KlimaVisionen ausgezeichnet mit 2. Platz des Roman-Herzog-Preises 2024
08. November 2024
KlimaVisionen ausgezeichnet mit 2. Platz des Roman-Herzog-Preises 2024
Die Berliner Sparkasse würdigt jährlich mit dem Roman-Herzog-Preis Berliner Projekte oder Initiativen, die sich durch besonderes gesellschaftliches Engagement für die Stadt Berlin auszeichnen und damit zur Weiterentwicklung und dem Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen. In diesem Jahr wurde das UfU-Projekt KlimaVisionen mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.
Seit 2021 unterstützt das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) 70 Schulen in Berlin mit dem Projekt „KlimaVisionen – Wege zur klimaneutralen Schule Berlin“ bei der Erreichung einer klimaneutralen Zukunft.

Die Projektschulen erhalten thematische Inputs, Workshops, Beratung und Gebäudeanalysen, in deren Folge konkrete Klimaschutzpläne entwickelt sowie Klimaschutzaktivitäten geplant und umgesetzt werden. Dies können zum Beispiel Fassadenbegrünung, Energiesparprogramme, grüne Klassenzimmer, Entsiegelung des Schulhofs, Regenwassernutzung, Fahrradbusse, klimafreundliche Ernährung und vieles mehr sein. Das Projekt zeichnet dabei eine partizipative Herangehensweise aus, die verschiedenen Nutzergruppen (Senatsverwaltung, Schüler:innen, Schulleitung, Hausmeister:innen) der Schule zusammenbringt, sodass auch Schüler:innen die Möglichkeit bekommen ihr Umfeld aktiv mitzugestalten, mit dem Ziel eine höhere Akzeptanz für die Transformation zu einer klimaneutralen Schule zu erreichen.
Das Projekt wirkt nicht nur innerhalb der Schulen, sondern auch außerhalb durch die Einbindung vieler außerschulischer Partner und die gezielte Bündelung von Aktivitäten in Richtung Klimaneutralität. Der Austausch zwischen den Schulen lässt nationale und internationale Kooperationen zu. So haben Berliner Schulen bereits in der Kulturhauptstadt Elefsina (Griechenland) ihre Erkenntnisse geteilt. Das UfU hofft mit dem Projekt als Vorbild und Inspiration auch in anderen deutschen Städten und Bundesländern zu wirken, um so gemeinschaftlich aktiv zu werden.
Am 07. November wurde vom Kuratorium der Stiftung Brandenburger Tor der Preisträger des Roman-Herzog-Preises gewählt, mit KlimaVisionen sind wir unter der Finalist:innen. Wir vom UfU freuen uns sehr über diese Ehrung und möchten diese direkt an all die teilnehmenden Schulen weitertragen für den unermüdlichen Einsatz von engagierten Lehrkräften, Schüler:innen, Hausmeister:innen und anderen. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro soll dazu genutzt werden die Unterstützung Berliner Schulen auf ihrem Weg zur Klimaneutralität weiter auszubauen.
Das UfU möchte diese Projekt auch in Zukunft weiterführen und noch mehr Schulen in Berlin für das Projekt begeistern. Fast 80 Prozent der öffentlichen Gebäude sind Schulen, die damit ein entscheidender Faktor bei der Erreichung der Klimaziele des Landes Berlin sind. Aufgrund ihres großen CO2-Fußabdruckes tragen sie im Rahmen der Energiewende eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Gleichzeitig nehmen sie eine wichtige Rolle als Multiplikatoren ein, um heranwachsende Generationen zu zukunftsfähigem Handeln auszubilden.
Das UfU gratuliert ebenso dem Preisträger Sonay soziales Leben e.V., die den generationsübergreifenden Austausch zwischen Jugendlichen und Senior:innen fördern sowie den weiteren Finalist:innen vom Mentoring Programm XENION e.V., die geflüchtete Menschen und Ehrenamtliche zusammenbringen. Großartige Projekte, die zeigen, wie vielfältig und bereichernd Gemeinschaft sein und was diese bewegen kann.
Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in deutschen Lehrplänen ausbaufähig
25. Oktober 2024
Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in deutschen Lehrplänen ausbaufähig
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) als Unterrichtsformat zu integrieren, erfordert die Kapazitäten, relevante Themenkomplexe inklusive interaktiver Methoden kindgerecht aufzubereiten. Durch Lehrkräftemangel und begrenzte zeitliche Ressourcen fällt es vielen Lehrenden schwer, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Eine neue digitale Lernplattform für BNE soll Lehrerkräfte in Zukunft ermutigen und dabei unterstützen, ihren Unterricht verstärkt auf eine ganzheitliche und transformative Bildung im Sinne von BNE auszurichten.
Europäische Lernplattform für die Agenda 2030
Durch die Schaffung einer europäischen Lernplattform, die sich an Schüler*innen im Alter von neun bis elf Jahren in Deutschland, Norwegen, Ungarn und Zypern sowie in anderen europäischen Ländern richtet, wird BNE als gezieltes Lernformat in Schulen in den Sprachen Englisch, Deutsch, Griechisch, Norwegisch und Ungarisch verfügbar. Dies unterstützt die Agenda 2030 und damit die Förderung einer nachhaltigeren und gerechteren Welt.
Die Plattform bietet Lehr- und Lernmaterialien zu den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Vereinten Nationen. Darüber hinaus wird das Zusammenwirken dieser Ziele anhand des Hochzeitstortenmodells von Johan Rockström und Pavan Sukhdev erklärt sowie auf Zielkonflikte eingegangen. Die zentralen Elemente der Lernplattform sind Boardstories, interaktive animierte Geschichten, die das audiovisuelle Lernen fördern. Somit können sich Schüler*innen aktiv mit den Themen der jeweiligen SDGs auseinandersetzen und digitales Lernen auf unterschiedliche Weise erleben. Dabei werden neue Medien mit wichtigen Wissensinhalten kombiniert, um eine sinnvolle Einheit zu schaffen, bei der Lernen Spaß macht.
Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung in Europa
Die Plattform ist im Rahmen des Projekts „Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Europa“ entstanden. Dazu wurden Lehrpläne für Grundschulen in Deutschland, Norwegen, Ungarn und Zypern untersucht, um Erkenntnisse für die Entwicklung der Lernplattform und eine effektive Umsetzung in den verschiedenen europäischen Ländern zu gewinnen. Trotz der unterschiedlichen Struktur und Ausrichtung der einzelnen nationalen Lehrpläne wird BNE in allen untersuchten Ländern als relevante Unterrichtskomponente anerkannt und angestrebt. Jedoch bleibt die Verankerung von BNE in deutschen Lehrplänen im europäischen Vergleich ausbaufähig. Während BNE ein verpflichtender Bestandteil der Lehrpläne in Norwegen, Ungarn und Zypern ist, wird es Hierzulande tendenziell als Querschnittsthema definiert, dessen Anwendung abhängig von der jeweiligen Lehrkraft ist.
Untersucht wurden insbesondere die fachspezifischen und fächerübergreifenden Verknüpfungen mit BNE und den SDGs auf Grundschulniveau. Zudem wurde die Rolle der Medienerziehung in den nationalen Lehrplänen bewertet sowie deren Umfang und spezifische Lernziele identifiziert, die durch die Lernwelten für BNE unterstützt werden sollen. Dies bildet die Grundlage für einen Unterricht, der auf einer digitalen, integrierten und fächerübergreifenden Perspektive für nachhaltige Entwicklung basiert.
Herausforderungen für die Entwicklung der Plattform – Analyse deutscher Curricula in einer föderalen Struktur
BNE und die SDGs werden in deutschen Lehrplänen aufgrund der föderalen Bildungsstruktur nicht überall explizit genannt, dennoch in einigen Fällen als übergreifende Kompetenzziele oder Leitlinien erfasst und thematisch verankert. Dabei wird BNE in den Bundesländern unterschiedlich gewichtet: In Baden-Württemberg wird sie als Schlüsselperspektive genannt, in Berlin/Brandenburg als übergreifendes Thema und in Sachsen-Anhalt gibt es keine spezifische Erwähnung oder Bezugnahme. In Bezug auf die SDGs ist nur eine fundierte Interpretation möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die unterschiedlichen Kompetenzkonzepte in den verschiedenen Curricula nicht deckungsgleich mit den spezifischen Kompetenzen von BNE sind, wie sie im Europäischen Kompetenzrahmen für Nachhaltigkeit der Europäischen Kommission beschrieben werden. Die häufigsten Bezugspunkte bieten die Gemeinschaftskunde und in der Folge Ethik und Religion. Dazu gehört auch, dass andere Fächer zwar auch methodisch in Bezug auf BNE arbeiten können, aber nur wenige Bezüge in den Lehrplänen hergestellt werden. Außerdem gibt es kein spezifisches Zeitbudget für BNE oder die SDGs. Dementsprechend gibt es eine große strukturelle Lücke bei der verpflichtenden Integration von BNE in Grundschulen. Auch wenn Lehrkräfte entscheiden können, BNE zu implementieren, können sie sich ebenso dafür entscheiden, dies nicht zu tun.
Bildungsmaterialien schließen Lehrplanlücke
Durch die Bereitstellung von zielführenden Bildungsmaterialien zu den SDGs in Kombination mit präzisen Anleitungen und Empfehlungen für Lehrkräfte kann das Ausmaß der praktischen Umsetzung von BNE im Unterricht erhöht werden. Gerade weil die Boardstories in eine Unterrichtsstunde und die jeweiligen BNE-Inhalte einführen sollen, senkt dies die Hürde für Lehrkräfte, sich für ein nachhaltiges Thema zu entscheiden, und reduziert ihren Zeitaufwand für die Themenvorbereitung. Dadurch können auch einzelne Lücken im Lehrplan geschlossen werden. Auf diese Weise können sich die Schüler*innen bereits in jungen Jahren dieser Ziele bewusstwerden und eine positive Vorstellung von einer gerechten und lebenswerten Zukunft für alle entwickeln. Damit wird der Grundstein für das Handeln für eine nachhaltige Entwicklung gelegt und die Lernplattform trägt zur Erreichung der SDGs bei.
Der vollständige Bericht zur länderübergreifenden Lehrplananalyse kann hier eingesehen werden.
Die frei zugänglichen Lernwelten sollen im Frühjahr 2025 online gehen.
Gefördert wird das Projekt durch Erasmus + Cooperation partnerships in school education und Deutsche Bundesstiftung Umwelt – DBU.


Wie kann die Zusammenarbeit von Schulen und außerschulischen Partnern gelingen?
21. Oktober 2024
Schulen als wichtige Impulsgeber für Klimaneutralität
Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels, war die Rolle von Schulen bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft noch nie so wichtig wie heute. Schulen schaffen Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung und setzen entsprechende Maßnahmen um. Sie sind bedeutende Multiplikatoren, bilden die kommenden Generationen aus und sind somit auch treibende Kräfte bei der Transition zur Klimaneutralität. Dies bedeutet auch, dass sich die Schulen selbst, zu klimaneutralen Schulen wandeln müssen. Ein Unterfangen, mit welchem sie nicht allein gelassen werden sollten.
UfU Projekt „Vision 2045“ – Zusammenarbeit für eine nachhaltige Zukunft
Das UfU Projekt Visions 2045 hebt die Bedeutung dieser Transition hervor und fördert ein kollektives Engagement der Schulen in diesem Bereich durch konkrete Maßnahmen: Zwölf Schulen in Bulgarien, Polen und Slowenien arbeiten mit ihren lokalen Gemeinden zusammen, um Maßnahmen zur Einsparung von Treibhausgasemissionen durchzuführen. Dazu haben die Schulen zunächst in sogenannten Visionswerkstätten individuelle Klimaneutralitätspläne für die eigene Schule entwickelt. Darauf aufbauend suchen sie nun nach Unterstützungsmöglichkeiten, um diese umzusetzen.

Möchte eine Schule klimaneutral werden sind Kooperationen erforderlich. Ein Beispiel wäre die Zusammenarbeit und Unterstützung durch außerschulische Partner, wie z. B. Kommunen, für die erfolgreiche Umsetzung ganzheitlicher Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Ein anderes Beispiel wären Kooperationen mit externen Partnern, um z.B. das Schulgebäude energie- und ressourceneffizient zu machen oder sauberes Trinkwasser bereitzustellen. Viele Schulen tun sich jedoch schwer damit, Kooperationen aufzubauen, welche für die Umsetzung dieser Maßnahmen unbedingt notwendig sind. Denn Schulen agieren oft in ihrem eigenen Ökosystem und richten ihre Maßnahmen und Botschaften hauptsächlich an die Schulgemeinschaft. Im Folgenden schildern wir Herangehensweisen an die Initiation solcher Kooperationen für Schulen.
Anfang in der eigenen Gemeinde
Auch wenn es Schulen zuerst schwerfallen mag, Partnerschaften mit externen Akteuren zu initiieren, die Voraussetzungen dafür sind gut. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die schulexternen Akteure eine große Offenheit für gemeinsame Initiativen mit Schulen zeigen. Sie sind jedoch nicht bereit, diese zu initiieren und von sich aus an die Schule heranzutreten. Deshalb müssen Schulen bei der Suche nach solchen Partnerschaften proaktiv sein und im Bestfall persönliche Treffen organisieren, um eine fruchtbare Beziehung zu ermöglichen. Ein erster Anfang kann dabei die eigene Gemeinde sein. Gemeinden sind für Schulen ein sehr nützlicher Kanal, um Partner zu finden, insbesondere in kleineren Städten. Einladungen der Stadtverwaltung zu einer gewünschten Zusammenarbeit führen hier zu einer höheren Rücklaufquote und mehr Engagement.
Lokal ansässige Akteure finden
Wenn es um Kooperationen mit Unternehmen, Initiativen und Organisationen geht, sollten lokal ansässige Akteure gefunden werden. Diese haben meist eine hohe Standortverbundenheit und damit auch ein Kooperationsinteresse mit der Schule. Auch Bewohner*innen der Nachbarschaft, Eltern sowie Vertreter*innen lokaler Behörden können um ihre Expertise und mögliche Unterstützung gebeten werden. Im Projekt Visions 2045 kamen zahlreiche Vertreter*innen der örtlichen Schulen, der Stadtverwaltung und lokaler öffentlicher Unternehmen zusammen, darunter auch Organisationen wie die öffentlichen Verkehrsbetriebe und Energieversorger. Letztere spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, dass die Nachhaltigkeitsbemühungen der Schulen mit der notwendigen Infrastruktur und den erforderlichen Ressourcen unterstützt werden. Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, wird von den Schulen meist erwartet, dass sie einen ersten Plan oder eine Vorstellung davon haben, wie die Partnerschaft aussehen kann: Was wollen sie erreichen, wozu könnte der Partner möglicherweise beitragen? Das Erstellen und Kommunizieren einer schulischen Vision zur Klimaneutralität hilft dabei, eine Diskussionsgrundlage zu haben und erhöht die Wahrscheinlichkeit, Unterstützung zu erhalten. Darüber hinaus kann der Austausch von bewährten Praktiken aus anderen Schulen, Regionen oder Ländern den Beteiligten Wege aufzeigen und ihnen Ideen geben, wie sie mit den Schulen interagieren können. So wandte sich eine polnische Projektschule beispielsweise an einen Baumarkt mit der Idee Regenwasser für den Schulgarten zu sammeln. Der neu gewonnene Partner sponserte nicht nur Regenwassertanks, sondern stellte auch Freiwillige zur Installation zur Verfügung.
Auf gegenseitigen Nutzen achten
Gleichzeitig sollten sich die Schulen fragen und recherchieren, was der potentielle Partner davon haben könnte. Durch die oben erwähnte Standortverbundenheit lokal ansässiger Akteure haben diese ein Interesse an entsprechenden Image- und PR-Aktivitäten. In manchen Fällen möchten sich externe Partner bei den Schüler*innen vorstellen, um zukünftige Mitarbeitende zu rekrutieren. Für die Schulen ist es von Vorteil, wenn sie die Bedürfnisse ihrer gewünschten Partner identifizieren und sich dann bemühen, ein entsprechendes Angebot machen zu können. Wir empfehlen den Schulen auch, die beruflichen Netzwerke der Eltern als Quelle für neue Kontakte und mögliche Zusammenarbeit zu aktivieren. Ehemalige Schüler*innen können ebenfalls von großem Nutzen sein, da sie oft bereit sind, die Schule zu ideellen Zwecken zu unterstützen, insbesondere in kleineren Städten.
Ein Modell für einen breiteren Wandel
Schulen können einen wirksamen Beitrag zum Wandel leisten, sowohl durch die Erziehung künftiger Generationen als auch durch ihre realen Bemühungen um eine Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks. Im Rahmen des Projekts Visions 2045 hat jede teilnehmende Schule eigene Pilotaktionen zur Verbesserung der Energieeffizienz, zur Abfallvermeidung, zur Förderung nachhaltiger Mobilität und vielem mehr gestartet. Darüber hinaus bietet die Initiative den Schüler*innen die Möglichkeit, mit lokalen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in Kontakt zu treten. Geplante Unterrichtsbesuche bei Abfallentsorgungseinrichtungen, Wasser- und Energieversorgern tragen beispielsweise dazu bei, das Verständnis der Schüler*innen für Nachhaltigkeit über das Schulgelände hinaus zu vertiefen. Dank dieser Initiativen erlangen die Aktivitäten der Schule eine breitere Anerkennung in der Stadt und haben die Chance, die Zusammenarbeit mit Interessengruppen zur Förderung des Schulklimas fortzusetzen. Die Kommunen können diese Nachhaltigkeitsbemühungen in die umfassendere städtische Strategie zur Klimaneutralität integrieren.
Mit einem starken Netzwerk lokaler Partner besteht eine echte Chance, die von diesen Schulen gewonnenen Erkenntnisse auf die gesamte Region auszuweiten. Unsere Erfahrung zeigt, dass ein klares Ziel und ein klarer Plan, verbunden mit dem Bemühen, Partner einzubinden, Erfolg und konkrete Ergebnisse bringen.
Anfang 2025 werden wir Handbücher für Schulen und Kommunen mit weiteren Erkenntnissen und Empfehlungen veröffentlichen, damit der Wandel hin zur Klimaneutralität Schritt für Schritt gelingt.
Publikation: Berufsbildung der Zukunft - Mit politischer Bildung zu einer Transformativen Beruflichen Bildung

30. September 2024
In der Berufsbildung liegt ein Schlüssel zur sozial-ökologischen Transformation, da sie den Grundstein für nachhaltiges berufliches, aber auch privates Handeln legen kann!
Unsere Kollegin Larissa Donges hat in der Fachzeitschrift „Außerschulische Bildung“ des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB) einen Artikel über das Zusammenspiel von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und politischer Bildung im Rahmen der Berufsbildung veröffentlicht. Der Artikel beleuchtet, wie ein zukunftsorientiertes, wechselseitiges Lernen zwischen politischer Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die berufliche Bildung Einzug halten kann und zeigt damit Handlungsempfehlungen für eine Transformative Beruflichen Bildung (TBB) auf.
In der beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) braucht es den Ansatz der politischen Bildung. Denn es ist entscheidend, in den Berufsschulen und Betrieben, über das individuelle Handeln hinaus, systemisches Denken und demokratieförderndes, kollektives nachhaltiges Handeln zu stärken. Es geht also nicht nur darum zu lernen, wie ich im jeweiligen Beruf punktuell nachhaltiger wirken kann, indem ich beispielsweise als Bäckerin ökologisch angebautes Getreide oder Ökostrom nutze. Entscheidend ist es, auch die komplexen sozialen, ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge zu verstehen, die von der Produktion der Rohstoffe über ihre Verarbeitung bis hin zum Verkauf bestehen. Ziel sollte es sein, dass die Auszubildenden ihre Handlungs-, Gestaltungs- und Partizipationsmöglichkeiten als Berufstätige aber auch als Teil der (Zivil-)Gesellschaft erkennen und nutzen. Das heißt in diesem Fall, dass die angehende Bäckerin auch erfährt, dass sie sich beispielsweise durch das Engagement in einer lokalen Nachhaltigkeitsinitiative, durch die Beteiligung an Petitionen, Demonstrationen oder politischen Konsultationsprozessen für eine Agrar- und Ernährungswende einsetzen könnte. Im Rahmen einer solchen Transformativen Beruflichen Bildung (TBB) sollte auch die Thematisierung von Zielkonflikten und Widersprüchen eine Rolle spielen. Denn entsprechend der Konfliktorientierung als wichtiges didaktisches Prinzip der politischen Bildung können so bereichernde Lernanlässe geschaffen werden.
Angesichts multipler Krisen, gepaart mit dem derzeitigen Fachkräftemangel sollte eine Chance darin gesehen werden, Ausbildungsberufe für junge Menschen auch dadurch attraktiv zu machen, dass sie Wissen und Kompetenzen mit auf den Weg bekommen, um ihre eigene Zukunft zu gestalten und unser aller Lebensgrundlagen zu erhalten.
Der Artikel beruht auf Erkenntnissen, die im Rahmen unseres Projektes „KlimaKompetenzen in der beruflichen Bildung stärken – Berufsbilder mit politischer Bildung und BNE zukunftsfähig machen“ (https://www.ufu.de/projekt/bpb/) gesammelt und in ausführlicher Form in der Publikation „Berufliche Bildung zukunftsfähig machen – Synergien zwischen politischer Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) nutzen“ veröffentlicht wurden: https://www.ufu.de/ufu-veroeffentlicht-broschuere-zur-erfolgreichen-integration-von-bne-und-politischer-bildung-in-der-beruflichen-bildung/
Artikel: https://fachzeitschrift.adb.de/berufsbildung-der-zukunft/
Zum Tod von Friedrich Schorlemmer von Michael Zschiesche
Zum Tod von Friedrich Schorlemmer von Michael Zschiesche
Friedrich Schorlemmer ist tot. Er starb letzten Sonntag in Berlin im Alter von 80 Jahren. Er galt als der Bürgerrechtler der DDR, als Friedens-, Menschenrechts- und Umweltanwalt. Sein aus der Bibel entlehnter Spruch „Schwerter zu Pflugscharen“, wo er 1983 auf dem Höhepunkt der Kriegsangst in Wittenberg wirkmächtig ein Schwert von einem Schmied auf dem Platz vor der Kirche umformen ließ, war seitdem Erkennungszeichen der unangepassten DDR-Jugend. Der Spruch machte ihn berühmt. Aber, er war auch einer der wenigen Bürgerrechtler, die sowohl von den 1989 neu entstandenen aber zahlenmäßig immer kleinen Kräften und Aktiven wie dem Neuen Forum oder dem Demokratischen Aufbruch als auch von progressiven Teilen der PDS anerkannt wurde.
Mit Friedrich Schorlemmer stand ich 1994 im Austausch, weil ich ihn um einen Beitrag für mein Buchprojekt „Alles wird besser – Nichts wird gut – Wege zur ökologischen Wende“ bat, den er auch lieferte. Ursprünglich wollte ich ein Interview mit ihm führen, auch um den vielbeschäftigten Mann nicht allzu sehr zeitlich zu strapazieren. Er schlug jedoch zu meiner Überraschung vor, einen eigenen Text zu liefern. Das freute mich sehr. Der Text „Eines Tages…“ ist nach wie vor lesenswert und aktueller, als er sein sollte. Friedrich Schorlemmers Stimme, seine Klugheit, sein Einmischen wird fehlen. Es bleiben seine Schriften, Bücher und Gedanken: „Fürchtet euch nicht? Doch! Fürchtet euch! Das ist die Botschaft: Geht gegen alles an, was Furcht macht, was Düsternis verbreitet, was Natur zerstört, was gnadenlos ausbeutet, was Brot vorenthält und Freiheit beschränkt, Denken verengt, was Geld herrschen und Macht entgleiten lässt! Mag sein, dass die Welt morgen untergeht, schrieb Dietrich Bonhoeffer 1942, doch erst dann wollen wir die Arbeit für eine bessere Welt niederlegen, vorher nicht.“
Tagesschau, TAZ, ZEIT, FAZ und andere Medien berichten über Hochwasserstudie des UfU

Tagesschau, TAZ, ZEIT, FAZ und andere Medien berichten über Hochwasserstudie des UfU
Fast 400.000 Menschen sind in Deutschland von Hochwasser bedroht. So lauten die Überschriften der zahlreichen Meldungen, die über die UfU-Studie im Auftrag der von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag geschrieben wurden. Nachdem die DPA über die Studie berichtete, erscheinen am 11. September unzählige Meldung über die UfU-Studie in allen deutschen Tageszeitungen.
Die Studie untersucht die Daten aus den öffentlich einsehbaren Hochwasserrisikomanagementplänen (HWRP) der unterschiedlichen Flusseinzugsgebiete in Deutschland und unterschiedliche Quellen, welche die Hochwasser‐ und Niedrigwasserrisiken in Deutschland abdecken. Daraus ergibt sich nach Addition der Daten, dass konservativ geschätzt mindestens 384.000 Menschen in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Hochwasser-Ereignis betroffen sein werden.
Die zahlreichen Meldungen der Zeitungen sind durch die Wortkombination UfU + Hochwasser + Studie zu finden. Das UfU möchte in Zukunft weitere Studien zu diesem Thema anfertigen, um auch mögliche Kosten und andere Extremwetterereignisse abzuschätzen.
Publikation: Öffentlichkeitsbeteiligung und Planungsbeschleunigung – Versuch einer ersten Bilanz der 20. Legislatur aus Umweltsicht, Teil 1
Unsere beiden Umweltjuristen Dr. Michael Zschiesche & Tom Grünberger haben in der aktuellen Ausgabe der Natur und Recht ihren Artikel Öffentlichkeitsbeteiligung und Planungsbeschleunigung – Versuch einer ersten Bilanz der 20. Legislatur aus Umweltsicht veröffentlicht.
Die Massen Gesetzen zur Planungsbeschleunigung und die immer wiederkehrenden Versuche, Planung zu verkürzen, führen zu mitunter besorgniserregenden Situationen für Öffentlichkeitsbeteiligung und Naturschutz.

In diesem und einem weiteren Artikel sollen maßgebliche Beschleunigungsgesetze seit 2021 auf ihr Verhältnis zur Öffentlichkeitsbeteiligung und ihren wesentlichen Änderungen in den verfahrensrechtlichen Elementen vorgestellt werden. Allein die Tatsache, dass hierfür ein einzelner Beitrag nicht ausreicht, um alle gesetzlichen Änderungen seit 2021 auf Bundesebene zu skizzieren, macht deutlich, wieviel in vier Jahren im formellen Beteiligungsbereich passierte. Die beiden Artikel werden dennoch nur die wesentlichen Änderungen der im Zuge der Beschleunigung geänderten Bestimmungen der Öffentlichkeitsbeteiligung seit 2021 in den Blick nehmen können.
Ausgangspunkt des ersten Teils ist das Planungssicherstellungsgesetz (PlanSiG), welches noch in der 19. Legislatur im Mai 2020 im Zuge der Corona-Pandemie die Weiterführung aller Zulassungsverfahren in der Bundesrepublik sicherstellen und gleichzeitig die Digitalisierung der Öffentlichkeitsbeteiligung voranbringen sollte. Da dieses Gesetz bis heute grundlegende Auswirkungen auf die Änderungen der Öffentlichkeitsbeteiligung in der 20. Legislatur hatte, werden maßgebliche noch heute relevante Inhalte des PlanSiG skizziert. In diesem Artikel werden sechs einzelgesetzliche Änderungen bzw. Änderungen durch entsprechende Artikelgesetze näher – im Wesentlichen anhand ihrer zeitlichen Entstehung – vorgestellt. Es handelt sich hierbei um das Gesetz zur Beschleunigung des Einsatzes verflüssigten Erdgases (LNGG), das Klimaschutz-Sofortprogramm, welches gleich mehrere Verfahren der Öffentlichkeitsbeteiligung betraf, das Gesetz zur Änderung des Energiesicherungsgesetzes und anderer energiewirtschaftlicher Vorschriften (EnSiG), Änderungen im BundesImmissionsschutzgesetz (Fuel-Switch), die EU-Notfallverordnung und die Änderungen im Raumordnungsgesetz-Änderungsgesetz.
Kasachstan - Neue Projekte für das UfU in der Wasserwirtschaft, Bildung und Landwirtschaft
Am 22. August 2024 fand in der Botschaft der Republik Kasachstan in Berlin ein Treffen statt, welches die Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Deutschland auf eine neue Ebene hebt. Bei diesem Round Table, an dem hochrangigen Vertreter aus Kasachstan, darunter der kasachische Vize-Premierminister Kanat Bozumbayev, teilnahmen, wurde ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU), dem kasachischen Landwirtschaftsministerium und dem Kasachischen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Wasserwirtschaft (KazSRIWE) unterzeichnet. Diese Vereinbarung markiert den Beginn neuer Projekte, die nachhaltige Lösungen in den Bereichen Wasserwirtschaft, Bildung und Landwirtschaft zum Ziel haben.
Wie sieht die gemeinsame Zusammenarbeit in Zukunft aus?
Das UfU bringt seine umfangreiche wissenschaftliche Expertise in den Bereichen Wasserwirtschaft, Bildung und Landwirtschaft in verschiedenen Projekten in Kasachstan ein. Diese Projekte zielen darauf ab, nachhaltige Praktiken in der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft zu fördern, die Zivilgesellschaft an umweltpolitischen Entscheidungen zu beteiligen und innovative Ansätze zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln.
Welche UfU-Projekte sind Teil der Partnerschaft?
ZIVIKLI: Das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) geförderte Projekt stärkt die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der kasachischen Klimapolitik. Ziel ist es, die Beteiligung der Öffentlichkeit an umweltpolitischen Entscheidungen zu verbessern und damit die Akzeptanz und Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen zu steigern. Das Projekt trägt zur Schaffung eines inklusiveren Politikprozesses bei, in dem verschiedene gesellschaftliche Gruppen ihre Interessen einbringen können.
Projekt4646: Dieses Projekt bietet eine einzigartige Perspektive auf die Wahrnehmung des Klimawandels durch kasachische Landwirt:innen. Zum ersten Mal wurden in Kasachstan umfassende Studien durchgeführt, um zu verstehen, wie die Landwirtschaft auf die Herausforderungen des Klimawandels reagiert. Die Ergebnisse dieser Studien liefern wertvolle Erkenntnisse, die als Grundlage für die Entwicklung von Anpassungsstrategien dienen, die die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft stärken und Nachhaltigkeit fördern.
CarbonIQ: Mit diesem Projekt unterstützt das UfU die Einführung von „Carbon Farming“-Praktiken in Kasachstan. Diese zielen darauf ab, den CO2-Gehalt im Boden zu erhöhen, die Bodengesundheit zu verbessern und gleichzeitig die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern. CarbonIQ trägt dazu bei, die ökologische und landwirtschaftliche Nachhaltigkeit in Kasachstan zu fördern, indem innovative Ansätze zur Bekämpfung des Klimawandels entwickelt und umgesetzt werden.
Was bedeutet die Kooperation für das UfU?
Für das UfU bedeutet die Kooperation eine wichtige Erweiterung seiner internationalen Partnerschaften und die Möglichkeit, seine Expertise in eine Region einzubringen, die vor ökologischen Herausforderungen steht. Durch die Zusammenarbeit mit kasachischen Institutionen kann das UfU innovative Lösungen entwickeln und umsetzen, die nicht nur für Kasachstan, sondern auch für andere Länder Modellcharakter haben können. Darüber hinaus stärkt die Partnerschaft die Rolle des UfU als führende Institution im Bereich Umweltforschung und nachhaltige Entwicklung.
Was ist für die Zukunft geplant?
Die Zukunft dieser Kooperation sieht vielversprechend aus, da weitere Projekte in den Bereichen Wassermanagement, Bildung und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft geplant sind. Diese Projekte sollen innovative Ansätze zur Lösung globaler Umweltprobleme entwickeln und gleichzeitig den Wissensaustausch zwischen Deutschland und Kasachstan fördern. Geplant sind unter anderem der Ausbau der CarbonIQ-Initiative, die Entwicklung neuer Bildungsprogramme zur Förderung nachhaltiger Praktiken und die Implementierung modernster Technologien im Bereich Wassermanagement.
Mit diesen Initiativen wird die Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Deutschland weiter vertieft und es wird erwartet, dass diese Partnerschaft nachhaltige und weitreichende Auswirkungen auf die Region haben wird.
UfU-Projekte in Kasachstan widmen sich den Umweltproblemen in der Landwirtschaft
UfU-Projekte in Kasachstan widmen sich den Umweltproblemen in der Landwirtschaft
Am 17. Juli 2024 hatte das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) in Berlin die Ehre, eine Delegation aus Kasachstan zu empfangen, darunter Herrn Aslan Abdraimov, den stellvertretenden Minister für Wasserressourcen und Bewässerung, und Frau Aziza Dyussenova, die Erste Sekretärin der Botschaft von Kasachstan in Deutschland. Dieser Besuch war ein wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit bei der Bewältigung kritischer Umweltprobleme in Kasachstan.
Während des Treffens gaben UfU-Vertreter, darunter Dr. Michael Zschiesche, Sami Çeltikoğlu und Dr. Arne Reck, einen umfassenden Überblick über laufende und geplante Projekte in Kasachstan und erörterten umweltpolitische Herausforderungen, denen sich Kasachstan heute und in Zukunft stellen muss. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die UfU-Projekte ZIVIKLI, Projekt4646 und CarbonIQ und deren wissenschaftliche Erkenntnisse. Diese Projekte leisten einen einzigartigen Beitrag zu nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken und zur Anpassung an den Klimawandel in Kasachstan.
Warum arbeitet das UfU in Kasachstan?
Kasachstan spielt eine wichtige Rolle in der globalen Lebensmittelversorgungskette. Die Landwirtschaft ist ein entscheidendes Element für die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung Kasachstans. Mehr als 79,3 % der Landesfläche sind der landwirtschaftlichen Produktion gewidmet – etwa 29.669.700 Hektar Ackerland (Weltbank, 2021; Macrotrends, 2020). Die Landwirtschaft Kasachstans bringt gigantische Exporte von Weizen und Mehl hervor. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) prognostiziert, dass bis 2030 die Weizenproduktion Kasachstans, der Ukraine und Russlands zusammengenommen 25-30 % der weltweiten Weizenexporte ausmachen wird, während es heute bereits 21 % sind. Die Rolle Kasachstans als Nahrungsmittellieferant ist besonders wichtig für den Nahen Osten und Nordafrika und damit auch für deren Nahrungsmittelsicherheit.
Aufgrund des Klimawandels steht die kasachische Landwirtschaft vor Herausforderungen wie Dürren oder Überschwemmungen und einer Veränderung der jährlichen Durchschnittstemperatur, welche die Nahrungsmittelproduktion in Zukunft gefährden könnten, wenn Kasachstan nicht in der Lage ist, seine Landwirtschaft an die sich verändernden Umweltbedingungen anzupassen. Gleichzeitig suchen die kasachischen Landwirte nach alternativen Möglichkeiten, ihre Produkte umweltfreundlich und mit geringeren Auswirkungen auf Boden und Natur zu produzieren, da sich Kasachstan wie andere Länder das Ziel gesetzt hat, seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bis 2050 von über 80 % auf etwa 50 % zu reduzieren (Karatayev et al. 2022). Das Land will außerdem bis 2060 kohlenstoffneutral werden (Weltbank, 2023). Da das UfU über umfangreiche Erfahrungen im Bereich der Bodenrenaturierung und des Bodenschutzes verfügt, ist es unser Ziel, die Landwirte in Kasachstan bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen und einen Beitrag zur Sicherung der Welternährung bei gleichzeitiger Gewährleistung einer umweltfreundlichen Landwirtschaft zu leisten.
Das Ministerium für Wasserressourcen und Bewässerung von Kasachstan
Die Bereitstellung von Wasser für die Landwirtschaft ist einer der kritischsten Punkte, wenn es darum geht, die Nahrungsmittelproduktion zu sichern. Kasachstan steht vor großen Herausforderungen wie Wasserknappheit für die Landwirtschaft, häufige Dürren und gelegentliche schwere Überschwemmungen aufgrund der sich ändernden klimatischen Bedingungen. Deshalb hat Kasachstan vor einem Jahr ein neues Ministerium gegründet, das Ministerium für Wasserressourcen und Bewässerung. Anders als in Deutschland, wo es kein eigenes Ministerium für diese Thematik gibt, spielt das Ministerium eine entscheidende Rolle bei der Verwaltung der im Land verfügbaren Wasserquellen und bei der Bewältigung von Klimaextremen. Um dies zu unterstützen, liefert das UfU strategische Erkenntnisse aus seinen Projekten für einen robusten Rahmen zur Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken. Das Ministerium ist bestrebt, die im Rahmen dieser Projekte entwickelten Daten und Strategien zu nutzen, um die nationale Politik zu informieren und praktische Lösungen vor Ort umzusetzen.
Besuch von kasachischen Studenten
Am 18. Juli 2024 empfing das UfU im Rahmen des „Landwirtschaftlichen Praktikumsprogramms in Brandenburg“ von Apollo e.V. auch Studierende mit landwirtschaftlichem Hintergrund von verschiedenen kasachischen Universitäten. Die Studierenden wurden über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und die innovativen Lösungen, die in den Projekten des UfU umgesetzt werden, informiert. Die von Sami Çeltikoğlu und Dr. Arne Reck geleitete Veranstaltung weckte großes Interesse am CarbonIQ-Projekt, insbesondere an dessen Potenzial, landwirtschaftliche Praktiken in Kasachstan zu verändern.
Der Besuch der kasachischen Delegation an der UfU war ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Umweltkooperation zwischen Kasachstan und Deutschland. Die ausführlichen Gespräche und Projekteinblicke bildeten eine solide Grundlage für die künftige Zusammenarbeit mit dem Ziel, nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken und die Klimaresilienz in Kasachstan zu verbessern. Das UfU ist weiterhin entschlossen, Kasachstan auf seinem Weg zu ökologischer Nachhaltigkeit und Klimaanpassung zu unterstützen.
UfU Projekte in Kasachstan
Projekt 4646
Ziel des Projektes „Projekt4646“ ist eine Machtbarkeitsstudie zu den Themen „Klimawandel in der Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Know-how-Transfer zwischen Deutschland und der Republik Kasachstan“ und umfasst zwei Studienphasen. Im ersten Schritt erfolgt eine Vorstudie über die Wahrnehmung des Klimawandels durch Landwirt*innen, politische Entscheidungsträger*innen und landwirtschaftliche Akteur*innen anhand von Befragungen im Fokusgruppenformat. Im zweiten Schritt erfolgt eine direkte Befragung von Landwirt*innen bezüglich der Wahrnehmung der Klimakrise mittels einer Umfrage.
Projekt CarbonIQ
Mit der Pilotstudie „CarbonIQ“ soll eine Entscheidungsgrundlage für die Durchführbarkeit von „Carbon Farming“ in Kasachstan als wichtige Umwelt- und Klimaschutztechnologie geschaffen werden. Konkret zielt das Projekt „CarbonIQ“ darauf ab, das Potenzial der Kohlenstoffspeicherung in den Böden Kasachstans zu bewerten, die Kapazität für „Carbon Farming“ abzuschätzen und wichtige Effekte wie die Förderung der Biodiversität zu untersuchen. „CarbonIQ“ unterstützt auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit, indem das Potenzial der Kohlenstoffspeicherung im Boden für die Landwirt*innen nutzbar gemacht wird. Auf diese Weise können Landwirt*innen konkret sehen, wie sie durch nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken sowohl einen Beitrag für die Natur als auch für ihr eigenes Einkommen leisten können.
Erfolgreiche Abschlussveranstaltung in Birkenwerder mit beeindruckenden Ergebnissen!

18. Juli 2024
Erfolgreiche Abschlussveranstaltung in Birkenwerder mit beeindruckenden Ergebnissen!
Am vergangenen Freitag fand die Abschlussveranstaltung des Energiesparprojektes in Birkenwerder statt. Bürgermeister Stephan Zimniok zeichnete die Teilnehmer aus der Grundschule Pestalozzi, den Kitas Birkenpilz, Festung Krümelstein und Rumpelstilzchen sowie dem Rathaus Birkenwerder für ihr Engagement aus.
Diese Erziehungs- und Bildungseinrichtungen haben mit dem UfU in den letzten vier Jahren jeweils Energiesparprojekte durchgeführt. Diese Energiesparprojekte, welche das UfU seit mehr als 25 Jahren an Schulen und Kitas in Deutschland durchführt, haben mehrere Ziele: Zum einen soll durch Änderung des Nutzerverhaltens der Ressourcenverbrauch gesenkt werden. Zum anderen sollen vor allem die Kinder und Schüler*innen durch eben diese Änderung des Nutzerverhaltens Selbstwirksamkeit erfahren und anhand des Verbrauchs der eigenen Schule/Kita lernen, dass sie etwas bewegen können.
Dazu veranstaltet das UfU zahlreiche Projekttage zu Energie, Klimaschutz, Heizen, Ressourcenverbrauch und anderen Themen und schließt dabei auch das Lehrpersonal und Erzieher*innen mit ein.
Im Rahmen des Energiesparprojektes Birkenwerder wurden unter anderem umfassende Schulungen für die Mitarbeiter*innen des Rathauses sowie Erzieher*innen-Schulungen für die Kitas durchgeführt. So können die Lehrende ihr Wissen direkt an die Kinder weitergeben.
Trotz der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie konnten bedeutende Einsparungen erreicht werden: Insgesamt wurden Einsparungen von fast 14.000€ erreicht. Betrachtet man nur die beiden vergangen Jahre sind Einsparungen von 48.500€ erzielt worden. Insbesondere für Kommunen mit mehreren Schulen, sind die Energiesparprojekte besonders interessant, dass sie die oft klammen Kassen etwas entlasten, eine sinnvolle Bildungsmaßnahme sind und gleichzeitig auch etwas für den Klimaschutz tun. Die Umsetzung dieser führte zu insgesamt 22,24 Tonnen weniger CO2-Emissionen beim benötigten Strom und 89,83 Tonnen weniger CO2-Emissionen durch Einsparungen bei der Wärme.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Erfolg des Projekts ausschließlich durch Veränderungen im Nutzerverhalten erzielt wurde und nicht etwa durch neue technische Ausstattung oder Sanierung. Abschließend rief Bürgermeister Zimniok dazu auf, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen und das Engagement für eine nachhaltige Entwicklung fortzusetzen.
Wer mehr über unsere Energiesparprojekte wissen möchte findet hier Informationen: https://www.ufu.de/energiesparen-an-schulen/
Eure Schule oder Kita soll auch mitmachen? Schreibt eine E-Mail an oliver.ritter@ufu.de











