojekten

Noch mehr zu fifty/fifty? Unser Projektflyer als PDF

Einsparerfolge in Potsdam als Beispiel:

Zeit Artikel: Wie die Lehrerin beim Heizen den Unterschied macht

Vor dem Hintergrund des aktuellen Gasnotstands, forderte das Berliner Institut, die Energiesparprogramme für alle Schulen in Deutschland zum Pflichtprogramm zu machen. Nun berichtet auch Frau Alexandra Endres (https://www.alexandraendres.de/) in ZEIT Online über die Energiesparprojekte: https://www.zeit.de/wissen/2022-08/energiesparen-schulen-erdgas-oeffentlicher-energieverbrauch

Zum Zeit Artikel

Zum Weltkindertag – Die Klimakrise ist auch eine Krise der Kinderrechte

ADB / Asian Development Bank

20. September 2022

Zum Weltkindertag – Die Klimakrise ist auch eine Krise der Kinderrechte

Die fortschreitende Umweltzerstörung inklusive des menschengemachten Klimawandels mindert die Lebenschancen unzähliger Menschen – insbesondere die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft sowie kommende Generationen sind betroffen. Der von UNICEF entwickelte Children´s Climate Risk Index (CCRI) zeigt dies auf schockierende Weise: Fast eine Milliarde Kinder – fast die Hälfte aller Mädchen und Jungen auf der Erde – leben in den 33 Ländern, welche durch Auswirkungen des Klimawandels „extrem stark gefährdet“ sind [1;2]. Bereits heute sind Kinder und Jugendliche am stärksten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen – obwohl sie am wenigstens für diese verantwortlich sind. Dazu sind Phänomene von Climate- sowie Eco-Anxiety unter jungen Menschen immer häufiger zu beobachten [3]. Kinder gelten als besonders vulnerabel. Doch selbst dem Kinderrecht auf Gesundheit wird bisher nicht ausreichend Rechnung getragen. Bereits in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren sind Kinder gefährlichen Schadstoffbelastungen ausgesetzt – mit möglichen direkten und langfristigen negativen gesundheitlichen Folgen [4].

Im Sinne der ökologischen Kinderrechte müssen also die Themen Kinderrechte und Umwelt- sowie auch Klimaschutz stärker miteinander verschränkt werden. Unter ökologischen Kinderrechten versteht man das Recht eines jeden Kindes, in einer gesunden und intakten Umwelt aufzuwachsen, sodass ein gesundes Leben wie auch die volle Potenzialentwicklung ermöglicht wird [5].

In der UN-Kinderechtskonventionen werden Umweltfragen zwar thematisiert, etwa in Hinblick auf Gesundheit (Art. 24 2 (c)) und Bildung (Art. 29. 1(e)), ein direktes Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt ist jedoch bislang nicht festgeschrieben. In der Praxis werden Umweltfragen in der Kinderpolitik sowie Kinderfragen in der Umweltpolitik häufig nicht beachtet. Daran muss sich etwas ändern. Dazu braucht es eine effektive Gesetzgebung mitsamt Vorschriften, die sich an planetaren Belastungsgrenzen sowie an sozialen Mindeststandards orientiert [6; 7].

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Gerechtigkeitskomponente: Die Ungleichheiten in Bezug auf Umweltbelastungen von Kindern schlagen sich auch sozialräumlich nieder – auch innerhalb von deutschen Städten [8]. Außerdem müssen Kinder unterschiedlichen Alters, Geschlechts und sozialer Herkunft viel häufiger an Entscheidungen und Maßnahmen beteiligt werden, um an der Gestaltung ihrer Zukunft mitgestalten zu können. Bisher wird ihrem Recht auf Partizipation noch viel zu wenig nachgekommen – obwohl das Interesse der jungen Generation am Klimawandel und Umweltzerstörung hoch ist.

Auch das UfU hat sich bereits in unterschiedlichen Projekten mit dem Themenfeld Umweltgerechtigkeit und damit mit sozialräumlichen Ungleichheiten bestimmter Umweltdimensionen wie Lärm, Stadtgrün, Luftverschmutzung u.a. auseinandergesetzt. Das bald startende Verbundprojekt gemeinsam mit der BUNDjugend MeiFaiR nutzt das Konzept der Umweltgerechtigkeit als Handlungsansatz für einen jugendgerechten Strukturwandel im Mitteldeutschen und im Lausitzer Revier.

 

Quellen und zum Weiterlesen

[1] UNICEF (2021): The Climate Crisis is a Child Rights Crisis. Online verfügbar https://www.unicef.org/reports/climate-crisis-child-rights-crisis (letzter Zugriff: 14.09.2022)

[2] Schulte-Basta; D. 2021): Kinder haben ein Recht auf eine gesunde Umwelt. Heinrich Böll Stiftung. Online verfügbar: https://www.boell.de/de/2021/09/17/kinder-haben-ein-recht-auf-eine-gesunde-umwelt (letzter Zugriff: 8.9.2022)

[3] Hickman et al. (2021): Climate anxiety in children and young people and their beliefs about government responses to climate change: a global survey. Lancet Planet Health (5): e863-73.

[4] National Coalition Deutschland (o.J.) Die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland. 1d Ökologische Kinderrechte. Online verfügbar: https://umsetzung-der-kinderrechtskonvention.de/1-d-oekologische-kinderrechte/ (letzter Zugriff: 8.9.2022)

[5] National Coalition Deutschland (2016): Kinderrechte und Umwelt Ein Diskussionsbeitrag der National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. Berlin.

[6] Rockström, J. et.al. (2009): A safe operating space for humanity. Nature 463: 472-475.

[7] Raworth, K. (2012).A Safe and Just Space for Humanity: Can We Live within the Doughnut? Oxfam Discussion Papers.

[8] Helbig, M.; Salomo, K.(2021): Eine Stadt – getrennte Welten? Sozialräumliche Ungleichheiten für Kinder in sieben deutschen Großstädten. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW) (letzter Zugriff: 08.09.2022)


VwGO-Novelle in weiten Teilen verfassungs-, völker- und unionsrechtswidrig!

12. September 2022

Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz „Entwurf eines Gesetzes zur Beschleunigung von verwaltungsgerichtlichen Verfahren im Infrastrukturbereich“ des Deutschen Naturschutzring (DNR) und des Unabhängigen Institut für Umweltfragen e.V.

Das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) hat gemeinsam mit dem Deutschen Naturschutzring (DNR) den neuen Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz untersucht. Der Referentenentwurf mit dem Titel „Entwurf eines Gesetzes zur Beschleunigung von verwaltungsgerichtlichen Verfahren im Infrastrukturbereich“ hat zum Ziel, wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie beispielsweise den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland zu beschleunigen, ohne den Rechtsschutz einzuschränken.

Leider weißt der Gesetzesentwurf erhebliche Mängel auf. Die Novelle ist mit zwingenden verfassungs-, völker- und unionsrechtlichen Vorgaben nicht zu vereinbaren. Besonders zu kritisieren ist die fast vollständige Abschaffung des einstweiligen Rechtsschutzes. Damit können große Infrastrukturvorhaben durchgeführt werden, auch wenn ein Gericht die Genehmigung des Vorhabens für rechtswidrig hält. Dies bedeutet nicht nur eine große Beschneidung von Bürgerrechten, sondern ist insofern problematisch, dass die Novelle nicht nur Infrastrukturvorhaben im Bereich erneuerbarer Energien umfasst, sondern eine Vielzahl bedeutender Infrastrukturvorhaben wie zum Beispiel Autobahnen, Flughäfen, fossile Kraftwerke, LNG-Terminals und Mülldeponien.

In der Stellungnahme beziehen wir uns ausführlich auf:

  • Verstoß gegen Grundrecht auf effektiven Rechtsschutz
  • Verstoß gegen Unions- und Völkerrecht

und stellen Alternativen vor.

Stellungnahme zur VwGO-Novelle von UfU & DNR (PDF)