Vier Jahre KlimaVisionen: 70 Berliner Schulen zeigen, wie Klimaschutz geht

02. September 2025

Nach vier intensiven Projektjahren endet das Projekt „KlimaVisionen – Wege zur klimaneutralen Schule in Berlin”. 70 Schulen aus allen Berliner Bezirken haben jeweils eine eigene Roadmap (Maßnahmenfahrplan) zur Klimaneutralität entwickelt und konkrete Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen umgesetzt. Jetzt braucht es eine Anschlussfinanzierung, um die Schulen auch weiterhin wirkungsvoll zu unterstützen und zugleich neue Schulen auf ihrem Weg zu begleiten, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und gemeinschaftliche Aktionen zu initiieren.

Schulen als Impulsgeber für Klimaneutralität

Der Handlungsdruck ist enorm: Um Berlins Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen, braucht es deutlich mehr konkrete Maßnahmen – insbesondere in öffentlichen Einrichtungen. Schulen nehmen hier eine zentrale Rolle ein. Die im Projekt entwickelten Roadmaps zeigen eindrucksvoll, wie Schulen strukturell und pädagogisch wirksam Emissionen einsparen – und zugleich als Vorbild für andere Institutionen agieren können.

Was gut lief – und was bleibt

Im Rahmen des Projekts wurden nicht nur Zukunftsvisionen entwickelt, sondern greifbare Veränderungen angestoßen. Besonders die strukturelle Verankerung von Klimaschutz durch Klimaparlamente, wie etwa an der Friedrich-Ebert-Oberschule, gehören zu den Highlights des Projekts.

Zudem führte die Projektteilnahme zu intensivem Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen. Hier werden nicht nur Kontakte geknüpft, sondern auch die konkrete Projektplanung vorangetrieben. Im Anschluss tragen die Teilnehmenden die wieder aufgefrischte Motivation zurück in ihre Schulgemeinschaft. Im Verlauf des Projekts haben sich als besonders wirksam herauskristallisiert:

  • Die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern
  • Die Kooperation von Teams innerhalb der Schule und die Einbindung z.B. der Gesamtkonferenz
  • Die nachhaltige, strukturelle Verankerung der Bemühungen und Klimaschutzaktionen z.B. durch ein Klimaparlament oder eine Klima-AG
  • Die Festlegung von realistischen Zielen und die Priorisierung wirkungsvoller Maßnahmen

Klimaschutz braucht strukturelle Verankerung

Die Erkenntnisse der projektbegleitenden Evaluation zeigen deutlich: Für eine nachhaltige Umsetzung braucht es verbindliche Strukturen und politische Rückendeckung. Viele Maßnahmen wurden bislang freiwillig und zusätzlich zur regulären Arbeit umgesetzt. Ohne genügend Zeitressourcen, koordinierende Stellen und angemessener Anerkennung bleibt es beim Engagement Einzelner. Daher fordert das UfU an jeder Schule eine feste Koordinierungsperson für Klimaschutz und Klimaanpassung, die Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Vordergrund rückt.

Darüber hinaus braucht es eine intensivere Begleitung durch externe Partner, um engagierte Lehrkräfte entlasten zu können, sowie eine stärkere Vernetzung mit Bezirksämtern und Kommunen. Denn dort, wo gute Ansprechpersonen vorhanden waren, konnten Schulen ihre Roadmaps deutlich schneller umsetzen.

Klimaaktionen umsetzen motiviert und stärkt Selbstwirksamkeit

Die Erfahrungen im Projekt zeigen deutlich: Effektiver Klimaschutz an Schulen braucht eine Balance zwischen sichtbaren, direkt emissionsvermeidenden Maßnahmen und der Bewusstseinsbildung im Schulalltag. So kann die Gestaltung von Hochbeeten ein erster Erfolg sein, um Momentum zu gewinnen und mit Motivation auch die schwierigeren Themen anzugehen. Wie etwa: Wie gelingt es die Schulgemeinschaft zu mobilisieren? Wie kann die energetische Sanierung der Schulgebäude auf die Agenda von Entscheidungsträger*innen gesetzt werden? Wie kann effektiver Hitzeschutz etabliert werden?
Auch die sogenannte „Attitude-Behavior-Gap“ (Kollmuss & Agyeman, 2002) zeigt sich deutlich: Lehrkräfte erleben Klimaschutz besonders dann als sinnvoll, wenn sie selbstwirksam handeln können – nicht nur, wenn Themen im Unterricht behandelt werden.

Wie geht es nun weiter?

Nach Projektende liegt die Umsetzung der Roadmaps bei den Schulen selbst. Viele engagieren sich weiterhin mit großer Motivation – nicht zuletzt dank der entstandenen Netzwerke. Doch es braucht klare politische Signale, dass die Klimaziele Berlins ernst genommen werden. Das bisher Erreichte wird ohne nachhaltige strukturelle Förderung und zentrale Unterstützung nicht dauerhaft Bestand haben.

Das UfU sucht aktiv nach neuen Fördermöglichkeiten, um das erfolgreich und mehrfach ausgezeichnete Modellprojekt fortzusetzen und weitere Schulen und auch andere Bildungseinrichtungen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten.

Das Projekt „KlimaVisionen“ zeigt: Klimaschutz an Schulen wirkt – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Damit Berlin seine Ziele erreicht, braucht es neben engagierten Lehrkräften und motivierten Schüler*innen vor allem auch den politischen Willen, Schule neu zu denken: als echten Lern- und Gestaltungsort für eine klimaneutrale Zukunft.

Weitere Informationen, Materialien und die Handreichung „Schulen als Impulsgeber für Klimaneutralität in Städten – Die Vision einer klimaneutralen Schule“ finden Sie hier.


FutureLab – Energie trifft Kreativität: Jugendliche gestalten ihre Zukunft im Jugendbildungszentrum Blossin

26. August 2025

Wie kann eine nachhaltige Zukunft aussehen – und welche Rolle können junge Menschen dabei spielen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Ferienfreizeit „FutureLab – Energie trifft Kreativität“, die vergangene Woche im Jugendbildungszentrum Blossin stattfand. Mit Unterstützung von Muriel Neugebauer und Matthias Laminski aus dem Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) setzten sich Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren auf kreative, praxisnahe und partizipative Weise mit den Themen Klimaschutz, Energie und Zukunftsgestaltung auseinander.

Ziel des Projekts war es, Jugendlichen Raum zu geben, eigene Ideen für eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln – und gleichzeitig erfahrbar zu machen, dass ihr eigenes Handeln einen Unterschied machen kann. Dabei stand die Verbindung von interaktiven Lernspielen, praktisch-kreativen Methoden, und gemeinschaftlichen Erfahrungen im Mittelpunkt.

Zu den Programmpunkten gehörten eine Klimarallye, eine interaktive Ausstellung zur Energiewende, eine Visionswerkstatt zur künstlerischen Gestaltung eigener nachhaltiger Zukunftsideen sowie ein Segeltörn mit dem Team-Kutter, bei dem Windkraft direkt erlebbar wurde.

Beim Fahrradkino erzeugten die Jugendlichen ihren eigenen Strom – und reflektierten spielerisch den Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und -erzeugung. Eine Exkursion ins energieautarke Dorf Feldheim rundete die Woche ab und zeigte anhand eines realen Beispiels, wie nachhaltige Energieversorgung funktionieren kann.

Warum ist das wichtig? Die Freizeit stärkt nicht nur das Umweltbewusstsein der Jugendlichen, sondern auch ihre Selbstwirksamkeit: Sie erleben konkret, dass nachhaltige Ideen entwickeln und Mut zum eigenen Handeln Wirkung haben und etwas bewegen kann.

Projektbetreuende Muriel Neugebauer betont:
„Wir wollten mit dem FutureLab einen Raum schaffen, in dem junge Menschen spielerisch, kreativ und gemeinschaftlich über ihre Zukunft nachdenken – und gleichzeitig ganz konkrete Erfahrungen zu Fragen nachhaltiger Energie sammeln. Die Freude und das Engagement der Teilnehmenden haben uns gezeigt, wie wichtig und wirksam solche Formate sind.“

Ganz praktisch zeigt das Projekt, dass Nachhaltigkeitsbildung am besten funktioniert, wenn sie aktiv, partizipativ und lebensnah gestaltet wird und dass Jugendliche ein tieferes Verständnis für komplexe Themen wie die Energiewende entwickeln, wenn sie durch Erleben, Gestalten und Reflektieren lernen.

Wie geht es weiter?
Die positiven Rückmeldungen von Jugendlichen, Eltern und dem pädagogischen Team zeigen: Das FutureLab hat Zukunft. Eine Fortsetzung der Ferienfreizeit ist für den Sommer 2026 bereits in Planung.


Energiesparprojekt in Marzahn-Hellersdorf – Drei Schulen mit Modellcharakter für Berlin

12. August 2025

Berlin, Marzahn-Hellersdorf – An drei Schulen des Bezirks ist für das aktuelle Schuljahr ein neues Energiesparprojekt durchgeführt worden. Das Projekt, welches nachhaltig die Energieverbräuche der Schulen senken soll, setzt auf intensive pädagogische Betreuung, Teilhabe der Kinder und auf ein monatliches Energiemonitoring. Damit wurden in dem Vorhaben neue Maßstäbe in der schulischen Klimabildung und Energieeffizienz gesetzt.

Zur Projektseite

Warum Energiesparen an Schulen?

Wenn es um die erfolgreiche Energiewende geht, wird das Potential der Suffizienz, also Einsparung immer noch massiv unterschätzt. Dabei bieten der schonende Umgang mit Ressourcen und das Einsparen von Energieverbräuchen die Chance, unseren Bedarf erheblich zu senken und damit auch den Druck auf bekannte Konflikte wie bspw. den Flächenkonflikt zu senken. Schulen sind der größte Energieverbraucher der öffentlichen Hand und bieten enorme Einsparpotentiale.

Pilotprojekt mit Vorbildfunktion

Das Energiesparprojekt besteht sowohl aus Unterrichtseinheiten, Praxisworkshops und einem Energiemonitoring. Dem Bezirk war es wichtig, dass innerhalb des Projekts, die Schulen intensiv pädagogisch betreut werden. Deshalb erhielten alle Schulen in dem Projekt Unterrichtseinheiten zu Energie, Klima und Nachhaltigkeit und stärkten so das Bewusstsein der Schüler- und Lehrer*innen für Umweltthemen. Zusätzlich führten die Schulen regelmäßig Raumtemperaturmessungen und andere Workshops durch, damit die Schüler*innen Verständnis für die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Verbräuche anschaulich erfahren können. Es wurden Energy-Clubs an den Schulen gegründet, die den Schüler*innen die Möglichkeit geben, sich für die Schule verantwortlich zu fühlen und eigene Ideen umzusetzen. Auf diese Weise macht Bildungsarbeit Spaß und die Schüler*innen erfahren Selbstwirksamkeit. Zusätzlich wurde an allen drei Schulen erstmalig ein monatliches Energiemonitoring durchgeführt. Dabei wurden die Verbrauchsdaten für Wärme, Strom und Wasser ausgewertet und mit Vorjahreswerten verglichen. Die Ergebnisse zeigen sowohl Erfolge als auch Herausforderungen:

– Wärmeverbrauch sank in zwei der drei Schulen um bis zu 7 %
– Stromverbrauch reduzierte sich um 11 % (WvS) und 7 % (JS)
– Wasserverbrauch stieg in einer Schule um 19 %, was auf eine möglichen Schaden hinweist

Diese regelmäßigen Auswertungen machen deutlich, wie wichtig ein funktionierendes Energiecontrolling ist – nicht nur zur Einsparung, sondern auch zur schnellen Erkennung und Behebung von Problemen. Teilweise werden Maßnahmen in den Schulen, z.B. im Bereich der Nacht- und Wochenendabsenkung der Heizungsanlage auch erst zur kommenden Heizperiode umgesetzt, so dass weiteres Einsparpotential erwartet wird.

Forderung nach Ausweitung des Projekts

Das Projekt zeigt, dass gezielte pädagogische Betreuung in Kombination mit technischem Monitoring echte Wirkung zeigt – sowohl bei den Verbrauchszahlen als auch bei der Klimabildung. Schüler*innen wirken bei den Projekten selbst aktiv mit und werden so für die Thematik sensibilisiert, erfahren Selbstwirksamkeit im Zusammenhang mit der Energiewende. Das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) fordert daher eine Ausweitung vergleichbarer Projekte auf alle Berliner Bezirke und Kommunen in Brandenburg, um das Ziel einer klimaneutralen Schule realistisch zu erreichen. Auch finanziell ist die Durchführung solcher Projekte lohnend. Denn die Kosteneinsparungen durch die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs übersteigen die anfallenden Kosten für die Durchführung derartiger Projekte.

Wie geht es weiter?

Im kommenden Schuljahr wird das Projekt in den drei Marzahn-Hellersdorfer Schulen fortgesetzt – allerdings ist die Beauftragung zunächst nur bis Ende 2025 gesichert. Eine Fortführung über 2026 hinaus sowie die Einbindung weiterer Schulen wird angestrebt. Die Erfassung der Verbrauchsdaten soll weiter optimiert werden, um ein noch effizienteres Controlling zu ermöglichen.


Bildungsstätten für den Klimawandel resilient machen

In Deutschland stehen Bildungsstätten (Schulen, Kindergärten, Berufsschulen, Nachmittagsbetreuung) angesichts des Klimawandels vor enormen Herausforderungen. Auf der einen Seite sind sie Orte des Lernens und können als solche nur funktionieren, wenn sie selbst klimaangepasst und resilient gegenüber den klimatischen Bedingungen der Zukunft sind. Dies betrifft vor allem ihre bauliche Beschaffenheit, das Problem des Denkmalschutzes und fehlende Gelder für Sanierung. Auf der anderen Seite haben diese Bildungsstätten den Auftrag, die Thematik Klimawandel, Klimaanpassung, Naturschutz auch in die eigene Bildungsarbeit zu integrieren und hier als Vorbilder zu fungieren.

In unserem aktuellen Policy Paper zeigen wir auf, wie dringend gezielte Investitionen in die Sanierung – insbesondere denkmalgeschützter Gebäude – und die Qualifizierung des Personals bzw. die Weiterentwicklung der Bildungsformate sind. Besonders wichtig ist es, die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen wie Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen stärker zu berücksichtigen. Bildungsstätten müssen in die Lage versetzt werden, Schutzkonzepte anzupassen und regionale Besonderheiten in ihren Programmen zu adressieren.

Ein zentrales Anliegen ist die Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), globalem Lernen und politischer Bildung. Diese sollen helfen, die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Klimawandels zu vermitteln und Menschen zu befähigen, sich aktiv in die Klimadebatte einzubringen.

Wir fordern:

  • Spezifische Förderprogramme für bauliche Anpassungen, insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden.

  • Stärkere Berücksichtigung und Schutz vulnerabler Gruppen.

  • Unterstützung regionaler Bildungsprogramme zur Klimaanpassung.

  • Finanzielle und strukturelle Förderung von BNE, globalem Lernen und politischer Bildung.

  • Intensivierten Austausch und Zusammenarbeit zwischen Bildungsstätten und politischen Entscheidungsträgern.

UfU, AdB & Villa Fohrde | Policy Paper - Bildungsstätten resilient für den Klimawandel machen

ENRICH Workshop 2 – Kinderrechte und Umweltschutz vermitteln

25. Juni 2025

Ökologische Kinderrechte in der zeitgemäßen Bildungsarbeit

Am 17. Juni 2025 fand im Rahmen des ENRICH-Projekts der zweite Workshop des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) zum Thema “Kinderrechte und Umweltschutz vermitteln – ökologische Kinderrechte in der zeitgemäßen Bildungsarbeit” statt. Im Zentrum stand die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Schnittstelle von Kinderrechten und Bildung, insbesondere im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Theorie und Praxis.

Fachlicher Input und Diskurs

Rund 30 Fachkräfte aus der formalen und non-formalen Bildungsarbeit, aus den Bereichen Umweltbildung und BNE sowie Expertinnen aus dem Umwelt- und Kinderrecht kamen zusammen. Bereits in der Eröffnung wurde deutlich, dass BNE eine zentrale Rolle in der Vermittlung und Umsetzung ökologischer Kinderrechte spielt. Neben Good-Practice-Beispielen wurden bestehende Defizite in der Implementierung identifiziert.

Thematischer Fokus

Zu Beginn des Workshops lieferten zwei Fachvorträge fundierte Hintergrundinformationen: Die Umweltjuristin Luisa Schneider gab einen umfassenden Einblick in Inhalte und Bedeutung der Aarhus-Konvention im Kontext von Kinderrechten. Insbesondere der Zugang zu Umweltinformationen, das Mitspracherecht bei umweltrelevanten Entscheidungen und den Zugang zu Gerichten (vgl. Materialien) wurden thematisiert.

Im Anschluss erläuterte Sven Stumpf, Mitglied des Netzwerks zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und sowie der Stabsstelle Advocacy bei SOS Kinderdorf Deutschland e.V., in seinem Vortrag „Ökologische Kinderrechte und BNE verstehen und umsetzen“. Dabei plädierte Herr Stumpf dafür, BNE, politische Bildung und Kinderrechte stärker zusammenzusagen und die Umsetzungslücke Ökologischer Kinderrechte endlich zu schließen. Sein Fazit lautete: BNE ist nicht Add-on, sondern Ausdruck von Kinderrechten. (vgl. Materialien)

Praxisbeispiele

Drei Impulsbeiträge stellten erfolgreiche Praxisprojekte vor:

  • „Young Impact Fund“ (Anne Nemack, BUNDjugend Bundesverband)
  • „FREI Day“ (Tobias Feitkenhauer)
  • „UNICEF Kinderrechteschulen“ (inkl. Kurzschaltung von Kirsten Leyendecker)

Im Anschluss reflektierten die Teilnehmenden in einer interaktiven „stillen Diskussion“ ihre Erfahrungen aus der Praxis. Der Blick richtete sich sowohl auf bestehende Ressourcen, als auch auf Herausforderungen bzw. Hürden sowie notwendige Maßnahmen.

Zentrale Forderungen und Ideen für Maßnahmen umfassen:

Visionen

  • Kinderrechts auf gesunde Umwelt wird ernst genommen
  • Selbstwirksamkeitserfahrungen von Kindern und Jugendlichen im gesamtem Kontext Jugendhilfe und Schule
  • Ernstnehmen von Wünschen, Bedürfnissen und Ängsten von Kindern und Jugendlichen
  • Gemeinsame, partizipative Planung von Radwegen und ÖPNV mit Jugendlichen

Notwendige Ressourcen; Prozesse und Akteure

  • Finanzierung:
    • Langfristige Finanzierung > dadurch auch Gewährleistung von Planbarkeit
    • Niedrigschwellige Fördertöpfe für Projekte
  • Personal
    • Vollzeitstelle Klimamanagement (Bsp. Jugendhilfeträger)
    • BNE-Koordinator*in in jeder Bildungseinrichtung
    • Personal und Zeit für den Themenkomplex
  • Weiterbildung
    • Strukturell verankerte, verbindliche Weitebildung von Lehrkräften und Schulleitungen zu BNE
    • Foren / Aktionstage zu Demokratiebildung
  • Maßnahmen
    • Austauschmöglichkeiten und Vereinheitlichung von Forderungen (Bsp. Voneinander Lernen in Bezug auf die Maßnahme, auf einem Schuldach Solarpanels anzubringen)
    • Strukturelle verankerte Beteiligungsformate für Kinder und Jugendliche auf allen Ebenen (Kommune, Land, Bund)
    • Mehr Jugendclubs in ländlichen Gegenden sowie in städtischen Gebieten mit sozialen Herausforderungen

Ausblick

Diese Empfehlungen sowie die Vernetzung als solches sind ein Schritt in Richtung einer stärkeren Verzahnung von ökologischen Kinderechten und Bildung in Deutschland. Die Ergebnisse des Workshops fließen in die kommende Veranstaltung im November 2025 ein.

Workshopdokumentation

Energie erleben: Das KLAK-Fahrradkino bei den MINTmachtagen 2025

Am 17. Juni 2025 brachte das mobile KLAK-Fahrradkino des UfU frischen Schwung auf den EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg – bei den zentralen MINTmachtagen, organisiert von der Stiftung Kinder Forschen. Durch unsere mitreißende Fahrraddisko, mit dem Berliner DJ Matthias Morgenstern, wurde nachhaltige Energie für über 100 Kinder direkt erlebbar: In die Pedale treten, Strom erzeugen, Musik starten – so wird Lernen zum Mitmach-Abenteuer.

Neben der Fahrraddisko experimentierten die Kinder mit Solarenergie, Reibung und Kettenreaktionen – ein Forschungstag voller Neugier, Bewegung und Entdeckungsfreude.

Bundesbildungsministerin Karin Prien besuchte die Veranstaltung und betonte die Bedeutung früher MINT-Bildung für die Zukunft unserer Gesellschaft. Auch Moderator André Gatzke (KIKA) und das Krümelmonster aus der Sesamstraße sorgten für Begeisterung. Ein musikalisches Highlight lieferte die Band 3Berlin mit dem eigens komponierten Song „Pure Energie“.

Unser Beitrag zeigte: Bildung, Bewegung und Nachhaltigkeit lassen sich spielerisch verbinden – und machen Kindern sichtbar Spaß. Ein voller Erfolg für Umweltbildung zum Mitmachen!

Das mobile KLAK-Fahrradkino und die Fahrraddisko des UfU können gemietet werden über unsere Website: www.fahrradkino.org  Oder schreiben sie uns einfach an: matthias.laminski@ufu.de


Neue Podcast-Folge zu „Klima & Flucht“

Neue Podcast-Folge zu „Klima & Flucht“

Der Podcast Diversitas (des Kreis Recklinghausen) spricht in seiner aktuellen Folge mit unserem Mitarbeiter Dr. Christoph Herrler und KlimaGesichter-Referentin Anne Marcelle Rakotonirina über die Zusammenhänge von Klimakrise und Flucht. Es geht unter anderem um die verschiedenen Aspekte der Klimakrise, die zu Migrationsbewegungen führen können, Gerechtigkeit und die Frage, wie man sich engagieren soll. Veranschaulicht wird dies vor allem an Madagaskar, Annes Heimatland.

Der Podcast dauert ca. 47 Minuten und ist hier verfügbar. Das Gespräch ist auf Deutsch.


ENRICH Workshop 1: Kinderrechte und Umweltschutz vernetzen

21. Mai 2025

Synergien nutzen, Partizipation stärken

Am 16. Mai 2025 fand in Berlin der erste Workshop des ENRICH-Projekts mit dem Titel „Kinderrechte und Umweltschutz vernetzen: Synergien nutzen, Partizipation stärken“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, die rechtlichen Grundlagen sowie die tatsächliche Umsetzung in der Praxis in Hinblick auf Kinderrechte in Umweltangelegenheiten zu beleuchten und vernetzte Lösungsansätze zu entwickeln.

Fachlicher Austausch und rechtlicher Rahmen

Im Rahmen des Workshops kamen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Umweltrecht, Kinderrecht, pädagogischer Praxis, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie weiteren relevanten Feldern zusammen. Im Mittelpunkt standen die UN-Kinderrechtskonvention und die Aarhus-Konvention, die beiden zentrale Rechte betonen: das Recht jedes Kindes auf eine gesunde Umwelt sowie die aktive Mitgestaltung der eigenen Zukunft.

Thematischer Fokus

Der Workshop gliederte sich in eine Phase von Inputs sowie einen interaktiven Teil.

  • Das Recht des Kindes auf eine gesunde Umwelt
  • Zugang zu Umweltinformationen und -bildung für Kinder
  • Beteiligungsrechte bei Umweltentscheidungen
  • Rechtsschutz für Kinder in Umweltfragen
  • Synergien zwischen Kinder‑ und Umweltrechten

In ihrem einführenden Fachvortrag erläuterte die Umweltjuristin Luisa Schneider (UfU) die Inhalte und die Bedeutung der Aarhus-Konvention und bettete diese in den Kontext von Kinderrechten ein. Die Konvention garantiert den Zugang zu Umweltinformationen, das Mitspracherecht bei umweltrelevanten Entscheidungen und den Zugang zu Gerichten.

Anschließend lieferte Jonas Schubert, Advocacy Officer bei Terre des Hommes Deutschland e.V., in seinem Vortrag einen umfassenden Überblick zur UN-Kinderrechtskonvention sowie im Besonderen auf den General Comment No. 26. Diese Allgemeine Bemerkung ist ein wichtiges Werkzeug zur Sicherstellung des Rechts jedes Kindes auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt.

Ergebnisse und Empfehlungen des Workshops

Im Anschluss erarbeiteten die Teilnehmenden in interdisziplinären Kleingruppen sowie im Plenum praxisnahe Lösungsvorschläge:

  1. Rechtliche und institutionelle Stärkung
    • Das Recht auf eine gesunde Umwelt im Grundgesetz und ähnlichen Rechtsgrundlagen verankern.
    • Das Kindeswohl stärker in umweltpolitische Entscheidungen integrieren.
    • Kindern gezielt ein Klagerecht im Umweltbereich eröffnen.
    • Verfahren „kinderfreundlich“ gestalten – sowohl administrativ als auch juristisch.
    • Eine ressortübergreifende Koordination etablieren, damit Kinderrechte in allen Umwelt- und Klimapolitiken berücksichtigt werden.
  2. Partizipation und Zugang zum Recht
    • Kinder systematisch bei der Erstellung von Umweltinformationen und Bildungsangeboten einbeziehen.
    • Unterstützung bieten, wenn Kinder an rechtlichen oder administrativen Verfahren teilnehmen möchten.
    • Mechanismen einführen, die Beteiligung und Umsetzung regelmäßig prüfen und transparent berichten.
  3. Bildung und Sensibilisierung
    • Schulcurricula flexibler gestalten und Kinder‑ und Umweltrechte besser integrieren.
    • Fortbildungen für Lehrkräfte und Fachkräfte aus Umwelt‑ und Kinderrechtsbereichen fördern.
    • Plattformen und Trainings zwischen Umwelt‑ und Kinderrechtsakteur*innen etablieren – zum Wissenstransfer und gemeinsamen Lernen.
  4. Ressourcen und gezielte Förderung
    • Fördermittel speziell für Projekte an der Schnittstelle Umwelt–Kinderrechte bereitstellen.
    • Finanzielle und personelle Ressourcen zur Umsetzung sicherstellen.
    • Besonders schutzbedürftige Kindergruppen – z. B. aus benachteiligten Regionen – gezielt unterstützen.

Ausblick

Die im Rahmen des Workshops entwickelten Empfehlungen und die gestärkten Netzwerke bilden eine essenzielle Grundlage für die weitere Verzahnung von Umweltschutz und Kinderrechten in Deutschland. Die Ergebnisse fließen in die Folgeveranstaltung im November 2025 ein und werden fortlaufend dokumentiert.

Workshopdokumentation

Die Rolle Transformativer Bildung zur Mobilisierung - DBU Fellow analysiert Mittel der Mobilisierung für Umweltbewegungen

Die Rolle Transformativer Bildung zur Mobilisierung

DBU Fellow analysiert Mittel der Mobilisierung für Umweltbewegungen

 

Wie kann transformative Bildung mehr Menschen zum wirksamem und politischem Handeln motivieren? Diese Frage analysiert Jelena Benčić  in ihrer Aufgabe als DBU-Fellow am UfU.

Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Rechtsrucks und eines nicht ausreichenden Rückhalts für den Klimaschutz durch die breite Öffentlichkeit wird in der entstandenen Analyse die Frage gestellt, welche Ansätze es für zivilgesellschaftliche Verbände und Initiativen gibt, diesen politischen und gesellschaftlichen Tendenzen zu begegnen. Als Antwort auf diese Frage bietet sich transformative Bildung als einer der möglichen Ansätze an. Jelena ging der Frage nach, warum aus der Sicht der Umweltpsychologie die transformative Bildung ein unumgängliches Mittel im Kampf gegen die Klimakrise unter den aktuellen Bedingungen ist. Außerdem wurde die praktische Arbeit von Umweltverbänden in Deutschland und Kroatien betrachtet. Dabei wurden insbesondere Herausforderungen in der Bildungsarbeit, mögliche Lösungsansätze und genutzte Bildungsmethoden beleuchtet.

Vorgehensweise

Neben einer Literaturrecherche mit dem Schwerpunkt Umweltpsychologie wurden sieben qualitative leitfadengestützte Interviews durchgeführt, mit einem Mitglied der Initiative Psychologists for Future sowie mit sechs Vertreter*innen von Umweltverbänden aus Deutschland und Kroatien.

Wichtigste Erkenntnisse

Es konnte festgestellt werden, dass transformative Bildung das Potenzial besitzt, mehr öffentliche Unterstützung für den Klimaschutz zu generieren. Entscheidende Punkte dabei sind das Hervorheben von wirksamen Handlungsmöglichkeiten, die das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärken, wie auch das Verbinden der Klimakrise mit anderen Problemlagen, die Menschen aktuell besorgen.

Bei den interviewten Verbänden war der Pessimismus angesichts des Rechtsrucks und der Dringlichkeit der Klimakrise in Deutschland deutlich zu spüren, während die Umweltverbände aus Kroatien von gezielten Repressionsmaßnahmen gegen ihre Arbeit und einer schlechten Finanzierungssituation berichteten.

Umweltverbände aus beiden Ländern sehen ihre Bildungsarbeit als wichtige Ergänzung zum formalen, schulischen Bildungsangebot, welches drängende Themen wie die Klimakrise oft nicht ausreichend und nicht im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) behandelt.

Eine wichtige Herangehensweise für viele Verbände ist die Ausbildung von jungen Multiplikator*innen, die selbst Bildungsangebote gestalten und ihr Wissen und ihre Erfahrungen für mehr Nachhaltigkeit weitergeben. Dabei sind methodische und inhaltliche Innovationen gefragt, um (auch neue) Teilnehmende zu erreichen.

Eine besondere Herausforderung ist es für viele Verbände und Institutionen, Menschen zu erreichen, die sich wenig für Nachhaltigkeitsthemen interessieren. Die interviewten Verbände sehen im Ansatz der transformativen Bildung jedoch einen vielversprechenden Weg, da durch vielfältige, aktivierende Methoden und unterschiedliche Themenschwerpunkte auch komplexe Inhalte ansprechend vermittelt und Menschen für Engagement aktiviert werden können.

Das UfU hat von September 2024 bis zur Mitte Mai die Arbeit von Jelena Benčić, einer DBU Stipendiatin aus Kroatien, betreut. Ihre Arbeit wurde durch Larissa Donges, Leiterin des Fachgebiets Klimaschutz & Transformative Bildung betreut, unterstützt durch das Fachgebiet Umweltrecht & Partizipation.

Jelena Benčić ist diplomierte Anglistin und Germanistin, die gerne schreibt, übersetzt, forscht und Neues dazulernt. Das Fellowship der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für

Hochschulabsolvierende aus Mittel- und Osteuropa ermöglicht eine Weiterqualifikation von jungen Expert*innen aus allen Fachrichtungen zu umweltrelevanten Themen.

Die Analyse von Jelena ist auf der UfU Webseite unter Publikationen zu finden.


UfU feiert seinen 35. Geburtstag – erwachsen, lebendig und mehr denn je gebraucht

UfU feiert seinen 35. Geburtstag – erwachsen, lebendig und mehr denn je gebraucht

Das Unabhängige Institut für Umweltfragen e.V. feiert am 10. März 2025 seinen 35. Geburtstag. Obwohl der Aufruf zur Gründung eines Unabhängigen Instituts für Umweltfragen schon im Herbst 1989 an allen Orten, die dafür von der DDR-Regierung zur Verfügung gestellt wurden, stammte, konnte die offizielle Gründung des Vereins erst im März 1990 erfolgen. Denn in der DDR gab es kein Vereinsrecht und somit auch keine Möglichkeit, neue Organisationen zu gründen. In der Übergangsphase zwischen dem Herbst 1989 und der Vereinigung am 3. Oktober 1990 verabschiedete die Volkskammer, das DDR-Parlament, dann ein Gesetz, welches es ermöglichte, das UfU als einen der ersten eingetragenen Vereine überhaupt in der DDR zu gründen. Etwa 200 Gründungsmitglieder*innen kamen am 10. März 1990 nach Karlshorst, um sowohl die offizielle Gründung des Vereins vorzunehmen als auch – und damals sicher noch wichtiger – sich zur Umweltlage in der DDR und dem möglichen Beitrag eines unabhängigen – heute würde man wohl sagen -Think Tanks zu verständigen.

Foto von Robert So: https://www.pexels.com/de-de/foto/31260352/

Die Welt war im März 1990 eine andere als heute. Auch damals ereignete sich ein Epochenbruch mit gravierenden Konsequenzen. Heute ereignet sich ebenfalls eine Zeitenwende. Aber Euphorie mag – anders als 1989/1990 – nicht aufkommen. Statt – wie 1989/1990 – in West und Ost Einigkeit darüber bestand, dass sich die Verhältnisse zum Besseren verändern, ist das heute nicht der Fall. Wir müssen heute kämpfen wie nie, damit es keinen Rückfall in dunkle, längst hinter uns liegende Zeiten gibt.

Die Erinnerung, warum das UfU gegründet werden musste, taugt auch heute als Motivation. In der DDR hatte der Staat das Monopol der Wahrheit. Auch in Umweltfragen. Noch Mitte der 1980 Jahre behauptete Erich Honecker im Zentralorgan „Neues Deutschland“ gegenüber Olaf Palme, dem Ministerpräsidenten Schwedens und auf Staatsbesuch in der DDR, die DDR hätte keine Probleme mit dem Waldsterben und dem Umweltschutz allgemein. Damit war nicht nur der Ton gesetzt. Auch die Faktenlage war für alle Staatsbedienstete der DDR und darüber hinaus alle Bürger*innen der DDR klar. Einen Anspruch auf die Herausgabe von Umweltinformationen, wie das heute in der Bundesrepublik und der gesamten Europäischen Union garantiert ist, gab es in der DDR selbstverständlich nicht. Man konnte Eingaben an Stellen des DDR-Staates schreiben, sich über unzumutbare Zustände von Natur und Umwelt beschweren und wenn man Glück hatte, wurden diese zumindest formal beantwortet. Geändert hat sich dadurch nichts. In der DDR war daher der Kampf für Umwelt- und Naturschutz zunehmend der Kampf um Umweltinformationen und Transparenz, wie gut bzw. schlecht es um Umwelt und Natur ganz allgemein bestellt war.

Und daher war mit Gründung des UfU zunächst die wichtigste Aufgabe des neuen Instituts, verlässliche und glaubwürdige Informationen zum Zustand von Umwelt- und Natur für Ostdeutschland zu liefern. Aufklärung und die Einbeziehung der Bevölkerung waren die wichtigsten Kanäle, um dieses Ziel zu erreichen. Noch heute sind im UfU daher Bildung und Beteiligung die beiden Säulen und Markenzeichen. Wer aus einer Diktatur kommt, weiß auch im 35. Jahr wie wichtig diese sind, um Umwelt- und Naturschutz voran zu bringen.